DIE GANZE WELT KAM NICHT ZUSAMMEN

Die ganze Welt kam zusammen untereinander
aber anstatt sich besser zu lieben,
hat das gegenseitige Erleben voneinander
sie zu noch mehr Hass getrieben.

Internet und leichtes Reisen
beschleunigten die Verbreitung der Vorurteile;
Es fanden sich in alten Kreisen
neue Menschen zusammen in Windeseile.

Das Gesetz der Anziehung der Gleichart
wurde der Menschheit zum Fluch und Verderben;
Eine eiserne Trennung zwischen zart und hart,
zwischen innerem Leben und Sterben.

Wir dünken uns fortgeschritten
doch besser sind wir dabei nicht geworden;
Gefangen in alten starren geistigen Sitten,
künstlich intelligente moderne Horden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINE PERSÖNLICHE SUCHE

So, wie die Menschheit heute ist,
kann sie unmöglich sich selbst überleben.
Nur Gott weiß, nur Gott kann, nur Gott ist
in der Lage, uns die Heilung zu geben.
Aber wer weiß denn noch, wer Er ist
oder was Er ist oder wo Er ist oder wie Er ist?
Wer schämt sich nicht, darnach zu streben?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS ÄUSSERE

Etliche Nationalitäten
liefen nebeneinander auf der Straße.
Keine dachte von einer anderen:
„Hier ist jemand, den ich eigentlich haße.“
Sie merkten nicht mal ihre Verschiedenheiten
Weil sie sich äusserlich ähnelten.
Keine spürte ihre Einsamkeit
Wo Einsamkeit und Einsamkeit sich spiegelten.

So stark ist die Macht der Oberfläche
Die Oberflächlichkeit ist zugleich
unsere größte Stärke und größte Schwäche.
In unserer Armut sind wir reich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VON HEIMAT ZU HEIMAT

Wie viele Gedanken fallen
dem Regentropfen ein
während er langsam fällt
von Wolke zum Stein?

Denkt er an seine Heimat
die er für immer verlässt?
Denkt er an seine Heimat,
der er nähert und bald nässt?

Du verlässt Deine Heimat
und kommt wo anders an;
Und siehe: Du bist Zuhause
in einem neuen Land.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

500 JAHRE SPÄTER VIELLEICHT

Frage mich 500 Jahre später
wenn ich das 3. Mal wiederkehre
Frage erneut, 500 Jahre später,
über die Bewahrung meiner Ehre
in den Blicken der Einheimischen
gerichtet an die Ausländischen.

Heute wäre es zu früh
Morgen auch und übermorgen
Jeder Blick ist Dejavü
Täglich mache ich mir Sorgen
Aber vielleicht in 500 Jahren
werden wir Achtung erfahren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUSSBLATT

Ich bleibe Ausländer
Flügel äußerer Ränder
Ein Blatt auf dem Fluss
vorbeifließend. Ein Gruß
aus der Ferne, missverständlich
stets beobachtend nachdenklich
Sichtbarer Blitzableiter
für Neugier
für Habgier
für Freundlichkeit
für Feindseligkeit
Ein Aussenseiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WISSEN IST VERDACHT

Eine Gesellschaft ist nimmer so fremd
daß Du nicht unter ihrer Oberfläche
ihr Verborgenes wie Konturen unterm Hemd
siehst, spürst, jede Stärke und Schwäche.

Vertraut. Bekannt. Wir kennen uns
gegenseitig, wir Menschen, und zwar gut.
Wir wissen, anhand des anderen Tuns
was er vorbereitend führt unterm Hut.

Wissen ist Verdacht. Wissen ist erdacht.
Wissen ist Schlacht, und nur manchmal Macht.
Wir wissen mit gutem und schlechtem Gewissen
das etwas kommt, deren Auswirkung wir nicht wissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OBERFLÄCHE

Katapultiert auf die Oberfläche sind wir geworden

Es zählt nur noch die Hautfarbe bei der Seitenwahl

Sortiert zum Westen, zum Osten, zum Süden, zum Norden

Himmelsrichtungen führen manchmal zur Höllenqual.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZENGEL

Wenn Du ahnungslos, freundschaftlich,
mitten unter Feinden gehst,
naiv und ungeschützt da stehst…
denn für Dich ist es selbstverständlich:
Hier sind sie alle Mensch und menschlich…

Welche Engel beschützten uns ungesehen?
Wir merken das Wunder nicht;
trotz Dunkel scheinet das Licht.
Der Verstand kann es nicht verstehen,
Du überlebst und Dir ist nichts geschehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung