ZÜGIG LAUFEN

Laufen
als wäre das Leben eine kurze Reise
und Du hattest keine Zeit mehr
Zügig laufen. Bald bist Du ein Greise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREI VERBUNDEN

Halte mich
Damit ich weg gehen kann
Lasse mich
los, damit ich bleiben kann

Denn in der Ferne
möchte ich mich mit Dir verbunden wissen
Und in der Nähe
möchte ich meine Freiheit aber nicht missen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE ZEIT IST JETZT

Ein Jahr kann vorübergehen
Und Du könntest schwören, es war nur ein Tag
Weil Zeitreisen stets in der Wahrnehmung lag
Egal wie die Gestirnen drehen

Die Vergangenheit kommt oft erst in der Zukunft
Die Zukunft kam und ging gestern bereits
Die Gegenwart breitet sich aus allerseits
Willkommen. Du bist schon am Ziel. Ankunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE GANZE WELT KAM NICHT ZUSAMMEN

Die ganze Welt kam zusammen untereinander
aber anstatt sich besser zu lieben,
hat das gegenseitige Erleben voneinander
sie zu noch mehr Hass getrieben.

Internet und leichtes Reisen
beschleunigten die Verbreitung der Vorurteile;
Es fanden sich in alten Kreisen
neue Menschen zusammen in Windeseile.

Das Gesetz der Anziehung der Gleichart
wurde der Menschheit zum Fluch und Verderben;
Eine eiserne Trennung zwischen zart und hart,
zwischen innerem Leben und Sterben.

Wir dünken uns fortgeschritten
doch besser sind wir dabei nicht geworden;
Gefangen in alten starren geistigen Sitten,
künstlich intelligente moderne Horden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIR LEBEN ALLE MEHRMALS

Wir leben alle mehrmals.
Keiner stirbt zum ersten Mal,
wann er stirbt. Und falls
Du eines Babyschreis Hall
in Deinen Armen hörst,
ist das nur eine alte Seele
zurückgekehrt. Du gehörst
ihr nicht, noch sie Dir, quäle
Dich nicht, schenk einfach mehr
als Liebe, schenke ihr Empfinden,
wissend: sie, wie Du, ist hier
um ihre Story zu beenden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZSPAZIERGANG

Ich würde gerne unbemerkt
durch Dein Wald spazieren gehen
aber laut sind meine Schritte
leider, noch bin ich zu übersehen
Kaum tauch ich in Deinem Herz auf
so läufst Du mir wild hinter her
rufend, Hände nach mir streckend
Ich fliehe, jetzt ist’s wieder leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEDINGTE FREIZÜGIGKEIT

Die einen Weltwanderer,
nach dem sie die Welt durchwandert haben,
meinen, die anderen Wanderer
auf dieser Welt dürfen dasselbe nicht haben:
Bewegungsfreiheit und universeller Zugang,
vor allem nicht bei ihnen und definitiv nicht zu ihnen.
Das Herrenmenschbewusstsein in vollem Gang,
weitergegeben mit der Muttermilch über Generationen.

Oder ist es wirklich einfach nur der Materialismus?
Die mehr haben halten die fern, die weniger haben? -
nach dem sie sie erst geplündert haben.
Und die weniger haben hätten gern, was die anderen haben?
- auch was die noch nicht zurück gaben?
Unterordnet sich Kultur am Ende doch nur dem Materialismus?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LAUFE LEISE DURCH DIE LINDEN

Laufe leise durch die Linden
Wende Dich mit den Winden
Verbinde Dich ohne Dich zu binden
mit den Bäumen
und Du wirst Dich finden.
In der Natur Zauberräumen
gibt es keine Blinden.

Es gibt nur die, deren Herzen offen sind,
und die, die verloren haben ihr inneres Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNTER REISENDEN

Unterwegs
Unter Unbekannten
War ein Unterricht
Sie alle brannten
Sich in mich ein
Denn am Reiseende
Waren wir entweder
Freunde oder Feinde
Geworden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ES WAR NICHT AUS SPASS

Es war nicht aus Spaß
Es waren nicht bloß Triebe
In jedem Apfel, den ich aß,
suchte ich wahre Liebe.

Wasser, Wasser überall
so trocken wie der Sand
bis ich endlich durch Zufall
mein Schicksal fand.

Wo ist der Hunger geblieben?
Wo ist der Durst hin?
Einst war ich getrieben
Jetzt weiß ich, wer ich bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung