Diese Stadt lange mir verschlossen öffnest Dich mir unerwartet tief und zart. Wer hätt‘s gedacht? Wir sind Artgenossen. Wie viel Vielschichtigkeit haben wir gemeinsam? Wer unser Inneres erreichen will der muß ehrlich sein und geduldig und einsam und egal wie laut nebenbei auch still. Und am allerbesten ist der Fluß dessen Anfang und Ende keiner sieht Viele starren hinein und fassen den Entschluss dem ebenso zu folgen, der sie anzieht. So fließen wir weiter mit, bauen weiter, wachsen immer weiter - Wir sind der Welt der Querschnitt und unserer Zukunft die eigenen Wegbereiter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Inklusion
FLUGZEIG
Ich zeig Dir die Welt Jenseits Deines Erlebnishorizonts Wo Deine Gedanken nicht erreichen Da fliege ich Dich hin und zeig es Dir Menschen die ähnlich aussehen wie Du und anders denken Menschen die anders aussehen wie Du und ähnlich sich verhalten Nur ein Flug und ich zeig es Dir und mehr Und wenn Du da bist, zeige ich Dir, aus der Ferne, dort, wo Du her kommst Und Du wirst sehen, Du hast es nie verlassen - Auch das zeig ich Dir mit nur einem Flug: Ich zeig Dir den Weg wieder zu Dir und ich zeig Dir Dich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR VERGESSEN UNS SELBST
Menschen vergessen oft, daß es Menschen sind, mit denen sie reden - Fremde ist nur ein anderes Wort für Menschen. Menschen vergessen oft, in ihrer Sehnsucht & ihrem Streben nach Eden, worum es geht: nicht um Regeln, sondern um Menschen. Politik, Kultur, Systeme sind nicht so wichtig wie lebendige Menschengeister, einen jeden - das vergessen oft Menschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IRGENDWO DAZWISCHEN
Irgendwo Zwischen Hetzen und Verletzen Zwischen Schwätzen und Petzen Irgendwo Zwischen Hassen, Lassen und Verlassen Zwischen Rassen und Klassen Zwischen Land- und Menschenmassen Irgendwo Zwischen Artfremden und Ortsfremden Zwischen Wild-, Welt- und Realitätsfremden Zwischen fremden Freunden und freundlichen Fremden Irgendwo Zwischen Bündnissen und Hemmnissen Zwischen Halbwissen und Missverständnissen Irgendwo dazwischen Zwischen dem Fiktiven und dem Faktischen Muss es einen Ort geben, den wollen wir uns gönnen, Wo wir als EINE Gesellschaft leben können. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE MASKE FÄLLT
Mir wurde als Kind gesagt in einem britisch-sozialisierenden Internat: Sie werden die Maske wieder fallen lassen Aufgegangen ist noch nicht die Saat Ihre Herrschsucht ist noch nicht gestillt Sie sind noch nicht fertig mit Hassen Wir warten geduldig auf sie, denn Sie werden die Maske wieder fallen lassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DURCH MUT ZUR MENSCHLICHKEIT
Wie wird aus Mehreren Einer? Ist das schwer? Wie wird aus Mehreren Keiner? Ist das nicht schwerer? Wie kann eine Gesellschaft so blind sein daß sie ihre eigene Vielfalt missversteht? Mutige Menschen, es kann nicht sein, daß Ihr schweigsam bei Seite steht während Mitmenschen-Verneiner spalten uns durch Fremdenfeindlichkeit. - Wie wird aus Mehreren Einer? Durch Mut zur Menschlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEINE HEIMAT
Deine Augen saßen wie tote Steine auf Deinem Kopf Die waren offen, sahen alles, begriffen nichts Dieses Unbegreifen angesichts der Tatsache, daß klopf-klopf-klopf-klopf, unsere normalen menschlichen Taten an die Türen Deines Herzes ungehört appellieren, bewirkt die Weltenwende: wir rebellieren, geraubt von allen unseren Heimaten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIESO DER HASS?
Haben wir Schritte nach Vorne getan
um wieder rückwärts zu stolpern?
Oder sind wir im Kreis euphorisch geirrt?
Die Vergangenheit wartet ein paar
Generationen weiter in der Zukunft auf uns –
Schreiten wir als Gesellschaft vergeblich voran?
Nie sah ich rücklings zeigende Schuhe
bis moderne Füße sich darein steigerten
Eine Gesellschaft verliert sich im alten Nemesis
und verwechselt Gestern mit Morgen
und verwechselt Hassen mit Sorgen –
Ein Hass lang verborgen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE GESELLSCHAFT DER MITMENSCHEN
Haben wir gelernt das Gelernte zu verinnerlichen? Wer hat den großen Balken aus eigenem Auge denn schon entfernt? Gesellschaft. Wie schnell machst Du aus Mitmenschen fremde Wesen! Und doch machtest Du einst als erste Fremde Dir die ganze Welt zur Heimat, universell. Ein äußeres Auge ist dem Inneren blind Ein inneres Auge sieht aber das Äußere Gesellschaft, Du brauchst alle Deine Herzen Jedes, groß und klein, ist im Herzen Dein Kind. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE FARBEN DER NARBEN
Unsere Nation hat viele Farben Sieben und mehr und einen Regenbogen Und dann auch noch viel viel mehr Unsere Nation hat viele Narben Wer heilt die Wunden? Wet glättet die Wogen? Schwankend, tanzend, gerissen hin und her. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
