Wir sind, was wir sind. Jeder ist seines Geistes Kind. Wir sehen, was wir sind. Darüberhinaus sind wir blind. Aber wenn wir zusammen sind spüren wir die Verschiedenheiten die durch Sehnsucht verbunden sind in den heutigen verwirrenden Zeiten. Wir sind, was wir sind. Wir müssen nicht gleich sein um eins zu sein. Das geht auch, wenn wir verschieden sind. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Politik und das Gesellschaftsleben
KINDESWOHL
Wer passt auf Dich auf,
wenn Du ein Kind bist?
Wer sieht die Gefahren im Voraus,
eher Du auf sie triffst?
Wer beschützt Dich?
Wenn Dein Ball in eine Autostrasse fliegt
und Du ihm hinterher schießt..
Wenn Du auf einer Wiese spielst
und neben Dir ein offener Brunnen ist
ohne eigene elterliche Aufsicht.
Wer sonst beschützt Dich?
Und Erwachsene laufen vorbei –
Einige hocken am Fenster nebenbei –
Keiner macht einen Aufschrei.
Manche sehen die Gefahr nicht,
manchen ist es, unglaublich, egal.
Manche bangen aber trauen sich nicht,
fremde Kinder anzusprechen. Denn, ob legal?
Ob ideal? Jede Entscheidung ist vielleicht fatal.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERGEBLICHES BABEL
Der Herrenmensch ringt in sich mit Mensch Wird ihm nicht Herr Einen Körper teilen zeigt sich in den Körperteilen die das Innenleben mitteilen Ein Blick in die Augen reicht um seinen Kampf zu sehen gegen die Ewigkeit! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER AM ÄUSSEREN RANDE LEBENDE
Der am äußeren Rande lebende Mensch denkt, daß das, was er äußerlich sieht, alles ist, was er ist, Essenz seiner Existenz, sieht nicht, was durch alle seiner Schichten zieht, ein unsichtbarer Faden gewurzelt in seinem Geist, der niemals zerreißt. Der am äußeren Rande seiner Persönlichkeit lebende Mensch sieht nur sein Äußeres: körperliche Merkmale, Kultur, Stand, Gesundheit, Zustand seines Erdenlebens. Doch unser Inneres, Deine und meine, sehnt sich nach dem Höheren in unserem Inneren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR SIND NICHT DUMM
Wir sind nicht dumm. Diesen Satz versteht Ihr Noch nicht. Wir sind nicht stumm. Unser Gerede versteht Ihr Nur nicht. Wir sind nicht krumm. Euer Spiegelbild versteht Ihr Nun nicht. Warum versteht Ihr uns nicht? Es spricht sich herum - Summa Summarum Habt Ihr dazu nicht den Mumm. Darum versteht Ihr uns nicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERSUCH ES
Versuch es - Begegne dem Fremden als würdest Du einem Menschen begegnen. Versuch es - Begegne einem Menschen als würdest Du einem Fremden begegnen. Wie Du in den Wald hinein rufst so schallt es wieder heraus. Nah oder fern, bist Du unter Menschen, bist Du zu Haus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERWANDT
Wir saßen gegenüber voneinander in der vollen Straßenbahn, Einander ähnlich in den Augen aller, die uns in der Ecke sitzen sahn, Und doch getrennt durch eine unsichtbare Kluft, die ich deutlich ahn. Du hier geboren und sozialisiert, ich in einem afrikanischen Land. Ich versuch, Deine Augen zu treffen, doch Dein Blick bleibt abgewandt. Ich steige bald aus, Du fährst weiter - wir bleiben einander unbekannt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN ZWISCHENDING
Der Winter ist noch da
und schon vergangen
Wie kann das sein?
Der Frühling ist schon da
aber noch nicht erschienen
Sein ist nicht Schein.
Die Ehe ist noch da
und längst zu Ende
Zusammen ist jeder allein.
Der Weltkrieg ist schon da
aber noch nicht ausgebrochen
Wirklich? Aber jein.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GENERATIONENÜBERGREIFEND
Wir fangen bei jeder neuen Generation wieder von Null an, als hätten wir nicht bereits in der jeweils vorherigen Generation alles gegen Hass getan und seinen Anpassungsanreiz. Sisyphus war kein Mensch, er ist die Menschheitsgeschichte - Die Hartnäckigkeit unserer Tendenz zu reinkarnieren unsere Bösewichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAHRE ANTWORTEN
Viel zu viele Füße tasten laufend über meine Fragen ohne Antworten anzubieten die mir mehr als das Gesagte sagen. Wer mit reden will, muß mehr sagen mit weniger Worten als mehr Worte hätten sagen können in mehr Sekunden, Minuten, Tagen. Es ist die Stunde der Wahrheit. In jedem Lande, an jedem Orte zeigen Menschen und Völker ihr Gesicht denn Taten reden lauter als Worte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
