GROSSE BÄUME

Kleine Tiere
pinkeln an große Bäume
Aber große Bäume
pinkeln nicht zurück.

Sie bleiben groß und stark,
anderen Reisenden Geschenke anbietend,
flüsternd: Pflück, pflück…

Große Bäume machen sich nicht klein
Sie wachsen täglich ein Stück -

Keiner kann mir wegnehmen mein Glück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEIN WERT

Als ich aufhörte, kostenlos zu sein,
verloren die einen den Appetit nach mir -
In den anderen erwachte der Heißhunger.

Als ich anfing, Weh zu tun,
flohen die einen; die anderen gaben sich hin:
Mir, uns, und unserem gleichartigen Beißhunger.

Als ich aufhörte, ohne Grenzen zu sein,
blieben die einen draußen, die anderen drinnen
schätzten befriedigt meinen Schweiß und Hunger.

Es hat lange gedauert aber ich kenne meinen Wert;
Ich weiß, wie viel ich weiß, kann, wage, schaffe
mit unbändigem Fleiß und unersättlichem Hunger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLE ZEIT DER WELT

Ich habe keine Zeit, die Welt zu sehen
Aber ich habe Zeit, Deine Welt zu sehen
Und Deine Welt ist groß genug
Um meine Tage und Nächte
Und Herz
zu füllen
So lange ich noch Zeit habe
So lange ich noch ich bin, der Dich liebe
So lange ich noch lebe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DUNKELICHT

Dein Lächeln ist Dein schönstes Teil
Schöner als Deine schmutzigsten Worte.
Dein Lächeln ist Dein schmutzigstes Teil
Schmutziger als Deine schönsten Worte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NICHT MEHR LANGE

Wie schnell Ihr wachst
Eure Augen sprechen Volumen
Eure Worte navigieren kluge Gedanken
Auf den Weg zu mir
Ich sehe es in Euren denkenden Augen -
Wie lange noch, bis ich Euch nicht mehr
Meine Kinder nenne
Sondern meine Erwachsenen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HUNGERSPIELE

Nahrungsmittelknappheit
Weil die Pflugscharen zu Schwertern
Zurück gewandelt worden sind
Friedhöfe wachsen wieder aus Feldern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NICHT NETT

Nett sein
ist nicht nett sein
wenn es als nett sein
nicht verstanden wird
sondern als Schwäche.

Wenn sie Dir sagen
Du bist nett
meinen sie:
Du bist schwach
Dafür bist Du selbst schuld.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS WÄRE WENN?

Du wirst Menschen treffen,
Viele davon,
Zahlreich wie prägende Gedanken –
Sie bleiben an Dir hängen,
In Dir eingemeißelt wie auf Stein.

Aber Du bist beweglich.

Und Du wirst am Ende, manchmal,
Die anderen stärker und häufiger
In Erinnerung haben – die Fastgetroffenen –
Die Ihr Euch lange angeschaut habt
Aber kein Wort miteinander gewechselt habt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÖFFNE DICH

Wer nimmt Dich ernst?
Wer sieht Dich ganz?
Wer hat Dich gern?
Wer hält Deine Hand?

Wo bist Du nicht fremd?
Wo bist Du nicht Zuhause?
Überall Feind… und Freund
In jedem Bekanntenkreise.

Öffne Dein Herz
Schieb Deine Ängste beiseite
Bereite mir dadrin einen Platz
Ich komme voller Freude.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HALLO ZURÜCK

Wie viele Hallos sagte ich heute?
Schön, wenn eins davon in Erinnerung bleibt.
Schöner, wenn es dem Hörer etwas bedeutete.
Am Schönsten, wenn jemand ein Gedicht darüber schreibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung