HAUTNAH

Ich spüre Euch so nah
und dennoch so weit
Eure Haut, so nah, trennt uns
Euer Geist, so fern, kennt
und erkennt die Gleichheit,
die unerklärliche Gleichart, in uns
- so weit und doch so nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER NEUE ANFANG

Als aus alten Ländern die neuen kamen
mit alten Zügen und neuen Namen
fragten sich manche, in Gruppen und allein,
was bedeutet es, deutsch zu sein?
Andere fragten sich, was haben wir gemein?,
was bedeutet es, Mensch zu sein?
Wir standen wieder an einem Anfang
einer neuen Gleichart, die uns zwang,
zusammen zu ziehen an einem Strang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MOND

Eine Wölfin -
Warum streift sie allein durch den Wald?
Weiß sie nicht, ich komme bald?
Hörst Du sie heulen, redend mit sich
Tröste sie nicht, das mache ich
Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich.
Die Wölfin in Deinem Wald
Sie heult für mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MANCHMAL

Einmal
ist manchmal
wie tausendmal
auf einmal.

Zweimal wäre einmal
zu viel

Dreimal wäre so viel
Wert wie keinmal.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEBELVORHANG

Es ist etwas da
Wir sehen es nicht
Wir wissen nicht, daß es da ist,
geschweige denn es zu begreifen,
also zu verstehen und erkennen,
oder einfach nur irgendwie wahrzunehmen
Aber es ist da.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBÄRMUTTER ICH

Gebärmutter Ich
schwanger wieder ich
formend wachsend neuerlich
in meinem Ich ein neues Ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WELTEN HINTER WELTEN

Die Welt ist so viel mehr
als Dein,als mein, als jedes Land,
als unsere einzelnen Gesellschaften,
kleine Realitäten und Welten –
Jede abgeschlossene Sozialisierung
ist eine Binde, ist eine Wand;
mehr, ist ein Horizont, der suggeriert,
dahinter gibt‘s keine weiteren Welten.

Es ist fast beängstigend, zu erleben,
wie viel unentdecktes ungeahntes Leben
andere Welten und Geister beleben
jenseits der Welt in der wir überzeugt leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHELN ÜBERALL

Wo auf Erden hast Du noch nie
die Menschheit getroffen?
Nirgendwo. Wir menscheln überall,
träumen, zweifeln und hoffen,
lieben, hassen, lachen, neiden und lassen,
und treffen reinkarniert immer wieder mal
Dinge, die wir längst vergaßen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PORTAL ALS MENSCH

Sie sehen Dein Lächeln
Ich sehe eine Pforte
Sie spüren Dein Herz
Ich spüre eine Türklinke
Sie hören Deine Stimme
Ich höre ein Tor sich öffnen

Auch ein Portal,
will es die Erde besuchen,
muß sich als Mensch verkleiden;
es begegnet uns frontal,
während wir einen Ausweg suchen
und es mißachten, belächeln, vermeiden.

Eines Tages verschließt es sich wieder,
ein Herz verschweigt seine schönsten Lieder.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HINTERLASSENE GEDANKEN AM MEER

Bevor die Menschen kamen
wohnte das Schweigen hier
verschönert durch den Vogelsang
und das blaugrüne Meer…
- der Strand war nicht leer

denn ich traf Gedanken hier
die Andere schon vorher dachten
die vor mir auf dieser Bank saßen
und weinten und lachten…
- sie wollten die See beobachten

doch blickten sie in die eigene Seele
und sahen dadrinnen viel Meer
viel Leichtes, viel Schweres
und hinterließen starke Emotionen hier..
die auf Andere wirken werden immermehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung