Sie werden jetzt ihre getrennten Wege gehen Die, die ihr Blättergewand ausziehen und die, die unverändert aussehen Getrennt durch den Winter wie unzählige geschiedenen Ehen Bis im Frühling erfüllt wird das Versprechen des „Auf Wiedersehen“ Geh im Wald spazieren Bewundere dieses Geschehen Diese zwei Bäume im Winterrad Wie Fremde unterschiedlich drehen Reden nicht mehr miteinander schweigend, nur noch die Winde wehen… Dennoch bleiben sie die ganze Zeit ruhig nebeneinander stehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Dichtung
KEINEN DEZEMBER VERSCHWENDEN
Es wird zunehmend sein Ein karges Dezemberlein Wenig Geld in der Tasche Schnee wie Asche zu Asche Perfekte Bedingungen Für versteckte Empfindungen Über defekte Verbindungen. Wer das ganze Jahr lang Einem lang ausgezogenen Schwanengesang Im Herzen tanzte Sich darin verschanzte Der sollte den Dezember nicht verschwenden Darf jetzt im alten Selbst still verenden Im Neuen aufstehend die Seite bitte wenden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERBSTERWEITERUNG
Der Herbst, der Erinnert mich an mich Novemberherbst Novemberernst Warum das Blatt wenden, wenn Ich alle Blätter verlieren kann? Erleichterung Der Herbst, der Prophezeit mich zu mir Dezemberherbst Dezemberherz Nur wer alle Blätter verloren hat Hat das Blatt gewendet. Erweiterung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ELOQUENT SCHWEIGEN
Manchmal stehst Du, mein Ich, allein Wie ein Iroko nicht mal im Wald Nein in der kalten Wüste Du kannst niemandem vertrauen und bald Keinem, den ich eigentlich müßte Geschweige denn denen, die ich küsste Niemand mehr schafft’s in mich, in Dich, hinein. Mein Du, ja mein Ich, wir verstehen Schweigen Es ist uns eloquenter, schlüssiger als Worte Ihre Worte sind eine Ablenkung von ihrem Schweigen Von ihrem tiefsten Tatorte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KRAFT DER LIEBE
Wunden öffnen und Wunden heilen Langsam durch das Leben eilen Macht die Liebe Kraft der Liebe Wege verlieren und Wege finden Nach und nach alles überwinden Macht die Liebe Kraft der Liebe Dich Dich Selbst finden lassen Ohne die anderen fürchten oder hassen Macht die Liebe Kraft der Liebe Dich beibringen, Dich zu schützen Deinen Freiheitskampf immer unterstützen Macht die Liebe Kraft der Liebe Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE PERSPEKTIVEN
Was ist Liebe?: Mögen? Begehren? Bewundern? Verehren? Verbindung spüren? Das Herz berühren? Oder nur Triebe? Was ist echtes Lieben?: Geben? Schützen? Pflegen? Wachstum anregen? Dienen? Strenge? Lehren? Tugenden neu ernähren, einst vertrieben? Wenn ich Dich liebe Geht es um Dich Oder geht es um mich? Oder geht es um Teilen? Um uns gegenseitig Heilen? Und Perspektiven verschieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHEN IST RELATIV
Wir laufen blind Was wir sind Sind mehrere Rücken Rücken an Rücken An Rücken von Fledermäusen Wir sind blind doch können wir sehen Sehen das Leid der Machtlosen Sehen, wie sie schweigend flehen Unsere Augen sind Almosen Mit denen wir sie täuschen. Wir sehen mehr Als unsere Augen sehen Da seht Ihr Unser tiefstes Vergehen. Falsche Allies, die enttäuschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WECHSELJAHRESZEIT
Wie Du schneist, schmilzt
Erfrierst dann taust
Meine Neugierde erhitzt
… desinteressiert schaust.
Dein Winter ist warm
Deine Wärme ist kalt
Deine Kälte ist lauwarm
Sehnsucht ist ihr Inhalt.
Fremde kommen und gehen
Das ist ihre Eigenart
Auf Wiedersehen…
Heute hart, morgen zart…
Der Herbst geht in den Winter
Zögerlich ein
Liebe steckt dahinter
Gnadenlos, rein.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FRANKFURTS ERSTER SCHNEE
Ich sah Frankfurt intimer als je zuvor Ich liebte sie sofort obwohl ich dabei fror in ihrem engen Brautkleid in ihrer Freude, in ihrem Leid lautlos leistend unseren Eid. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NOVEMBERSCHNITT
Er macht es jedes Mal. Er schafft es, auf einmal Mich zu töten und ich bin tot Ohne Übergang. Wirklich tot. Die alte Person, die einst mein Ich war Wird zur Erinnerung, und zwar und zwar Zur kalten fernen Figur Mit mir fremder ungewöhnlichen Natur - War ich je das? Ist das wirklich wahr? November tötet mich, nicht jedes Jahr Aber immer wieder kommt der Schnitt Hart, endgültig beginnt ein neuer Abschnitt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
