Die Ewigkeit ist viel zu lang
Ich schaffe nicht mal einen einzigen Tag
Ich höre abends mein Schwanengesang.
Gibt es einen Aufgang ohne Untergang,
ist alles, was ich wissen mag.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Ewigkeit ist viel zu lang
Ich schaffe nicht mal einen einzigen Tag
Ich höre abends mein Schwanengesang.
Gibt es einen Aufgang ohne Untergang,
ist alles, was ich wissen mag.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Du wirst Deine Freunde finden
auf weniger begangenen Wegen –
Den Sonnenschirm fandest Du im Regen
Alles, was zählt, zählt nicht
Alles, was Du warst, warst Du nicht
Erst fandest Du das neue Dich
dann kam Dir sein Freund entgegen
und zeigte Dir das neue Dich
in nie gekannten Wegen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREIBHAUSGEFÜHLE
Treibhausplanet
Treibhausgefühle
Alle Geheimnisse werden heiss gekocht
Siedepunkt
Nervös, die Erde schwitzt
Es riecht nach Menschenschmutz
Alle Beteuerungen werden gelikt und gemocht
Während das Schmelzen schneller schmilzt
Gefangen, der Mensch, in dem Gewühle
Heiß und kalt
Treibhausplanet –
Auch wir sind seine Blüten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Nach dem Du mich
immer und immer wieder steinigtest
ohne daß ich starb
fingst Du an, mich zu lieben, vereinigtest
Du Dich mit meiner Schwäche fürs Leben –
Denn immer, wenn Du mich peinigtest,
war ich gar nicht so stark,
wie Du mir fälschlich andichtetest,
sondern Du warst es, die durch Aufmerksamkeit
mir die Sehnsucht nach dem Tod bereinigtest.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Art erkennt sich nicht mehr
weil sie sich nicht mehr kennt
Äußerlichkeiten halten her
Aussengrenzen schliessen: nicht schwer.
Da, wo es am wenigsten brennt.
Aussengrenzen öffnen: nicht schwer.
Da, wo es am wenigsten brennt.
Innengrenzen: Da stammt die wahre Abwehr
gegen Artgenossen weltweit her
weil Mensch Menschlichkeit nicht mehr kennt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Herbst hat sein Werk getan
Plötzlich sehe ich Dinge,
die immer da waren, nur
habe ich sie vorher nie gesehen
Das Unveränderliche liegt verborgen
unter regelmäßig wechselnden Hüllen,
Farben die kommen und gehen,
schönen Lächeln, blumigen Worten,
veränderungsfreudigen Launen,
Masken die fallen und wachsen wie Blätter,
doch der Herbst entsorgt sie alle,
entkleidet grob und roh die nackte Wahrheit.
Und wenn sich die Zeiten ändern
und die Wortwahl sich ihnen anpasst
die Erscheinungs- und Wirkungsformen auch,
bleiben die Menschen das, was sie sind.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich frage mich,
wie die Natur das immer macht,
wie die Zeit das jedes Jahr schafft,
ohne Unterlass:
schneller als ich mich verändern kann,
früher als wahrgenommen und erwartet,
der Dezember ist wieder da.
Das waren keine Monate,
die ihm vorausgegangen sind…
waren keine Jahreszeiten.
Das war mein Leben,
das gelebte und das nicht gelebte,
das tief und das oberflächlich erlebte,
und es kommt nie wieder zurück.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Immer, wenn ich in die Welt hinaus gehe
gehe ich hinein in meine Gefühle für Euch
meine Engsten, die ich jedes Mal zurücklasse –
Wie kann man ein Teil von sich zurücklassen
das er immer bei sich in sich hat?
Immer, wenn ich nach Hause zurück kehre
kehre ich zu meiner Sehnsucht nach Euch zurück
die ich jedes Mal da draußen zurück lasse:
unerforschte Wege, rufende Landungsstege,
noch nicht getroffene Freunde im fernen Land.
Wie kann man ein Teil von sich zurücklassen,
das man stets in sich hört und spürt?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Am Tor ins Weihnachtsland
blieb ich stehen und wurde blind,
denn hinter der Schwelle sah ich nichts von all den Dingen, die dahinter sind.
Und ich schüttelte leicht den Kopf,
erstaunt, daß ich davon nichts mehr empfind;
denn vor langer Zeit wohnte auch ich
in jenem Land als Kind.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Nie war der Hass so widerlich
so leicht zu erkennen
als wenn er mit Lachen und Lächeln
sich plump zu verschleiern suchte
Nie war die Liebe so tief
so schwer zu erkennen
als wenn sie mit Wahrheit und Strenge
das zarte Gute beschützte
Denn nur das innere Auge erkennt
hinter dem Seelenfenster
das Herz, in dem der wahre Advent
wie eine kleine warme Kerze
ruhig und lautlos brennt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung