Ich besuchte Dein Innenleben eines Tages, als Du abwesend war, und ich geriet in ein Herzbeben, das wütete unstet, unberechenbar - Grund für sein Auslösen war unklar, denn Du warst ja nicht zugegen. Sag, brennt es andauernd in Dir? Wann wird sich Deine Unruhe legen? Ich hinterlass jetzt ein Teil von mir in Dir, wie Tinte als Gedicht auf Papier. Irgendwann kommst Du wieder nach Hause und findest anwesend die innere Kraft, Ruhe zu wagen, Frieden, eine Pause zu machen, denn die Stille verschafft Dir die Krönung Deiner Wanderschaft. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Dichtung
ES HÖRT NICHT AUF
Es hört nicht auf Der Lebenslauf Tun ist Ankauf Der Gerechtigkeit Strahlen So langsam sie mahlen Einmal musst Du zahlen Nacht ist kein Ende Gräber sind keine Wände Nur Reue bringt die Wende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER WANDERER
Was ist Zuhause? Zuhause ist, wo das Herz ist und mein Herz ist in meinen Füßen Was denn ist mein Zuhause? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SÄEN UND WARTEN
Guten Morgen feuchter, benebelter, Traum betrunkener Tag - Alle Samen, die ich, Beseelter, heute zu säen mag, werden ungestört tief in die lautlose Erde des weichen Herzens dringen, unmerklich, um dort zu warten, bis Licht es werde morgen und Früchte bringen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IN DER WEITE
In der Weite eine Bergspitze wolkenumschlungen So entfernt, so entrückt sie mir scheint, ist sie trotzdem irgendjemandem Zuhause Vielleicht einem Vogel vielleicht jenen Wolken vielleicht einem Wesenhaften Vielleicht diesem Gedicht, diesem Gedanken, dieser Sehnsucht in mir nach der Weite. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GERECHTIGKEIT GENANNTE LIEBE
Es wird eine Liebe in Dir aufsteigen, grenzenlos, wissend, getüncht in Schweigen, sonderbar, kindlich, neu und sehr eigen. Es ist die älteste Liebe, die es gibt - eine Treue tiefer und echter als Pflicht - die durchschaut, versteht, aufbaut und vergibt: Es ist die Liebe zu Gott und zum Licht. Aber an diese Eigenart sollst Du Dich stets erinnern: Sie läßt trotzdem niemals das Unrecht gewinnen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MAIFEIER
Riesen steigen nieder - Ein Geräusch feiner Gefieder melodischer als Lieder… Ende Mai ist es wieder. Zauber, von weit weit her, Wunderkraft, Lebenselixier, bringt Erneuerung zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FLUGS
Flugs hüpfen wir von Frankfurt nach München ein Flugzeug voller Gedanken und Menschen die besuchen die Wolken im Himmel ein bisschen doch verlassen nie den Boden der Tatsachen. Unsere sieben Sachen im Gepäck, und Lachen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VORHANG
Der Tag ist ein geschlossener Vorhang, der eine andere Sonne verdeckt. Wer würde ahnen, daß die Sonne heimlich eine Sonne versteckt? Der Mensch verheimlicht den inneren Menschen, Wirklichkeit ist in Wirklichkeit eine Illusion. Reden ist das Schweigen Deiner inneren Stimme und die Nation birgt eine zweite Nation. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMEN GETRENNT
Die ganze Welt ist verrückt geworden, Menschen trennen sich in Gruppen, in Horden, und hassen, fürchten, töten sinnlos sich - erbarmungslos, leidenschaftlich - gegenseitig, ohne sich mehr als oberflächlich zu kennen oder die makabre Gleichheit zu erkennen, mit der wir nun alle einheitlich brennen und zusammen unglücklich verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
