TREFFPUNKT DER NATION

Irgendwo müssen wir uns doch treffen

Wenn nicht in der Musik, dann
in der Sprache
Wenn nicht in der Wirtschaft, dann
im Sport
Wenn nicht in der Kultur, dann
in der Geselligkeit
Wenn nicht in der Geschichte, dann
in unserer Hoffnung
Wenn nicht in Schmerz und Freude, dann
in Neugier und Sympathie
und Solidarität
Wenn nicht in der Vergangenheit,
oder in der Gegenwart, dann
in der Zukunft

Irgendwo müssen wir uns doch treffen
als Nation.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE INNENSEITEN

Seit ewig kein neues Buch gelesen
Selbst neue Menschen sind alte Bücher
Neue Medien erzählen verjährte Geschichten
Diese Gesellschaft war schonmal gewesen

Wer ein neues Buch lesen will
muß selbst neue Geschichte schreiben
Wer eine neue Gesellschaft haben will
darf selbst im alten Denken nicht verbleiben.

Manchmal will man ein altes Kapitel neu schreiben
Manchmal will man zwei unterschiedliche Endungen
Manchmal ist man selbst das Buch, das gelesen werden will.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRANKFURT IST MEHR; UND KANN MEHR

Ich habe mich entschlossen, bei den nächsten Kommunalwahlen (14. März 2021) hier in Frankfurt am Main für die Kommunale Ausländervertretung (KAV/Ausländerbeirat) für ganz Frankfurt und für den Ortsbeirat (5 – Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) zu kandidieren, und bin dankbar über jede Unterstützung.

– Che Chidi Chukwumerije
https://che-chukwumerije.de/

EIGENART MENSCH

An manchen Tagen bin ich zuerst Schwarz
An manchen Tagen bin ich zuerst Mensch
Nicht nur in meinen Augen
Auch in Deinem Kopf

Manchmal muss ich mich fast daran erinnern,
daß Mensch und Schwarz
sich nicht gegenseitig ausschließen –
Schwieriger ist‘s, Dir das klar zu machen.

Guten Morgen Tag, Du bist zu früh gekommen
Ich lebe für Generationen ungeboren
Und säe Samen, deren Früchte die ernten werden,
für die ich bloß ferne Geschichte sein werde.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄHNLICH UNÄHNLICH

Wenn die nationalen Grenzen verschwinden,
was passiert den persönlichen?
Wenn die nationalen Grenzen sich verhärten,
werden wir uns dennoch verbinden.

Es ist leicht, Menschen zu finden
Es ist schwer, Menschen zu erreichen
Menschen und Länder und Völker
Abstrakt und abstrakter und noch abstrakter

Am Abstraktesten ist die Gleichart –
Auf welcher Ebene wird sie erfasst?
Egal wer Du bist, in irgendeinem Bereich habe
ich etwas, was voll und ganz zu Dir passt.

Aber das Gedicht ist noch nicht zu Ende
Denn egal wie gleichartig wir sind –
Rasse, Kultur, Geschlecht, Neigung –
irgendwo tief in uns sind wir einander fremd.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKENGÄNGE

Ich stelle mir manchmal vor
meine Haare wären Gedanken
denn so viele schleppe ich
ständig mit mir herum, ungekämmt.

Sie fallen aus
Sie wachsen nach
Mir graut‘s vor der Anzahl an Fragen
die nach und nach alt werden

ohne Antworten.
Irgendwann kommen sie nicht mehr.
Leer geschorener Verstand
Kahl gewordener Kopf.

Wie eine Erde ohne Urwälder
Wie ein Land ohne Frieden
Wie Kapitalismus ohne Sozialismus
Wie Alter ohne Kindheit.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIGRANTEN

Wie schmerzvoll es sein muß
für einen Baum,
seine Wurzeln mit Gewalt aus zu reißen
aus der Heimaterde –

Wie schmerzvoll es sein muß
im neuen Lebensraum
seine Wurzel hineinwachsen zu lassen
in harten fremden Boden.

Wenn Du einen Baum auf der Reise siehst,
auf seinen nackten Wurzeln zu Fusse gehend,
denk bitte an den Schmerz der alten Trennung
und denk an den Schmerz der neuen Bindung.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN GEDULDETES SEIN

Duldung.
Klischee innewohnend ich nicht versteh.
Anhaftende Anschuldigung.
Wer kam auf die Idee,
das Bleiben-dürfen eines Mitmenschen
als eine Duldung zu bezeichnen?
Wer kam auf die Idee,
die Würde eines Menschen zu nehmen
und im Schutz-gewähren ihn zu schämen?

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDS

Ich brauche es
abends
in die Leere meiner Seele
lange zu blicken

und dann
nach einer Ewigkeit des Wartens
zu sehen, wie mein Geist von tief drinnen
Bilder an mich zurück schickt

Alles, woran
ich heute flüchtig dachte
ohne zu merken, daß ich daran dachte
es kommt alles zurück

Flüchtlingskinder, die
vergeblich auf ihre Eltern warten…
Ob meine Kinder – und womit –
geimpft werden

Ab wann Ausländer – egal wo –
Wahlrecht haben dürfen…
Und wo ist mein Bruder heute, der
vor sechsundzwanzig Jahren starb?

Dann ist der Abend vorbei
und ich steige aus meiner Seele
wieder heraus
und das war mein Tag heute.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MOMENT AUFNAHME

Ich bin nur ein Passant
Deshalb werfe ich mich so ganz
in das hiesige Geschehen
denn ich möchte Euch in meinem Herzen mitnehmen
wenn ich weiter gehe.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung