You have to get there to remember.
On the way there you will forget
Where you are going to
And why.
– Che Chidi Chukwumerije

You have to get there to remember.
On the way there you will forget
Where you are going to
And why.
– Che Chidi Chukwumerije

Einem kleinen Moment
ein großes Stück Ewigkeit zu entnehmen;
Eine innere Angst
zur kraftspendenden Erkenntnis zu zähmen;
Die eigene Grobheit zu erkennen
und Dich dafür befreiend zu schämen –
Befreiend: es wird Dich nicht einschläfern,
nicht trotzig machen, nicht lähmen.
Ein kleines Zeitfenster jedes Jahr,
viele sind weich, oder weicher, gestimmt –
Mancher folgt dem Ruf bis in seine Tiefe,
während der andere auf der Oberfläche schwimmt –
Weihnachten ist Mehr. Wohl dem,
der den Berg dieser Erkenntnis erklimmt:
Erkenntnis der wahren ewigen selbstlosen Liebe,
die tiefer als Blut und höher als Instinkt sich benimmt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ruhige Weihnachten wünsche ich Euch
weil ich Euch gönnen würde
was ich mir wünsche –
jene stärkende heilende hoffnunggebende
angstnehmende erneuernde ehrliche
reife Ruhe
die nichts sagt, was nicht gesagt werden soll
und, wenn was ausgesprochen werden muss
es menschlich feinfühlig
und dennoch ehrlich sagt.
Eine Ruhe, die Wunder wirkt,
aus der das neue Jahr ausbricht
wie ein warmes Lachen in der Nacht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Bilder, die uns hätten mahnen sollen,
ernteten uns, und siegessicher, Erlahmung
Die Bilder, die uns hätten warnen sollen,
signalisierten stattdessen Entwarnung
Die Bilder,
die uns an vergangenes Übel erinnern sollten,
angeblich wilder,
lenkten uns vom heute begangenen Übel ab,
anscheinend milder.
Doch Fremdenhass kommt heute
niemals angekleidet wie gestorbene Leute –
Er zieht T-Shirts von heute an
sieht cool aus, normal, aufgetan
und tanzt im Club dann und wann.
Hass braucht keinen Grund, zu hassen.
Dein Dasein ist ihm Boden genug.
Generation für Generation wächst seine Ungeduld.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich möchte runtersteigen –
Zu lang lebe ich nun in den Wolken.
Möchte mich jenen Gedanken zeigen,
die meine Empfindungen stalken,
deren Kinder sie sind, ureigen.
Ich frage mich, sind das die Art Selbstgespräche,
die die alte Obdachlose auf der hinteren Landstrasse,
mit steifen Beinen humpelnd auf unfreier Fläche,
täglich hält in dieser und jener Seitengasse,
Worte murmelnd wie einsame Waldbäche?
Menschen, die auf Grüße nicht reagieren,
oder die starren und starren und sagen nichts –
Was steckt in solchen Erdpassagieren?
Verschlossen wie der Ursprung eines Gedichts –
Entschlossen, auf ihr inneres Ziel hin zu navigieren.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ob eine Gitarre Gefühle hat?
Sie liegt da, geräuschlos in Lederhülle,
kein Säuseln, kein Wispern, kein Laut
bis ich sie ausziehe und berühre –
Sie mag die unruhigen Finger am besten,
sie wird richtig laut.
Manchmal lasse ich sie wochenlang unberührt
und frage mich: Was denkt sie dabei?
Vielleicht denkt sie nichts
Denn es ist egal, wer sie berührt;
Wer sie richtig berührt, der entlockt ihr
ihre schönsten Lauten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Diese Gespräche abends
mit Erinnerungen in meinem Herzen
mit Hoffnungen, mit Sehnsüchten,
mit Reue und Nachdenken und Schmerzen.
Gespräche mit toten Freunden
mit Vorstellungen und Möglichkeiten
mit ner leeren Leere in Deiner Mitte
mit alternativen Selbstdarstellungen
mit Menschen, die weit weg sind
mit Träumen, die nie weg waren
mit dichten Gedanken und losen Empfindungen
Diese abendlichen Selbstgespräche
Für sie lohnt es sich, zu leiden
zu lieben, zu leben, zu verlieren –
Denn in diesen Momenten hörst Du,
hervorgelockt, Deine innere Stimme.
– Che Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Als ich tot war
und nichts spürte, außer Schmerz,
dachte ich, ich wusste, was Schmerz ist
Als ich, noch tot, anfing
mich nach dem Leben neu zu sehnen
lernte ich, daß der Schmerz des Todes nichts
im Vergleich zum Schmerz der Sehnsucht ist
Dann erwachte ich wieder zum Leben
und verstand, daß weder der Tod
noch die Sehnsucht mehr schmerzt,
als das Leben selbst. Es schmerzt so sehr,
es bringt Deine Freude zum Aus-Druck.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wenn Du den Schmerz nicht mehr spürst,
bist Du stark oder bist Du taub geworden?
Wenn Du die Nacht nicht mehr hörst,
bist Du hell oder bist Du taub geworden?
Oder wie soll ich das sonst sagen?
Ich lief durch den Tag, durch die Stadt
und sie fühlte sich nicht mehr fremd an.
Bin ich wach geworden oder bin ich tot?
Wie kann etwas einst neu und fremd
sich anfühlen jetzt wie eine Heimatstadt?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Silbrig wie ein Spiegel
lag und lauschte der Fluß da
regungslos wie ein unerfüllter Traum
verschwand er in die Ferne
und war immer noch da
Eine Nebelwolke schwamm über das Wasser
wie eine Armee von Laufboten
nur verstand ich ihr Geflüster nicht
bis sie seufzend sich löste und ich sah
auf dem anderen Ufer mein zweites Ich.
Ich sprach zu mir
doch ich hörte mich nicht
von der anderen Seite des Flusses –
Wir starrten uns wortlos an, ich und ich,
getrennt durch unerfüllte Träume.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung