Wir standen auf den Wolken Die Erde ist so klein Denke ich mir während wir laufen Langsamen Schrittes hoch über Länder Ich habe nicht mal meinen Gedanken Zu Ende gedacht Schon sind wir am Zielflughafen gelandet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Wanderung und Bewegung
BRÜDERLEIN
Heute ist wieder der Tag die Welt nicht zu hören denn ich will Dich wieder hören so wie an unserem letzten Tag Ernster wie sonst war Deine Stimme kurz Dein Lächeln Ich schenkte Dir zurück meines Herzens Lächeln doch warum verlor ich meine Stimme? Ich wollte Dich bitten nicht zu gehen Ich wollte Dich bitten aufzupassen Doch, Er wird schon auf sich aufpassen, sagte ich mir und ließ Dich gehen Und bis heute warte ich. Du bist ein Adler, ein Sucher, ein Finder Ein Reisender, ein Mensch, ein Empfinder und hoffnungsvoll warte ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HOCHFAHREN
Langsam schoben wir die Berge auseinander Drückten das Tal fest entschlossen zum Boden Züngelten uns enge Bergstrassen hoch, entzogen Uns Schichten von Geschichten nacheinander. Dann kamen wir an, oben Am höchsten Punkt des Berges Füreinander da, verliebt ineinander. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
JEDES MAL ANDERS
Niemand kehrt aus einer Reise unverändert zurück Nicht Mann oder Frau, Mädchen oder Jüngling Nicht Erinnerungen an Glück oder an Unglück Nicht Gedanken, Versprechen oder ein Beweisstück Und fürwahr auch nicht der Frühling. Irgendwas an ihm ist anders dieses Jahr Er kommt nicht wie sonst wie ein Eindringling Sondern in kleinen Schüben wächst wie Haar Reifer, nachdenklicher, wissender. Fürwahr: Verändert hat sich erneut der Frühling. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER DRANG
Wenn ich morgens aufstehe ist alles, was ich will, der Drang - der Drang zum MACHEN. Wehe, wenn der fehlt. Schwanengesang. Nicht Geld, nicht Frau, nicht Kinder, nicht Spaß, nicht Arbeit, nicht mal Lebensziel ungenau - Allein „Drang“ ist Lebendigkeit. Drang, frag mich nicht wonach Der Drang überlässt mir die Wahl - Er erfüllt und belebt mich einfach, göttliche Mahlzeit, Rätsel, Gral. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FLÜGELSCHLAG
Ich habe Dir Flügel geschenkt, nicht damit Du mich umarmst, sondern damit Du wegfliegst. Ich könnte Dich nimmer so beglücken wie Sonne, Wind und Wolken Dich umarmen, wenn Du hoch fliegst. Bist Du einmal aufgebrochen sind wir zwei gleichsam erfüllt weil Du heimfliegst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FEBRUAR SPAZIERGANG
Kalt, klar, karg der Tag eisig braun der Erde winterberuhigter Belag mit dünnschichtiger Zierde Winter will seine Zeit Frühling drängt schon auch Wolkengrau im Himmel breit Tief grün in seinem Bauch Bin ich Teil dieser Welt oder Fremder auf Durchreise? Wenn keiner ein Wort fällt sind wir ähnlich leise Bäume stehen menschengleich schauen gleich, schweigen gleich Wie so oft im Naturreich außen hart, innen weich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENDEPUNKT
Ich bin am Ende Ich kann nicht mehr Ich bin am Anfang… Ich will mehr Ich bin in der Mitte Zwischen Leer und Mehr Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHR AUTOBAHNEN
Friedhof der Bäume Stiller Asphalt Jede Fahrt ist laut klagend ein Trauermarsch angeschnallt Schneise wie Grab führen zum nächsten Aufenthalt Manche sagen höhere manche sagen Natur-Gewalt manche sagen: Es muß doch einen anderen Weg geben. Halt! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PORTALE
Die Sterne sind zu weit weg Lieber gucke ich in Menschenaugen hinein Sie führen in ferne fremde Welten Ich bin ein Weltenwanderer tagaus tagein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
