WIE DU REIST

Die S-bahn ist voll mit Menschen
Und voll ohne Menschen
Leer mit Menschen
Und leer ohne Menschen
Es kommt darauf an, wo Du her kommst
Wie Du reist
Und wo Du im Leben hin willst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAUSEND FRAGEN

Wenn ich Deine Hand fest halte
Ist das meine Art, loszulassen
Wenn ich anders als vorgegeben laufe
Ist das meine Art, Fuß zu fassen

Wenn ich Dir meine Verletztheit zeige
Ist das meine Art, Dich nicht zu hassen
Der Weg ins Ziel sind tausend Schmerzen
Tausend Fragen, tausend Sackgassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN DRIBDEBACH

Ich möchte meine Geschichte
wie Fußabdrücke in die Erinnerung
der Stadt eingravieren
ohne daß die Stadt es merkt -
Denn sie verhindert alles, was sie wahrnimmt.

Ich möchte, daß sie einmal in der Zukunft
sich umschaut und fragt, laut,
Seit wann habe ich diese Muttermale
unter und auf meiner Haut?
Meine Antwort: Ein Grabstein mit einem Kreuz.

Ich wurde nicht hier geboren
möchte aber hier sterben
wenn das letzte Gedicht geschrieben ist
alles, was ich habe, schon gegeben wurde
und nichts mehr von mir geblieben ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIT EINANDER

Das Miteinander 
Klappt nicht ohne einander
Beginnt mit dem Füreinander
Und durch die Reibung aneinander
Schauen wir tiefer ineinander
Entschärfen wir das Gegeneinander
Finden wir uns zueinander
Laufen gemeinsam oder nacheinander
In das echte Miteinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE SELBEN SCHMERZEN

Sonderbare Welt
Wo jeder Mensch den anderen
Für einen Fremden hält

Wortlos an einander vorbei gehen

Ohne zu entdecken
Daß sie alle die selben Schmerzen
In sich verstecken

Selbst wortlos würden sie sich verstehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VORURTEILE ALS FILTER

Es könnte so einfach sein
Ohne Vorurteile als Filter
Dinge zu durchblicken fein

Aber da haben wir sie
Die Vorurteile als Filter
Blind machend wie noch nie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE STELLST DU DIR SCHWARZ VOR?

Kannst Du es Dir vorstellen
Daß ich es mir vorstellen kann
Das was Du Dir vorstellen kannst?

Kannst Du es Dir vorstellen
Daß ich es mir vorstellen kann
Das was Du Dir nicht vorstellen kannst?

Kannst Du es Dir vorstellen
Daß ich es mir nicht vorstellen kann
Daß Du es Dir vorstellen kannst
Daß ich es mir nicht vorstellen kann?

Wenn Du Dir das vorstellen kannst
Kannst Du Dir vorstellen
Daß ich mir nicht vorstellen kann
Daß Du es Dir vorstellen kannst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBÄRDENSPRACHE

Manche hören unsere Worte nicht
Sie sehen sie, sähen sie
Wenn wir uns die Mühe machen würden
Sie ihnen mit unseren Händen zu zeichnen
Hände sprechen Volumen.

Manche Fremdsprachen kommen nicht vom Weiten
Sie stammen aus der Mitte der Gesellschaft
Und waren immer da und immer nah
Immer am Rande unseres Bewusstseins
Und nimmer fremd.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung