AUF IMMERWIEDERSEHEN

Auf immer wieder sehen
Sonne und Morgendämmerung
kommen und gehen -
Dies ist ihre Begrüßung

Ich weiß nicht, wo Du bist,
wenn Du weg bist
Du weißt nicht, wo ich bin,
wenn ich weg bin

Nur eines wissen wir
jedes Mal, wenn wir gehen…
wir werden uns wieder
immer wieder immer wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IMMER DER ZEIT VORAUS

Fang früh an
denn das Ende kommt immer früher
als erwartet. Wann
und wo kann Dir egal sein, denn eher
es kommt, bist Du schon fertig,
wenn Du früh anfängst und dran
bleibst, stets gegenwärtig.
Erfüllung ist allgegenwärtig nur dann.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZUM GLÜCKE

Langsam geht das Alte zur Neige.
Was wird das Neue bringen?
Findest Du nie heraus, bist Du feige.
Das Leben will Dich zum Glücke zwingen,
Dein Glück musst Du selbst erringen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLEINE GEHEN

Es wird immer den einen Freund geben,
einst engster Teil Deines Lebens -
eines Tages wird er von Dir weg streben.
Du wirst ihn zurückrufen vergebens.
Denn manchen Weg muss man alleine gehen;
Lass ihn gehen, Du musst zu Dir stehen -
Auf Wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GRUSS MIR DEN HIMMEL

Gruß mir den Himmel
Es ist lange her
Und lang wird es noch dauern
Bis zu meiner Rückkehr

Siehst Du den Wald da
unten im Tal?
Jeder Baum ist ein Erdenleben
das ich lebte mal

Einen nach dem anderen
muss ich sie alle ernten
Die Menschen, die das Böse
in mir einst kennenlernten

Gruß mir den Himmel
Ursprung meiner Sehnflucht;
Gruß mir den Himmel
Heimat meiner Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZENGEL

Wenn Du ahnungslos, freundschaftlich,
mitten unter Feinden gehst,
naiv und ungeschützt da stehst…
denn für Dich ist es selbstverständlich:
Hier sind sie alle Mensch und menschlich…

Welche Engel beschützten uns ungesehen?
Wir merken das Wunder nicht;
trotz Dunkel scheinet das Licht.
Der Verstand kann es nicht verstehen,
Du überlebst und Dir ist nichts geschehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BAUSTELLEN

Baustellen führen manchmal schneller
zum Ziel als freie Wege, äußerlich heller,
innerlich ohne Verbindung zu Deinem Schicksal -
Der hohe Berg beginnt unten im Tal.

Die schmerzvollen Vorkommnisse
in meinem Leben, die Erlebnisse,
Das waren keine Hemmnisse,
sondern Stufen neuer Erkenntnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

EIN ANDERES LEBEN

Es gibt ein anderes Leben,
anders als dieses Erdenleben.
Manchmal nach dem Lebensende
manch unserer guten Freunde,
spüren wir, wie deren Geist
in eine andere Welt hinein reist;
und wir spüren mit, zart und schroff,
das Leben in diesem feineren Stoff.
Heller, leichter, lebendiger,
schneller, unmittelbarer, lebhafter -
werdend zunehmend immer beweglicher.
Es gibt uns die Gewissheit der Richtigkeit
des Empfindungslebens auch zur Erdenzeit;
Aufmunterung, nach dem Licht zu streben,
Freude versprechend, Zuversicht gebend,
wie ein Fenster in ein anderes Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREMDE STADT

Ich laufe durch die Stadt.
Ich spaziere durch die Gefühle der Passanten
Und sehe diese an ihrer Statt.
Ihre Gefühle sind Weltwanderer, sind Migranten.
Die Menschen hier sind mir zwar fremd und neu,
doch ihre Gefühle gleichen mir Bekannten, detailgetreu.

In den einen Augen unzählige Fragen;
In den anderen: Ich habe hier das Sagen;
In anderen: Du bereitest mir Unbehagen,
Du hier? - Wie konntest Du das wagen?

In den einen Augen tastende Unsicherheit;
In den anderen Sehnsucht nach Wahrheit;
In anderen Erkenntnis der Mitmenschlichkeit;

In den einen Augen klarer Verbindungsverzicht:
Ablehnung oder Gleichgültigkeit? Weiß ich nicht.

Doch manche sind einfach nur scheu.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung