ABWECHSELND

Ich spürte Deinen Atem gestern
auf meine Haut,
Leise und laut, abwechselnd
lachend und lächelnd.

Du hast mal geflüstert
mal geschwiegen,
bist neugierig und aufmerksam
und ruhig geblieben. Und wild.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

24 STUNDEN

Möchte drei sein
drei Menschen
die sich nicht kennen

Sie gehen jeder
den Träumen nach
für die sie einzeln brennen

Ein Erdenleben reicht
nicht aus, für den Suchlauf
den wir unermüdlich rennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HAND IN HAND

Ich nehme mein Stift
in die Hand
und warte geduldig darauf
selbst genommen zu werden
in Deine Hand.

Ich habe Dich noch nie gesehen
noch gehört
aber ich liebe wie Du mich
innerlich besuchst und sanft
Dein Herz legst auf meine Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEUFZER

Und ich hauchte Dir mein Totem ein
Und es war ein Pfahl
Und ich weichte ihn in Deinen Boden ein
Und Du lindertest meine Qual.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERSCHLOSSEN

Die einen
wollen beweisen, daß
sie tatsächlich die Stärksten sind
auf Erden

Die anderen
wollen beweisen, daß
sie diesmal sich, und erfolgreich,
wehren werden

So sitzen wir entschlossen da
auf der tickenden Zeitbombe –
und diesmal ist jeder wirklich bereit
für sein Leben zu sterben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMONSTRATION DER LIEBE

Die demonstrierenden Massen
werden aufgeschluckt von den dürstenden Straßen
bevor sie sie wieder verlassen,
Straßendurst ungelöscht,
Menschenflamme unerlöscht.

Mein Feuer brennt Dich nicht nieder
Dein Fließen stillt nicht meinen Durst
Wir werden ineinander fließen
und wir werden miteinander ringen
In alle Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE UNSICHTBARE TRENNUNG

Nachdem der Tod sie getrennt hatte
blieben sie lange noch innerlich
in der Nähe von einander
denn der Leben ist stärker als der Tod –
und zwar das Innenleben des Geistes.

Jedoch spürten sie langsam, daß es
allmählich Zeit wurde, sich wirklich von
einander zu trennen. Und zwölf Jahre
nach dem Unfalltod seines Bruders, erlitt
er zum zweiten Mal den Trennungsschmerz.

Er weinte bitterlich und wusste nicht warum
denn der Verstand versteht wenig von dem
was in der Seele vorgeht. Als er seinen
Bruder fort dachte, war er die ganze Zeit da.
Doch als der tatsächlich sich löste, spürte er

die trennende Bewegung – und den Abschied.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Dieses Gedicht ist die Fortsetzung des Gedichts „GEFÜHLE

und wird selbst nochmal fortgesetzt…

ABWÄGEN

Diese Worte
die wir als Boten herausschicken
als Kundschafter
während wir wie Generale
aus der Ferne beobachten um zu sehen
ob der Gegenüber überhaupt die Sprache
unserer persönlichen Politik spricht.

Denn die Politik ist die Art
wahre Absichten hinter Codeworten
zu entschlüsseln.

Diese Worte die wie Boten
wie Kundschafter einer fremden Macht
bei uns eintreffen –
und wir lächeln einander zu
vertieft in small Talk oder big Talk
während wir aus der Ferne wie Generale
versuchen eine Entscheidung zu treffen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLE GLEICH

Mensch.
Groß oder klein
Vornehm oder gering
Männlich oder weiblich
Hell- oder dunkelhäutig
Machthaber oder Untertan

Und dann fällt der Vorhang
Die Zeit ist um
Alles Äußerliche fällt weg
Geblieben ist nur die Erkenntnis:
Das war doch nur ein
Mensch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

müde

abend
labt müde wie ein hund
sich an meiner müdigkeit
und saugt und saugt bis er meine
müdigkeit leer getrunken hat…

geblieben ist nur die erinnerung
an den kalten tag,
nicht das gefühl –
bis morgen vergesse ich dankbar
wie die Kälte sich anfühlt.

che chidi chukwumerije
im jahrzeht der deutschen dichtung