Sie sehen Dein Lächeln Ich sehe eine Pforte Sie spüren Dein Herz Ich spüre eine Türklinke Sie hören Deine Stimme Ich höre ein Tor sich öffnen Auch ein Portal, will es die Erde besuchen, muß sich als Mensch verkleiden; es begegnet uns frontal, während wir einen Ausweg suchen und es mißachten, belächeln, vermeiden. Eines Tages verschließt es sich wieder, ein Herz verschweigt seine schönsten Lieder. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Wanderung und Bewegung
AN EINEM BAHNSTEIG ZU STEHEN
An einem Bahnsteig zu stehen, allen Wartenden ins Gesicht zu sehen - Wo wollen wir alle einzeln hingehen? Züge kommen, im Handumdrehen scheiden wir uns, wie viele Ehen, steigen um ins nächste Geschehen und werden uns alle nie wiedersehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH BESUCHTE DEIN INNENLEBEN
Ich besuchte Dein Innenleben eines Tages, als Du abwesend war, und ich geriet in ein Herzbeben, das wütete unstet, unberechenbar - Grund für sein Auslösen war unklar, denn Du warst ja nicht zugegen. Sag, brennt es andauernd in Dir? Wann wird sich Deine Unruhe legen? Ich hinterlass jetzt ein Teil von mir in Dir, wie Tinte als Gedicht auf Papier. Irgendwann kommst Du wieder nach Hause und findest anwesend die innere Kraft, Ruhe zu wagen, Frieden, eine Pause zu machen, denn die Stille verschafft Dir die Krönung Deiner Wanderschaft. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER WANDERER
Was ist Zuhause? Zuhause ist, wo das Herz ist und mein Herz ist in meinen Füßen Was denn ist mein Zuhause? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FLUGS
Flugs hüpfen wir von Frankfurt nach München ein Flugzeug voller Gedanken und Menschen die besuchen die Wolken im Himmel ein bisschen doch verlassen nie den Boden der Tatsachen. Unsere sieben Sachen im Gepäck, und Lachen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER LERNWEG
Nichtsdestotrotz möchte ich Dich bitten, Weg, weiter zu gehen, ob wohl, wund geritten, meine Reifen, ich meine mein Begreifen von Dritten, bereits ausgereift ist - dritte Reiche, dritte Sitten. Man lernt nie aus, nie aus anderer Fußtritten und deren Berichten darüber; nein, selbst durchschritten muss man gefrorene Seen haben, auf dünnem Eis ausgeglitten sein, gebrochen, mit Lügen und mit Schatten gestritten haben, uralte Vorurteile, neu institutionalisiert, selbst erlitten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUGFAHRT DURCHS LEBEN
Schnell fliegen die Bäume an mir vorbei - denn ich, soeben stürmisch, nun stillsitzend neben mir, besuche die Innenräume meiner Empfindungen. Ob ich Wichtiges versäume auf meiner Zugfahrt durchs Leben? Eine Rückfahrt ist nicht gegeben - Meine Tage sind die Träume meiner Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SUCHEN
Wie Perlen wie Steine in einer Gebetsketteä gleiten unsere Tage, unsere Jahre, eins nach dem anderen, durch unsere Finger, durch unsere Hände dahin, ein nimmerendendes Flehen, Bitten, nach dem Sinn unseres Lebens, das seinen Kreislauf fast wie von selbst seinem Ende entgegen vollzieht… während wir, Suchende, älter werden. Was haben wir bisher gefunden? An den Folgen unserer Entscheidungen gebunden, was haben wir gefunden? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KURZE BEGEGNUNGEN
Begegnungen, die kurzen und die vergänglichen, weil intensiv, mutieren zu unendlichen Erinnerungen. Nicht die Länge der Geschichte, sondern die Tiefe der ihr innewohnenden Gedichte, weckt die ewigen Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS STILLSTEHENDE ZIMMER
Die Jahre fliegen vorbei wie im Traum Schwindelig wird‘s dem Mitreisenden kaum Wie in jedem Zimmer so in jedem Zeitraum - Still, bis empor Du kletterst Deinen Schicksalsbaum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
