Die Sonnenstrahlen werden Deiner Nacht ihre Dunkelheit entkleiden - Sehen werden wir Dich in reiner nackten Unreinheit, und Dein Leiden wird das Licht hart fest durchdringen - das kannst Du niemals vermeiden - mit Seh- und Wehkraft Klarheit bringen und eine Blume zitternd in uns beiden. Denn Du bist nicht allein im Schatten im Gieren im Lügen im Dünkel im Neiden - Hier werden alle Weltenwanderer ermatten, selbst die Gottgläubigen auch die Heiden. Nur die Kindlichen kommen weiter, sich leicht scheidend aus dunklen Weiden, hinauf, uns führend, auf der Güte Leiter, wehmütig vor Heimweh, und bescheiden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dichtung
BLEIB EIN KIND
Bleib ein Kind Mach in Deinem Garten Raum für jede Blume, die auftaucht Gib ihr eine Ecke für ihren Traum Wenn sie aus ihrem Traum erwacht, stark, klar, reif und erwachsen, kannst Du sie woanders umpflanzen zum gedeihen und weiter wachsen Bleib ein Kind Keine Trauer, kein Gedicht, keine Sehnsucht ist zu unwichtig für Deine Liebesmühe Erfülle alles mit Feenstaub und Sehnflucht Es war einmal ein Kind das lebte und spielte und liebte und weinte, und liebte weiter und lachte Und die Welt besiegte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ICH LIEBE ALLES
Ich liebe das Getrennt-sein wenn ich nicht immer getrennt sein muss von Dir Ich liebe das Zusammen-sein wenn ich nicht immer zusammen sein muss mit Dir Ich liebe das Alleinsein wenn ich nicht immer allein sein muss Ich liebe das beisammen Daheim sein wenn ich es nicht immer sein muss Ich liebe alles - nur in Maßen. Aber das Verliebtsein Das liebe ich immer Das will ich immer sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SO VIEL LIEBE
Ich dachte, mein Herz wäre schon groß Doch siehe, wie viel größer es wird heute Nacht - Was ist los? Was ist bloß los? Daß so viel Liebe möglich ist, hätte ich nicht gedacht. Und es wächst und weiter wächst und schafft in mir Platz für mehr als ich für möglich hielt - Die unerklärliche Liebe hat mich verhext, die auf mein Herz zielt, und die mit meinem Herz spielt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUS MANGEL AN TATMUT
Während sie lächelten Während ihre Gefühle köchelten Während sie Möglichkeiten einfädelten Während sie tändelten Während sie an Tatmut mangelten Während sie nicht handelten Kamen andere Menschen in ihr Leben - Doch schau, wie sie aneinander noch kleben unfähig, sich gegenseitig je zu vergeben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE IST EIN SÜSSER SCHMERZ
Lieben ist Wehtun mit Vergnügung Führt zu Unruhen in der Empfindung Schweigen ist besser als lügen Mit-teilen ist besser als betrügen Fügen ist besser als sich fügen Liebe ist ein süßer Schmerz und er führt Dein Herz ab- und aufwärts. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ART DER DEMUT
Die Demut ist das allerschwerste Gewicht und doch so einfach, leicht, fein und schlicht - Wie kann das sein? Die Größe, die eigene Kleinheit zu akzeptieren; Der Mut, sich für das Richtige sogar zu blamieren; Sein über Schein. Sie geht ihren Weg, zusammen oder allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN JAHR MIT FESTEM ZIEL
Ein Jahr mit festem Ziel wünsche ich allen: Erwachsene Arbeit, kindliches Spiel - Ins Alte kein Zurückfallen, und Wahrhaftigkeit viel. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLES BLEIBT GLEICH
Ich konnte nicht länger warten, Ich musste gehen. Bald kannst Du was Neues starten, Dein Schicksal drehen. Ich bin das alte Jahr, Aufwiedersehen sagt man mir vergeblich; Ich komme nicht wieder, verstehen wirst Du mich nachträglich. Der letzte Tag des Jahres, nachdenklich nimmt er seinen Abschied - Die Menschen, unglücklich und glücklich, stimmen ein ins Abschiedslied. Was vorbei ist, ist vorbei, vorübergehend, Liebesgeschichten, Freundschaften, Pläne. Sie werden wiederauferstehend weitermachen, des neuen Jahres Leidenschaften. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FERNE BERGE
Dinge, die einst so weit entfernt zu sein schienen, fühlen sich heute plötzlich so nah - Die Fähigkeit, ungeliebten Menschen zu dienen, und denen, die ich früher übersah. Die Kraft, den Schmerz der Enttäuschung zu ertragen, Menschen zu vermissen wortlos, Ungerechtigkeit hinzunehmen ohne laut zu klagen, wenn es nichts verändern würde groß. Die Klarheit, um als groß verehrte Menschen zu durchschauen, und zu sehen, wie normal sie sind; Der Drang, langsam entwickelte Vorurteile abzubauen und zu schauen in Reinheit wie ein Kind. Diese einschüchternden Berge, die von oben mich anstarren, einst waren sie mir so fern: Jetzt heute in der Morgensonne fühle ich sie um mich scharren wie Freunde, ich umarm sie gern. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
