UMRISSE

Als wärest Du aus dem Feinstoff
der Schöpfung Erinnerung herausgerissen,
schiesst Du - zersplittert - schroff -
über die Leinwand in meinem Gewissen,
und ich hoff, ich hoff, ich hoff!:
Ich ersticke nicht beim Dich Vermissen,
Du meine Luft, Du mein Sauerstoff!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER RISS

Realität blinkt, rauscht, flackert.
Elektronischer Bildschirm leuchtet stabil.
Wahrheit, uneben, wird zusammengetackert.
Lügen pflegen ein glattes Profil.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS ENDE

Der merkwürdigste, sonderbarste Teil
eines Gedichts ist jedes Mal sein Ende.
Eine Empfindung, die wie ein leiser Pfeil
mich ruhig durchdringt wie jene Abende,
an denen sinnend sitzend am Fenster daheim
ich dem Schweigen lausche - es spricht Bände
und wird meinem Herzen den schönsten Reim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNWISSEN IST OHNMACHT

Unwissen ist Ohnmacht
Unwissen ist ohne Macht beschwerlich
Unwissen ist mit Macht gefährlich
Unwissend seines Unwissens unwissentlich
Oder doch wissentlich?
Aber ob mit oder ohne Macht
Vor Unwissen hab Acht!
Keine Wut ist mächtiger als die Ohnmacht
Keine Macht ist wütender, wissentlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WISSEN VON UNWISSEN

Wissen ist Macht
Wissen ist machen
Wissen macht
Oder besser noch:
Wissen schafft!
Und doch
kommt die Veränderung stets anders
als man denkt und hofft.
Denn die Eigenschaft
von Wissen ist,
daß es die Krönung ist
von Unwissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WO DER BODEN NICHT BEREIT IST

Helfende Worte helfen nicht immer,
wo der Boden nicht vorbereitet ist,
Hilfe anzunehmen. Es wird schlimmer
noch, treffen sie auf einen Narzisst.
Der Helfenwollende berührt eine Wunde.
Der Hilfeablehnende, in seinem Abgrunde
gefangen, fühlt sich erwischt, ist angepisst!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNNÖTIGE BRÜCKEN

Weil jeder Gedanke zurück kehrt,
schick nur Deine besten von Dir fort.
Weil Dein Wort Dich ehrt oder entehrt,
spürst Du in Deiner Empfindung sofort,
wenn Du es falsch verwenden hast
oder wenn es das Beste in Dir erfasst.

Ich sage nichts mehr,
was ich nicht unbedingt sagen muss.
Wüsste ich dies nur eher,
bliebe manch eine Begegnung beim Gruß
gefolgt von einem klaren Abschied
und, ungestört, meinem inneren Fried.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IN MIR

Eine Nation
groß wie ein Traum
wohnt vergessen in mir,
Wurzel ohne Baum
und voller Passion.
Mein Herz Dein Raum,
Du Ich ohne Wir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLE KRIEGE DER WELT

Alle Kriege der Welt
können den Krieg nicht beenden,
der unsichtbar anhält
in unseren Herzen und Händen.
Was der Hass bestellt,
kann der Hass nimmer abwenden -
Nur die Liebe zählt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DENKE NIE AN DAS MORGIGE GEDICHT

Screenshot

Gestern habe ich mein 2000. Gedicht in Folge geschrieben und in meinem Blog http://www.chechidi.me veröffentlicht im Zuge meines Projekts, das als Jahr began und im Anschluss darauf zum Jahrzehnt der deutschen Dichtung wurde und immer noch ist. Und weiter läuft. Und macht immer noch Spaß. Der Trick dabei: Ich denke nie an das morgige Gedicht, nur an das heutige. Und ich fasse mich immer so kurz wie möglich, egal wie groß das innere Bild ist, das ich wörtlich verdichten möchte.

Fokussiere Dich auf den heutigen Tag und erfüllen ihn, täglich. Befreie Dich fein von gestern, es ist vorbei. Hadere nicht zu sehr mit morgen, er wird Dich unterrichten und Dir den Weg weisen, sobald es soweit ist. Besinne Dich aber ernsthaft des heutigen Tages und borge den Schatz, den er für Dich bereit hält. Das Leben ist in diesem Moment. Die Ewigkeit ist der Augenblick, von Augenblick zu Augenblick. Lebe der Gegenwart!

Und auch dieser Moment ist schon vorbei.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung