BLEIB GUT

Warum ist mein Herz zart?
Nach allem, was sie mich angetan haben.
Wieso wurde es noch nicht hart?
Das kann ich Dir ehrlich nicht sagen.

Es ist, als trüge ich in mir ein Wissen,
älter als dieser Körper und dieses Leben.
Das Wissen, daß nur ein reines Gewissen
sich von der Erde befreien kann nach dem Sterben.

Alles andere bleibt erdgebunden und
kehrt wieder zurück und kehrt wieder zurück
und kehrt wieder zurück, hart, bitter und wund.
Nur Güte führt befreiend zum Glück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NIRGENDWO

Wie weit bin ich gekommen
um hier zu sein?
Wo ist hier? IrgendNirgendwo.
Hier bin ich allein.

Hier ist Gleichschaltung
Hier ist Folgsamkeit
Hier ist Gruppenneigung
Hier ist Einsamkeit

Wie weit bin ich gekommen
um hier zu sein?
Wie weit muss ich noch gehen
um Zuhause zu sein?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ES WAR NICHT AUS SPASS

Es war nicht aus Spaß
Es waren nicht bloß Triebe
In jedem Apfel, den ich aß,
suchte ich wahre Liebe.

Wasser, Wasser überall
so trocken wie der Sand
bis ich endlich durch Zufall
mein Schicksal fand.

Wo ist der Hunger geblieben?
Wo ist der Durst hin?
Einst war ich getrieben
Jetzt weiß ich, wer ich bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINSAM ZU ZWEIT

Ich bin zweisam
wenn ich alleine bin
und einsam
wenn ich zu zweit bin

Wenn wir zusammen sind
suche ich Dich.
Wie were getrennt sind
finde ich mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

OBERFLÄCHE

Katapultiert auf die Oberfläche sind wir geworden

Es zählt nur noch die Hautfarbe bei der Seitenwahl

Sortiert zum Westen, zum Osten, zum Süden, zum Norden

Himmelsrichtungen führen manchmal zur Höllenqual.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS GEWICHT DES WEGES

Manchmal fällt ein Gewicht ab
Du fühlst Dich wie freigesetzt
Steigst auf wie aus einem Grab

Wirst in den Himmel versetzt
Für einen Moment schaust herab
Bis die Welt Dich wieder verletzt.

Freunde tun Weh Feinde tun Weh
Der Weg tut Weh. Alles tut Weh.
Geh also einfach Deinen Weg. Geh. Geh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBST VERANTWORTLICH

Manche sind zum Hassen geboren.
Gegen sie hast Du von vornherein verloren,
bist Du zum Lieben auserkoren.

Es gibt ein Licht, das aber höher ist,
das höher als Hass, Politik und Waffen ist;
eins, das Gottes, das des Grales ist.

In mitten der gegenwärtigen Verwirrung
vergessen wir oft unsre wahre Bestimmung:
geistige Entwicklung, geistige Wirkung.

Lass Dich zum Gruppenhass nie mitreißen
gegen die „Schwarzen“ oder die „Weißen“
oder wie die Sammelworte alle heißen.

Was Du in der Gruppe tust, belastet Dich.
Aber wenn es gut ist, zählt es nur für Dich.
Du bist für Deine Ewigkeit verantwortlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ICH KANN NICHT SCHLAFEN

Ich kann nicht schlafen,
mein Herz sehnt sich nach ich weiß nicht was,
nach Schöpfen und Schaffen,
nach Erleben und Wissen, aber nicht nur das;
nach Folgen und Hören und Beschützen auch
jenes kleinen, zarten, tiefen Gefühls im Bauch,
das das Richtige immer weiß, vom Zweifel keinen Hauch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER WERDEGANG DES MENSCHEN ZUM MONSTER

Der Werdegang des Menschen zum Monster
ist eine Strasse des Schmerzes der Hoffnung -
Eine kindlich helle Seele wird langsam finster,
zerrissen durch fassungslose Enttäuschung,
wird im Grübeln immer leiser, immer ernster,
erliegt dann irgendwann der Rache Versuchung
freiwillig, das kann jeder, selbst ein Reinster,
wenn Vertrauen stirbt und kalte Verdunkelung
übernimmt tief die Augen, der Seele Fenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung