BLÜHENDE GÄRTEN DER FREUNDSCHAFT

Meine zwei engsten Freunde starben früh, einer mit 19, einer mit 20. Der mit 19 starb war gleichzeitig mein Bruder, aber wir haben früh erkannt, daß wir nicht nur Brüder waren, sondern auch beste Freunde. Ein Jahr nachdem er starb, starb der andere, mit dem ich die Erkenntnis teilte, daß wir nicht nur beste Freunde waren, sondern auch Herzensbrüder. Zu dem Zeitpunkt waren sie die einzigen Menschen, mit denen ich mich Herz zu Herz verstand. Sie wurden seitdem nie wieder ersetzt in meinem Leben.

Davor und danach hatte ich gute Freunde, enge Freunde, aber irgendwie entwickelten wir uns alle weg voneinander.
Ich kenne heute viele Menschen, teile auch enge Freundschaften und Vertrauen mit einigen von ihnen. Aber es ist stets eine Distanz da, klein und fein, aber spürbar. Liegt es an mir? Gibt es tief in mir eine geschlossene Tür, zu der kein neuer Mensch mehr den Schlüssel zu finden vermag?

Und ab und zu, wenn keiner in meiner Nähe ist, mache ich die Tür ein bisschen auf und blicke auf die Erinnerung jener besonderen Freundschaften meiner Jugend zurück, als unsere Herzen Gärten waren, in deren lebendige Böden wir jene sonderbare Mischung zwischen Bruderschaft und Freundschaft als ewige Saatgut pflanzten.

Che Chidi Chukwumerije

WELCHE FARBE HAT DAS MENSCHSEIN NICHT?

Der Tag, an dem ich anfing, über meine Hautfarbe zu reden und zu schreiben, war der Tag, an dem ich mich aus dem Menschsein herausdrängen ließ.

Der Tag, an dem ich aufhöre, über meine Hautfarbe zu reden und zu schreiben, ist der Tag, an dem ich mich aus dem Menschsein herausdrängen lassen werde.

Der Tag, an dem ich anfange, über mein Menschentum zu schreiben und zu reden, ist der Tag, an dem ich meine Hautfarbe im Menschsein verselbstständige.

Der Tag, an dem ich aufhöre, über mein Menschentum zu schreiben und zu reden, oder es zu leben, ist der Tag an dem ich mich selbst aus dem Menschsein verabschiede.

Che Chidi Chukwumerije