EIN ORT FÜR TATEN

Es gibt eine Ecke
in der gesellschaftlichen Seele
Die siehst sie nie
selbst nicht mit der schärfsten Brille
Deines Verstandes.
Nicht mal das Herz ahnt
daß sie vorhanden ist,
diese Ecke. Nur Güte bahnt
sich den Weg zu ihr.
Taten der Güte, der Menschlichkeit,
der Selbstlosigkeit, der Freundlichkeit,
nur Handlungen öffnet der Seele
ihr Herz, ihre verschlossene Kehle
und lässt Worte - die echten, die warmen -
Form nehmen und Dich umarmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCHSEIN ALS WIDERSTAND

Zu denken, daß Du das Recht hast,
anderen ihre Freude weg zu schämen…
Zu glauben, daß Du die Macht hast,
anderen ihre Freiheit weg zu nehmen…
Zu träumen, daß Du die Aufgabe hast,
andere zu brechen, zu töten, zu lähmen…

Du spürst nicht wie er wächst,
der globale Widerstand …
Von Kultur zu Kultur wächst,
von Land zu Land …
Menschsein mit Verstand und Geist,
mit Herz und Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEXENJAGD UND VERLEUMDUNG

Nimm Dich in Acht, jetzt
wo die Hexenjagd neubegonnen hat -
Erst Argwohn, dann zuletzt
findet das Verleumden überall statt.

Nachbarn werden unnahbar.
Undurchdachte Worte rächen sich schwer.
Wunden, vielleicht unheilbar,
blicken durch Augen wieder voll und leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÜTZE DEIN INNENLEBEN

Hass ist ein Teil des Täglichen, allgemein.
Nur die Luft umgibt Dich noch enger.
Passt Du nicht auf, atmest Du ihn ein
und wirst zum Hasses Rattenfänger.
Du wirst dunkler ohne es zu merken,
wirst ein Teil von Hasses Netzwerken,
fängst an, die Hasskultur zu verstärken.

Die Sonne geht, die Schatten werden länger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE GANZE WELT KAM NICHT ZUSAMMEN

Die ganze Welt kam zusammen untereinander
aber anstatt sich besser zu lieben,
hat das gegenseitige Erleben voneinander
sie zu noch mehr Hass getrieben.

Internet und leichtes Reisen
beschleunigten die Verbreitung der Vorurteile;
Es fanden sich in alten Kreisen
neue Menschen zusammen in Windeseile.

Das Gesetz der Anziehung der Gleichart
wurde der Menschheit zum Fluch und Verderben;
Eine eiserne Trennung zwischen zart und hart,
zwischen innerem Leben und Sterben.

Wir dünken uns fortgeschritten
doch besser sind wir dabei nicht geworden;
Gefangen in alten starren geistigen Sitten,
künstlich intelligente moderne Horden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINE PERSÖNLICHE SUCHE

So, wie die Menschheit heute ist,
kann sie unmöglich sich selbst überleben.
Nur Gott weiß, nur Gott kann, nur Gott ist
in der Lage, uns die Heilung zu geben.
Aber wer weiß denn noch, wer Er ist
oder was Er ist oder wo Er ist oder wie Er ist?
Wer schämt sich nicht, darnach zu streben?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS ÄUSSERE

Etliche Nationalitäten
liefen nebeneinander auf der Straße.
Keine dachte von einer anderen:
„Hier ist jemand, den ich eigentlich haße.“
Sie merkten nicht mal ihre Verschiedenheiten
Weil sie sich äusserlich ähnelten.
Keine spürte ihre Einsamkeit
Wo Einsamkeit und Einsamkeit sich spiegelten.

So stark ist die Macht der Oberfläche
Die Oberflächlichkeit ist zugleich
unsere größte Stärke und größte Schwäche.
In unserer Armut sind wir reich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VON HEIMAT ZU HEIMAT

Wie viele Gedanken fallen
dem Regentropfen ein
während er langsam fällt
von Wolke zum Stein?

Denkt er an seine Heimat
die er für immer verlässt?
Denkt er an seine Heimat,
der er nähert und bald nässt?

Du verlässt Deine Heimat
und kommt wo anders an;
Und siehe: Du bist Zuhause
in einem neuen Land.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

500 JAHRE SPÄTER VIELLEICHT

Frage mich 500 Jahre später
wenn ich das 3. Mal wiederkehre
Frage erneut, 500 Jahre später,
über die Bewahrung meiner Ehre
in den Blicken der Einheimischen
gerichtet an die Ausländischen.

Heute wäre es zu früh
Morgen auch und übermorgen
Jeder Blick ist Dejavü
Täglich mache ich mir Sorgen
Aber vielleicht in 500 Jahren
werden wir Achtung erfahren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUSSBLATT

Ich bleibe Ausländer
Flügel äußerer Ränder
Ein Blatt auf dem Fluss
vorbeifließend. Ein Gruß
aus der Ferne, missverständlich
stets beobachtend nachdenklich
Sichtbarer Blitzableiter
für Neugier
für Habgier
für Freundlichkeit
für Feindseligkeit
Ein Aussenseiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung