VERTRAUENSFLÜGEL

Vertrauen
hat die Flügel eines Traums
Zurückschauen
in die Leere eines Zeitraums
der verschwunden ist,
bringt nichts…
Vertrauen, einmal unterbrochen,
wie ein Traum, - ist weg.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

EINE ANDERE MENSCHHEIT

Eine zweite, nein, erste, Menschheit
wohnt tief unter der Oberfläche
der scheinbar herrschenden Menschheit 
wie eine unsichtbare Tragfläche -

Sie besteht aus denjenigen,
deren Geist Gottes Naturgesetze 
schweigend versteht als die alleinigen
Verwalter unser aller Schicksalsnetze. 

Diese Menschen beteiligen sich auch
an Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
an Akademie, Kunst, Sitte und Brauch,
aber sie machen alles gewissen-haft. 

Keiner Nation, Kultur oder Religion
gebührt mehr Treue als Deinem Gewissen.
Die Zukunft braucht neue Vision
und ein in Liebe verwurzeltes Wissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIT MENSCHLICHKEIT BEGABT

Wir verwechseln Kunst mit Spiritualität,
genauer: mit geistigem Streben,
obwohl nichts im Geistigen höher steht,
als mit gutem reinem Wollen zu leben -
das einfachste und das schwierigste.

So viele Menschen dünken sich
talentfrei, leer und unbegabt -
aber sie denken dies irrtümlich.
Manche sind mit Menschlichkeit begabt,
das einfachste und das schwierigste.

Täglich, ehrlich, mit anonymster Stabilität
hohe Werte zu verkörpern und zu geben:
Das allein ist die ernste Spiritualität;
das ist das aufbauendste geistige Leben,
das einfachste und das schwierigste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IDENTITÄTSMERKMAL

Unsere Identität haben wir ganz nach Außen verlagert,
Ihr Sinn wird in nur körperlichen Merkmalen begriffen.
Dabei ist unsere wahre Identität im Geistigen gelagert -
Wer dies nicht begreift, bleibt von Widersprüchen ergriffen;
Wer es aber ahnt, kann innere und äußere Konflikte umschiffen.

Die Zeiten werden komplexer werden, eher sie sich vereinfachen;
Freunde, unwissend, werden sich gegenseitig kaputt machen;
Fremde werden sich für Freunde halten, und ihre Freunde auslachen;
Und wer und wo die wahren Feinde sind,
Das weiß keiner, denn wir sind alle blind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMUT UND BESCHEIDENHEIT

Es gibt Momente, in denen
wir uns besser dünken als wir sind,
vielleicht weil wir es auch tatsächlich sind,
aber dann befinden wir uns unter jenen,
deren Zeit es ist zu führen,
egal ob sie richtig, falsch oder ver-führen;
wir sind gefangen in ihren Plänen,
denn wir müssen alles erleben -
Führung und Unterdrückung durchleben -
und reifen durch unsere Tränen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERANTWORTUNG

Weder Weiß noch Schwarz
kann mich retten -
Ich habe auf meiner Wanderung
alle Grenzen überschritten
und fand überall
dieselbe Sinnlosigkeit,
Einsamkeit,
Sehnsucht nach Menschlichkeit
und nach dem Sinn des Lebens.

Nur diese Werte
können mich noch retten:
die Liebe und die Treue
zur Schönheit, zur Menschlichkeit,
zur Ordnung, zur Wahrhaftigkeit,
zum Mut dazu Verantwortung
zu übernehmen für eigenes Schicksal,
und zur täglichen lebendigen Forschung
nach dem Sinn des Lebens.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAHRE BESCHEIDENHEIT

Bescheidenheit
ist nicht immer Bescheidenheit

Manchmal
ist sie Feigheit
Manchmal
ist sie Unehrlichkeit
Manchmal
ist sie Eitelkeit
Manchmal
ist sie Dummheit.

Bescheidenheit ist nur manchmal
auch wirklich Bescheidenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINER KANN MICH AUFHALTEN

Keiner kann mich aufhalten,
der mein Ziel nicht kennt -
Das, was sie dafür halten,
war nie mein Element -
Ich war nur zwiegespalten,
ein blindes Instrument,
bis ich in dem Verwalten
meines Weges als Experiment
alle meine Seiten, die alten
und neuen transparent
durchlebte und könnte entfalten
mit meinem Temperament.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEIN TAG OHNE SCHÖNHEIT

Der Zug fährt ab
und fernab der Gegenwart
kommt er im selben Moment an.
Alles ist immer Gegenwart.

Herzen berühren ist schön
Herzen brechen ist schön
Herzen begegnen ist schön
Herzen verlassen ist schön

Nur, mach es in der Gegenwart
Heb es nicht für morgen auf -
Ein Tag ohne Schönheit
ist ein Tag vertan

Ob Schmerz, ob Genuss,
ob Freude, ob Verlust,
es ist alles schön
wenn der Geist daran wächst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DICHTEN OHNE ERWARTUNG

Ich habe gelernt, als Dichter
nie nach Ruhm zu trachten,
möchte ich meine Aufgabe,
das Innenleben zu beobachten,
richtig erfüllen, unbeeinflusst davon,
wie andere mich betrachten,
ob Geliebte, Käufer oder Spötter -
darauf darf ich nicht achten.

Wer zum Geist des Zukunftsmenschen
sprechen will, darf heute nichts erwarten -
weder von Freunden noch von Feinden -
sondern säen, dann gehen aus dem Garten.
Empfinden, schreiben, sterben und warten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung