NACHMITTAG IN MALABO

Eidechse und ich in der Sonne
Lang schweigen wir aber meine Gedanken
sie sind laut, üppig, und sie schwanken
wie die Palmen in der Hitze Wonne

meiner Sehnsucht nach Urwald
so dunkel so grün und ewig jung
gleichzeitig Erinnerung und Hoffnung -
Ich gehe erneut aber ich komme bald

wieder, denn die große Welt ist klein
Die Welt da draussen ist in uns drinnen
Die Sehnsucht nach Zuhause wird gewinnen…
Eidechse, jetzt nickst Du zweimal fein

und eilst in das Laubwerk hinein,
ein Nicken war zur Bejahung
ein Nicken war zur Verabschiedung
jetzt bin ich mit meinen Gedanken wieder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER FEHLENDE TEIL

Wie weit musst Du gehen,
um wieder zurück zu kommen?
Hast Du Dich verlaufen in Deinen Ideen?

Wie viel Welt wirst
Du schlucken müssen, bis Dein Durst
sich an Dir verschluckt?
Hinter Deinem Rücken.

Wann kommst Du endlich
zurück nach Hause?
Du suchst in der Welt genau das,
was die Welt in Dir sucht und in
Deinem Zuhause. Nichts fehlt Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS GLEICHE

So weit doch so nah
So nah doch so weit
Das Leben ist eine Art
Kunst, eine Art
Schwingung
Wo auch immer es sie gibt,
diese Art, dort gibt es eine neue Version
des Ganzen, des Gleichen.
Ich Reise von Land zu Land zu Land
und schüttele überall die selbe Hand
Der Fremde ist nie fremd in seinem Land
Es fühlt sich immer wie Zuhause an
Das ist das Gleiche, das ich überall fand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SPÜREN UND VERWIRKLICHEN

Wo bist Du,
Gedanke des Morgens?
Was hat der Tag aus Dir gemacht?

Habe ich Dich vergessen oder verinnerlicht?
Entsprang meine Aussicht Deiner Einsicht?
Entsprangst Du selber der Empfindung Licht?
Deine Verwirklichung sei meine Pflicht.

Wo bist Du,
Empfindung des Morgens?
Was hast Du aus dem Tag gemacht?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MACH SCHNELL

Was Du suchst, suche schnell,
Suche gründlich -
Wo Du hin willst, gehe schnell hin,
breche früh auf, pünktlich -

Was Du machen willst, mach sofort,
stürze Dich in das Erleben ernsthaft, vollends,
warte nicht damit -

Du hast nicht viel Zeit, um herauszufinden,
ob es falsch ist oder richtig -
Sterbe nicht ohne wissender geworden zu sein,
egal ob glücklich oder unglücklich -

Denn lebst Du Dein Erdenleben oberflächlich,
leichtfertig, musst Du wieder von Vorne
anfangen damit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZU DIR

Ich bin unterwegs
Die Reise liegt mir schwer
auf den Schienen
träge, stockend und zäh.
Links und rechts
jenseits des Tunnels her
erscheinen plötzlich die grünen
Grenzen der Realität näher
als erwartet doch stets
unerreichbar. Geduldiger
als je zuvor sehnen
sich meine Gedanken nach Dir.
Ich bin unterwegs
zu Dir von irgendwoher in mir
um Dir zu dienen
aber auch zu beschäftigen schwer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

EINE FORTLAUFENDE GESCHICHTE

Egal was wer sagt,
macht das Leben nur Sinn,
wenn jeder, der einst versagt,
erneut suchen darf den Gewinn.
Wenn jeder, der heute lebt,
gestern den Weg bereitet hat -
Und daß, wenn ein Mensch webt,
er webt zu gleich seine letzte Heimat.

Sonst macht alles keinen Sinn,
kein Woher und kein Wohin,
das Ende verdient keinen Beginn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES DRÄNGT

Herz schwer beladen mit Drang
Mitteilungs-, Bewegungs-, Geltungsdrang.
Suchen! Suchen! Erlebnisdrang.
Irgendwas Unvollendetes
Irgendwas Unerklärliches
Irgendwas Selbstgetriebenes
regt sich in Dir, macht Dich unruhig.

Keine Beziehung kann Dich beruhigen
Keine Leidenschaft kann Dich befriedigen
Keine Errungenschaft kann Dich besänftigen.
Geistiges, Andersartiges
regt sich in Dir, durstig und unruhig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER NEUE ANFANG

Als aus alten Ländern die neuen kamen
mit alten Zügen und neuen Namen
fragten sich manche, in Gruppen und allein,
was bedeutet es, deutsch zu sein?
Andere fragten sich, was haben wir gemein?,
was bedeutet es, Mensch zu sein?
Wir standen wieder an einem Anfang
einer neuen Gleichart, die uns zwang,
zusammen zu ziehen an einem Strang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHELN ÜBERALL

Wo auf Erden hast Du noch nie
die Menschheit getroffen?
Nirgendwo. Wir menscheln überall,
träumen, zweifeln und hoffen,
lieben, hassen, lachen, neiden und lassen,
und treffen reinkarniert immer wieder mal
Dinge, die wir längst vergaßen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung