EIN ERHOLSAMER SCHLAF

Die Müdigkeit durchdrang meine Knochen
aber sie schonte meinen Geist, zum Glück.
Mein Körper schlief lang und beim Erwachen
kehrte meine Seele aus Traumwelten zurück.

Ich habe Liebe gefühlt und Mut gerochen,
traf mich mit als Weinen getarntem Lachen,
erhielt geistiges Brot als erstes Frühstück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZBRAND

Unter Fremden Zuhause
Unter sich der Fremde
Unterwegs ist die Pause

Stillstand, unruhige Hände
Schlaflos, klare Gedanken
Im Herzen Waldbrände

Dein Herz wird Dir danken
Lässt Du es gehen bis zum Ende
In Sich-verbrennen Ruhe tanken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER HASS FÄHRT IM KREIS

Sie fahren im Kreis
und kommen da an
wo ihre Irrfahrt begann
und fahren weiter im Kreis.

Der Hass hasst den Hass
und der Hass hasst den Hass zurück.
Der Teufelskreis endet im Unglück…
und fährt weiter. Bodenloser Fass.

Bodenlose Fassungslosigkeit.
Entweihte Weihnachtszeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung.

UMFANG DES DRANGES

Ein schnelles Rein und Raus,
oder auch langsam und lang -
Die Welt ist mein Haus,
immer bereit zum Empfang
des uferlosen Umfanges
des unersättlichen Dranges
des heimsuchenden Hanges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

WOHIN

Ich fühle mich Zuhause
wenn ich von Zuhause
weit weg bin -
Das Fremde ist mir innigst vertraut
der Weg dorthin meine zweite Haut,
mein ständiges Wohin.

Vielleicht kreuzen sich unsere Wege,
bist Du wie ich auch so unruhig, so rege,
stets neu am Beginn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DASSELBE LÄCHELN

Wenn Du genug Länder besucht hast
Wenn Du genug Lächeln gesucht hast
und überall wie ein ewiges Darlehen
immer wieder dasselbe Lächeln gesehen
und zurückgespiegelt hast, na dann…
Vielleicht ist da wirklich etwas daran,
wenn gesagt wird, daß wir alle irgendwann
wieder eins werden werden im Gottesplan.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEIN FLUGBEGLEITER

Sollen wir fliegen?
Fliegen wohin?
Da, wo wir uns nicht verbiegen,
dahin.
Ich fliege mit,
Dein Flugbegleiter -
erklimmen zusammen Schritt für Schritt
die Himmelsleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESCHEHEN-GEBUNDEN

Der Zug rollt ab, wie ein Geschehen,
aus dem Du nicht mehr aussteigen kannst.
Durchs Fenster wirst Du vieles sehen,
an dem Du Dich nicht beteiligen kannst.
Du kannst weder stoppen noch umdrehen;
die Fahrt erleben ist alles, was Du kannst.
Es bringt nichts, zu bitten oder zu flehen,
Du bist Geschehen-gebunden. Du kannst
im Zug sitzen bleiben oder aufstehen,
rumlaufen, mit anderen reden. Du kannst
Freunde finden, die den selben Weg gehen
wie Du, mit denen Du Wärme teilen kannst.
Enge Verbündete wie in Familien, oder Ehen,
oder im Krieg, oder im Knast. Werte kannst
Du schöpfen, Bunde formen, die nicht vergehen
werden, wenn Du endlich umsteigen kannst
an der nächsten Station in Deines Lebens Geschehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEIN HERZ RAST

Mein Herz rast
durch das Leben
An keinem
bleibt es kleben

Ich sitze als Gast
und Pilot zugleich
Flugbegleiter auch
allein und mit Euch

Mein Herz fliegt schnell
durch mein Leben
An keinem
bleibt es kleben

Doch egal wo ich bin,
da seid Ihr…
mit mir reisend
tief in mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEFREIT

Ich gehe immer weiter
Hoff nicht auf meine Rückkehr
Die rückt nicht näher
Die kommt, ich komme, nie mehr
Ich bin ein Befreiter

Eure Fesseln haben mich innerlich befreit
Eure Angriffe machten mich vor neuen gefeit
Eure Wegelagerer geben mir sichres Geleit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung