DER GESCHMACK DES ENDES

Wie oft schon liefertest Du
den zweiten Schlag
und bereutest es bereits
am nächsten Tag?

Wie oft schon ertrugst Du
den letzten kuss
und littest, denn es schmeckte so
sachlich wie ein Muß?

Irgendwas hat sich geändert
Die Welt wird nimmermehr dasselbe sein
Das alte ist vergangen

Kein’ zweiten Schlag, kein’ letzten Kuss
Zieh einfach weiter mit neuem Geist
und reinem Verlangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HIER KOMMT DIE NACHT

Mit einem Schlag
fiel ein Schatten über die Welt

wie Donner ohne Blitz
Regen ohne Brise
Nacht ohne Mond
Wüste ohne Oase
Garten ohne Blumen

Menschen ohne Herz
Lachen ohne Lächeln
und ohne Liebe
und ohne Leben
und ohne Licht

Manche sagen
wir leben bereits im dritten Weltkrieg
und wissen es nicht –
Alle wissen, wer der Feind ist
doch keiner weiß, wer der Feind ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EBENBILD

Meine Hautfarbe ist wie ein Magnet
der heimliche Blicke zieht…
Sind die Blicke deshalb so dunkel
weil meine Farbe dunkel ist?

Meine Haare sind Magnetstreifen
die meine Daten gespeichert halten –
Erscheine ich Euch so unleserlich
weil meine Haare so anders sind?

Mein Eigentum ist ein schwarzes Loch
das Neid und Gier anzieht;
Greift Ihr so gerne und listig nach ihm,
weil der Schwerkraft leicht zu erliegen ist?

Wer behauptet, es hat sich alles geändert
weil das jetzt eine neue Generation sei,
der ist entweder blind oder er lügt. –
Das Bild passt sich der Ebene zeitlich an.

Die neue Generation ist der alten
ihr Ausdruck und ihre klare Aussage
und, wenn sie sich ertappt fühlen,
ihre empörte Ausrede.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VER-RÜCKT

Coronaverleugner? Psychiatrie.
Quarantäneverweigerer? Psychiatrie.

Staats- und Regierungskritiker…
Psychiatrie?

Andersdenkender?
Meinungsäußerer?
Mensch.

Sind wir alle verrückt geworden?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

JUDAS

Er küsst wie ein Freind
leidenschaftlicher als ein Freund und
kälter als ein Feind
Umarmung ist die Tarnung der Verleumdung

Küss mich nicht
verpass mir lieber einen Stich
Deines Dolches und Deiner Frust,
Freind, direkt mitten in meine offene Brust.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER SCHWARZE DA

Es entgeht mir nicht
wenn auf einem Gesicht
ein blauer Himmel sich
verfinstert plötzlich

Es entgeht mir kaum
wenn in einem Raum
ein blauer See auf einmal
trüb wird und asozial

Denn plötzlich,
als man unter sich
wähnte, steht er da –
Der Schwarze da

Die hohe Rasse ist
doch genauso niedrig, ist
doch genau so blind
und auch noch ein Kind.

Che Chidi Chukwumerije
02.03.2020 (23:05h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS VERTRAUTE WIR

Das vertraute Wir
kam plötzlich aus dem Nichts
Die Botschaft jedes Gesichts:
Wir sind hier
und unser Wir ist auch Hier.

Aus Schmerz wird Stärke
Aus Schwäche wird Zusammenschluss
Aus Spaltung eine neue Zusammensetzung
Aus Vielfalt eine neue Nation
aus alten Tugenden und neuem Mut!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIR

Ich denke an Euch
wie Ihr mit Eurem Leben
dafür bezahlen musstet
daß Ihr ein Leben hattet
und Teil unseres Lebens wart
– und nur deshalb.

Ich denke an Euch
entspannt lachend im Arm
des gemütlichen Abends
eingerahmt vom familiären
und vertrauten „Wir“
– zum aller letzten Mal.

(an die Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags am 19.02.2020 in Hanau)

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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BUNTESREPUPLIK

Mit jedem Schuß
wird das Land bunter
das Bunte stärker
eingebunden im Bund!

Rückwärts ist vorwärts
Vorwärts ist vorwärts
Es gibt kein Zurück mehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DIE MACHT DER FREMDENFEINDLICHKEIT

Wenn alle glauben
es liegt eine verborgene
ihnen überlegene Macht
im Schatten
dann stellen sie sich auf die Seite
des Schattens

Dadurch gewinnt dann erst
der Schatten Anhänger
Soldaten, Befürworter, Aufwind
und Stärke – was er alles vorher
nicht hatte

Die Macht des Schattens
ist die Macht der Illusion –
Bleibe Du im Licht
denn im Schatten ist nichts

Einer im Licht
ist stärker
als hundert im Schatten.

Che Chidi Chukwumerije (11.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung