NACHT MIT LIEBE

Du duftest dunkel wie die Nacht
Wenn Dein Busen bebend lacht
Voll mit Liebe, aufgewacht

Umarme mich ganz wie die Nacht
Sei mein Bett, groß, fest und sacht
Und voll mit Liebe zart vollbracht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

FERTIGSTELLUNG UNSERER GEDANKEN

Mehrere unfertige Gedanken kamen heute,
scharen sich seit Stunden eng um mich
wie fremd duftende, dürftige, durstige Leute,
erzählen aber erstmal recht wenig über sich.

Ich könnte sie ablehnen und zurückweisen,
doch heiße ich sie vortreten und prüfe sie,
dann lasse ich sie an meinem Innern speisen,
sie futternd, ergänzend, damit ich sie groß zieh.

Dann geschieht plötzlich das Wunderbare:
Gestaltwandler, sie nehmen neue Formen an:
Der Tiefe, der Hohe, der Kluge, der Sonderbare:
Inhaltswandler, sie führen mich an Neues heran.

An neue Denkungsweisen und neue Fragen,
an neue Zusammenhänge und Erkenntnisse,
die alle dennoch eine alte Weisheit in sich tragen:
Zusammenschluss erzielt die besten Ergebnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MANCHER SIEHT DICH MIT SEINEM HERZEN

Mancher sieht Dich mit seinem Herzen,
nicht mit seinen Augen -
Alle Deine körperlichen Schönheiten
werden hier nicht taugen.

Mancher hört Dir mit seinem Herzen zu,
nicht mit seinen Ohren -
Ob kühl oder weinerlich Deine Worte sind,
da hast Du schon verloren.

Mancher tastet nach Dir mit seinem Herzen,
nicht mit seinen Händen -
Er empfindet Dein wahres Wesen deutlich,
hinter allen Deinen Wänden.

Schweigen hat stets eine Doppeldeutung,
Worte eine zweifache Funktion -
Wer nicht ahnend hinter die Kulissen schaut,
der lernt nie seine Lektion.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IDEENKRÄHEN

Ich flog durch die Nacht wie ein Vogel,
den ich nicht erkannte. Ich flog und sah mich
fliegend, als wäre ich außerhalb von mir,
inmitten von anderen seltsamen Vögeln,
nur waren sie mir vertraut und heimlich.
Wir blickten uns prüfend in die Augen
gegenseitig, erkannten in einander Gleichart
und flogen weiter zusammen durch die Nacht,
wie Gedanken der Nacht, unterwegs zu Dir.

Du schläfst noch, als wir Dich finden.
Nur unbewusst in Deinem Empfinden
nimmst Du uns wahr, entgegen und auf,
Du, das nächste Ziel in unserem Kreislauf.
Von Generation zu Generation, wir sind hier,
Zivilisation zu Zivilisation geflohen sind wir,
um mit ihren Sonnen nicht runterzugehen.
Irgendwann werden wir das Morgenland sehen,
das erhellt wird durch uns, lichtstrebende Ideen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG

Gewinnen ist verlieren.
Wieviel musste ich gewinnen,
um zu begreifen, wieviel ich dabei verloren habe?

Verlieren ist gewinnen.
Wieviel musste ich verlieren,
um zu sehen, wieviel ich dadurch gewonnen habe?

Ich bin umgeben von Menschen,
die gegen mich und gegen alle gewinnen wollen.
Für diesen Sieg werden sie, wie einst ich,
alles geben und verlieren, was sie hüten sollen.

Erst darnach, zu spät, werden sie verstehen,
daß es doch nicht so schlimm ist, zu verlieren,
um dabei richtig zu stehen, aufrecht zu gehen
den Tugenden nach, die nach Oben führen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ERHOLSAMER SCHLAF

Die Müdigkeit durchdrang meine Knochen
aber sie schonte meinen Geist, zum Glück.
Mein Körper schlief lang und beim Erwachen
kehrte meine Seele aus Traumwelten zurück.

Ich habe Liebe gefühlt und Mut gerochen,
traf mich mit als Weinen getarntem Lachen,
erhielt geistiges Brot als erstes Frühstück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBSTBEHERRSCHUNG

Einfach nur weil es da ist,
bedeutet nicht,
daß Du es nehmen musst.

Selbstbeherrschung frisst,
langsam, bricht
die Macht unbeherrschter Lust.

Wer sich aber kurz vergisst,
erlebt das Gewicht
unerfüllbarer Lust mit Frust.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GERISSEN

Deutschland, in Deiner Brust, wahrlich,
schlagen stets zwei Herzen -
Eins äußerlich, eins innerlich,
und beide verursachen Dir Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VIELSAGEND

Wenig sagen ist vielsagend
Kindlich fragen ist weissagend
Demut wagen ist hervorragend

Die Welt wird starrer und älter
Macht macht die Menschen kälter
Macht aus Menschen leere Behälter
Eitler, unglücklicher und unerfüllter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE INNERE POSITION

Ein Satz sagt viel
viele Sätze nichts
Des Redens Ziel
Macht eines Gedichts

Während unausgesprochen
die innere Position entsteht
wird über anderes gesprochen
besprochen wie es einander geht.

Doch irgendwo mittendrin
fällt ein Wort oder Satz…
des Gesprächs wahren Sinn
in sich bergend wie einen Schatz.

Einmal erwähnt und gehört
verstanden und akzeptiert. -
Weiter geht das Geplauder ungestört
als wäre nichts passiert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung