Mach aus jedem Tag hundert, tausend Tage, Neue Dinge, wag! Inneres - hinaus… trage. Deine Schicksalsfäden sind mehr als Du weißt. Befreie Dich von trägen Gefühlen. Du bist Geist! Die große Erde ist dicht, ist langsam, ist klein; Folgst Du dem Licht, musst Du schneller sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dichtung
MIT DER MORGENDÄMMERUNG
Ich treffe Dich unterwegs wie Sehnsucht und die Stunde vor der Morgendämmerung, in dieser einen kurzen Sekunde. Verpassen wir diesen Moment, verpassen wir uns für immer - Nicht mal der Tod, nein, nicht mal der Tod wäre schlimmer. Hörst Du es laut und leise? Es zu hören ist des Lebens Kunst. Hörst Du es klar und deutlich? Die innere Stimme spricht in uns. Und Deine Stimme ist mir vertraut Ich rufe Dich aus dem Schlafe heraus Wir ergreifen die Morgendämmerung und laufen zusammen nach Haus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHT MIT LIEBE
Du duftest dunkel wie die Nacht Wenn Dein Busen bebend lacht Voll mit Liebe, aufgewacht Umarme mich ganz wie die Nacht Sei mein Bett, groß, fest und sacht Und voll mit Liebe zart vollbracht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FERTIGSTELLUNG UNSERER GEDANKEN
Mehrere unfertige Gedanken kamen heute, scharen sich seit Stunden eng um mich wie fremd duftende, dürftige, durstige Leute, erzählen aber erstmal recht wenig über sich. Ich könnte sie ablehnen und zurückweisen, doch heiße ich sie vortreten und prüfe sie, dann lasse ich sie an meinem Innern speisen, sie futternd, ergänzend, damit ich sie groß zieh. Dann geschieht plötzlich das Wunderbare: Gestaltwandler, sie nehmen neue Formen an: Der Tiefe, der Hohe, der Kluge, der Sonderbare: Inhaltswandler, sie führen mich an Neues heran. An neue Denkungsweisen und neue Fragen, an neue Zusammenhänge und Erkenntnisse, die alle dennoch eine alte Weisheit in sich tragen: Zusammenschluss erzielt die besten Ergebnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MANCHER SIEHT DICH MIT SEINEM HERZEN
Mancher sieht Dich mit seinem Herzen, nicht mit seinen Augen - Alle Deine körperlichen Schönheiten werden hier nicht taugen. Mancher hört Dir mit seinem Herzen zu, nicht mit seinen Ohren - Ob kühl oder weinerlich Deine Worte sind, da hast Du schon verloren. Mancher tastet nach Dir mit seinem Herzen, nicht mit seinen Händen - Er empfindet Dein wahres Wesen deutlich, hinter allen Deinen Wänden. Schweigen hat stets eine Doppeldeutung, Worte eine zweifache Funktion - Wer nicht ahnend hinter die Kulissen schaut, der lernt nie seine Lektion. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
IDEENKRÄHEN
Ich flog durch die Nacht wie ein Vogel, den ich nicht erkannte. Ich flog und sah mich fliegend, als wäre ich außerhalb von mir, inmitten von anderen seltsamen Vögeln, nur waren sie mir vertraut und heimlich. Wir blickten uns prüfend in die Augen gegenseitig, erkannten in einander Gleichart und flogen weiter zusammen durch die Nacht, wie Gedanken der Nacht, unterwegs zu Dir. Du schläfst noch, als wir Dich finden. Nur unbewusst in Deinem Empfinden nimmst Du uns wahr, entgegen und auf, Du, das nächste Ziel in unserem Kreislauf. Von Generation zu Generation, wir sind hier, Zivilisation zu Zivilisation geflohen sind wir, um mit ihren Sonnen nicht runterzugehen. Irgendwann werden wir das Morgenland sehen, das erhellt wird durch uns, lichtstrebende Ideen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG
Gewinnen ist verlieren. Wieviel musste ich gewinnen, um zu begreifen, wieviel ich dabei verloren habe? Verlieren ist gewinnen. Wieviel musste ich verlieren, um zu sehen, wieviel ich dadurch gewonnen habe? Ich bin umgeben von Menschen, die gegen mich und gegen alle gewinnen wollen. Für diesen Sieg werden sie, wie einst ich, alles geben und verlieren, was sie hüten sollen. Erst darnach, zu spät, werden sie verstehen, daß es doch nicht so schlimm ist, zu verlieren, um dabei richtig zu stehen, aufrecht zu gehen den Tugenden nach, die nach Oben führen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN ERHOLSAMER SCHLAF
Die Müdigkeit durchdrang meine Knochen aber sie schonte meinen Geist, zum Glück. Mein Körper schlief lang und beim Erwachen kehrte meine Seele aus Traumwelten zurück. Ich habe Liebe gefühlt und Mut gerochen, traf mich mit als Weinen getarntem Lachen, erhielt geistiges Brot als erstes Frühstück. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SELBSTBEHERRSCHUNG
Einfach nur weil es da ist, bedeutet nicht, daß Du es nehmen musst. Selbstbeherrschung frisst, langsam, bricht die Macht unbeherrschter Lust. Wer sich aber kurz vergisst, erlebt das Gewicht unerfüllbarer Lust mit Frust. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GERISSEN
Deutschland, in Deiner Brust, wahrlich, schlagen stets zwei Herzen - Eins äußerlich, eins innerlich, und beide verursachen Dir Schmerzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
