ÜBER GEPÄCK

Soll ich stärker werden
oder weniger Gepäck tragen?

Wenn ich weniger Gepäck trage
werde ich schwächer werden.

Wenn ich schwächer werde,
werde ich noch weniger Gepäck tragen.

Wenn ich nicht schwächer werden möchte,
muß ich mehr Gepäck tragen.

Wenn ich stärker werde,
trage ich - gefühlt - weniger Gepäck.

Nicht mehr.

Und wenn ich daran sterbe?
Dann trug ich mein ganzes Gepäck bis zum Schluss.

Mehr nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BESEITIGUNG VON ARMUT

Wenn die Beseitigung von Armut
den Reichen obliegt,
besteht darin ein Interessenkonflikt?

Wenn Du reicher bist als niemand,
bist Du überhaupt noch reich?
Seid Ihr alle gleich reich?
Vielleicht seid Ihr auch gleich arm.
Wer weiß?

Reichtum.
Manche wollen mehr als andere haben
Manche wollen einfach nur genug haben
Manche wollen geben um glücklich zu sein
Und empfangen um leben zu können -
Aber keiner will in Armut leben
Und keiner will unwürdig sterben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOLIDARITÄT MIT ALLEN SCHWÄCHEREN

Wir sollen nun kalt duschen –
Das ist bereits eine kalte Dusche,
denn nicht alle werden kalt duschen.

Im Osten führen die Russen
Krieg gegen die Ukrainer.
Aus Solidarität führen im Westen
die Reichen Krieg gegen die Armen.

Hauptsache am Ende des Krieges
sind die Mächtigen mächtiger,
die Schwachen schwächer, die Reichen
reicher und die Armen ärmer. Überall.

Wir sollen nun kalt duschen –
Das ist bereits eine kalte Dusche,
denn nicht alle werden kalt duschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄRMER TROTZ ETKENNTNISSEN

Viele Menschen werden ärmer werden,
reicher nur an Erkenntnissen.
Manche Länder werden reicher werden,
ärmer jedoch in ihrem Gewissen.

Wie könnte die Zukunft derart werden,
nach all den Menschheitserlebnissen,
daß wir wieder langsam gefangen werden
in den heutigen Geschehnissen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DANKBARKEIT DEN ÜBERSEHENEN

Ich liege im Hotelzimmer
und sehe alles außer der Lichtquelle
in dessen Lichtschimmer
ich alles sehe an Ort und Stelle -
Eine einfache Tischlampe an der Bettseite.

Manch einer verschafft uns Freizeit,
doch die teilen wir lieber mit anderen -
Manch einer macht uns bereit;
damit arbeiten wir aber lieber bei ‚Besseren‘ -
Der erste am Ende ist häufig der zweite.

Dankbar möchte ich denen sein,
die immer und selbstlos in Liebe geben…
und Dem ohne dessen Da-Sein
wir niemals hätten Bewusstsein und Leben
noch das Ahnen deren wahrer Tragweite.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNSUCHT NACH DEM VATER

Ein Kind wächst und siehe, da wachsen auch
in seiner Seele ohne Antworten Fragen viele:
Andere haben Väter. Ich etwa nicht?
Fragen Gedanken, Worte, Empfindungen, Gefühle.

Wo kommt er her? Wie heißt er wirklich?
Warum bleibt er denn fern? So fern.
In diesem Menschenherz wohnt ewig ein Kind
und eine Frage: Hat er mich nicht gern?

Was ist ein Land, das einen Berg nicht tragen kann?
Was ist ein Herz, das Schmerz nicht ertragen kann?
Was ist ein Mann, der Verantwortung nicht austragen kann?
Was ist eine Reise, die Hindernisse nicht vertragen kann?

Das habe ich nie verstanden,
daß ein Mann in ein fremdes Land reist,
dort Kinder zeugt, nur um sie zu verlassen.
Daß Du Dich einen Mann nennst, ist dreist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung