Der Baum stand da Als wäre er nicht da Und war für alle da Der Mensch stand da Als wäre er wirklich da Und war für niemand da Nur für sich selbst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Werte und Verantwortung
DIE GEDANKEN SIND NICHT FREI
Die Gedanken sind nicht frei Sie sind gut, böse, rein, unrein Aber sie sind nicht zollfrei Sie erhalten ihr eigenes Sein Bewirken feinstofflich vieles dabei Prägen weiter Dein Bewusstsein Hängen an Dir wie ein Faden Kehren im Kreis auf diesem Pfaden Zu Dir zurück mit Gleichart beladen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE DEMÜTIGEN
Manche werden Gesetze erlassen Manche werden regieren Manche werden große Thesen erfassen die wir alle hinterher zitieren - ohne den Menschen zu verbessern. Manche werden viel Geld machen Manche ihr Geld verschenken Manche werden spielen und lachen und uns von unseren Sorgen ablenken - ohne den Menschen zu verbessern. Ohne die Welt wirklich zu verändern zum Besseren. Geistiges verwässern ist kein Fortschritt. Doch an den Rändern die Demütigen, schweigend in Bändern, sind es, die die Menschenart verbessern, mit ihr den Charakter in allen Ländern. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS IST WENN DU UNABHÄNGIG
Was ist wenn Du unabhängig von Hauteigenart fliegen könntest in die höchsten Begriffe? Was ist wenn Du unabhängig von Kulturstand stürzen könntest in die engsten Tiefen? Was ist wenn alles mit nichts zu tun hat, was wir für wichtig einstufen? Was ist wenn anders sein durch gut sein zwar das schwierige doch das richtige ist? Denn dazu sind wir als Menschen berufen. Was ist wenn es egal ist, wie andere Dich nennen, ob sie sich mit Dir verschwistern oder sich von Dir trennen? Was ist wenn der große Zusammenhang mit nichts zusammenhängt, an denen wir hängen? Wenn unsere Selbstkontrolle uns befreit und unsere Freiheiten uns einengen? Geist. Was ist Geist? Der in uns allen ist aber nicht in uns allen wirkt und doch der einzige ist, der unser Menschsein bewirkt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAHRE ANTWORTEN
Viel zu viele Füße tasten laufend über meine Fragen ohne Antworten anzubieten die mir mehr als das Gesagte sagen. Wer mit reden will, muß mehr sagen mit weniger Worten als mehr Worte hätten sagen können in mehr Sekunden, Minuten, Tagen. Es ist die Stunde der Wahrheit. In jedem Lande, an jedem Orte zeigen Menschen und Völker ihr Gesicht denn Taten reden lauter als Worte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLINDGÄNGER
Der Hass
Hungrig und verzweifelt
Wie ein Wolf –
Greift wild um sich, eskaliert
Von Populismus zu Populismus
Ängstlich
Weil immer mehr Menschen ihn durchschauen.
Lauter! Er wird lauter und lauter
Wie ein Rattenfänger.
Schneller! Er pfeift schneller und schneller
Und wartet wütend seit Jahrzehnten
Lebend begraben wie ein Blindgänger
Aus dem Weltkrieg.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER STURM KOMMT
Es wird dunkel Dunkler als je es war Es wird gemunkelt Der Sturm kommt Festigt Eure Wurzeln Und Dach und Fenster und Tür Wahre gute Eures Herzens Schlüssel Der Sturm kommt Er kommt Geblendet durch seinen Blutrausch Er kommt Entfacht Eures Mutes Funke Bereitet Euch für den langen Kampf - Es ist die Stunde des Dunkels Die Stunde seines Niedergangs. Der Sturm des Guten, er kommt auch! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWARZER MANN
Schwarz, nach dem Ebenbild meines Vaters, Nicht im Sinne Deiner Vorstellung. Mann, nach dem Ebenbild meines Vaters, Nicht Gemäß Deiner Einstellung. Selbstschützend, mit der Tiefe meiner Eltern, Ich gebe mich nie zur Ausstellung. Wenn das hier nicht passt, dann passt es nicht. Mein Herz ist ebenso afrikanisch wie mein Gesicht. Und mein Kern ist von Urbeginn an voll vermenschlicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH HÜTE EINEN TRAUM
Täglich die Welt zu umfassen Täglich die Welt wieder zurück zu lassen Täglich zu sein ein Teil der Massen Ohne zu gehören irgendeiner ihrer Klassen Was bin ich? Ich hüte einen Traum Und suche das Land mit dem passenden Raum Um dort zu pflanzen den Friedensbaum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEIN MEISTERSTÜCK
Während Du neben mir liefst Merkte ich, daß Du schliefst Denn Deine Augen waren nur nach Vorne gerichtet Die Samen am Straßenrand hast Du nicht gesichtet Wir liefen und redeten über das gelobte Land Ich hielt derweil eine Gießkanne in meiner Hand Und als Du abends neben mir Pause machtest Merkte ich, wie Du plötzlich aufwachtest Denn Du sahst auf meiner Straßenseite Blühende Blumen bis in ferne Weite. Jetzt verstehst Du warum ich ständig Am schaffen bin, stündlich, täglich - Dein Meisterstück ist eine Blume am Straßenrand An der Du vorbeiläufst unterwegs ins gelobte Land. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
