SCHÄLEN

Im siebten Jahr ihrer Beziehung
War es plötzlich Herbst
Die Gedanken änderten ihre Farben
Die Empfindungen wurden tief, herb, ernst
Die Gefühle, sie fielen langsam zu Boden
Wie die müden Blätter zerlesener Oden.

Abgegriffen der einstige Glücksgriff
Ein Ozean ist zu groß für ein Schiff
Nein, ein Ozean ist nicht groß genug
Für die pochende Sehnsucht…
November nahte sich, sie wurden nackt
Suchten zum ersten Mal zueinander Kontakt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEISTER ÜBERALL

Jetzt verstehe ich Geister
Die sind nur Menschen
Gefangen in ihren Emotionen

Sie verstehen genau so wenig wie ich
Vielleicht sogar weniger manchmal
Was los ist

Auch sie haben irgendetwas zu sehr gewollt
Irgendetwas, das weniger war
Als ihr wahres Selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE UHR UND DIE ZEIT

Die Uhr läuft runter
Doch die Zeit bleibt still
Wir werden älter und älter
Doch unverändert, unser Wille.

Che Chidi Chukwumerijee
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

CORONA

Wettrennen um Impfstoff und Heilmittel
Bis dann darf die Welt bitte nicht gesunden
Steigend der Geldfieber
Dem Durchbruch entgegen fiebernd
Fieberhaft
Der Gewinner bekommt alles
Der Verlierer darf seinen Mundschutz abnehmen
Wettrennen um Impfstoff und Heilmittel
Bis dann darf keine Normalität einkehren
Auch wenn wir keine Luft mehr kriegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERBORGENE LIEDER

Meine Gitarre
Da sitzt Du in Deinem Schweigen
Gehüllt, als trügest Du nicht die tausend Lieder
In Deinem Herzen.

Meine vertrautesten Freunde schweigen mit mir
Denn sie tragen in ihren Herzen
Alle unsere geteilten Erinnerungen
Von Hoffnung, Leid, Freude, Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN EINER STIRBT

Ich denke an Dich
Und weiß nicht, wo Du bist
Wie kann das sein?
Einst der wichtigste Mensch in meinem Leben
Einst der engste Verbündete in meinem Streben
Wir haben uns gegenseitig
Alles gegeben und alles vergeben
Doch lag es irgendwo in unserem Weben
Daß wir so früh getrennt sein sollten
Ich bin hier geblieben
Du bist abgeschieden und bist jetzt irgendwo
In der großen weiten Schöpfung
Und ich weiß nicht wo
Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNENTBEHRLICHE IN MIR

Gerissen, zwischen mir und mir
Gewissen, Du bist die Stimme von welchem Ich?
Also wende ich mich ab von Dir
Und ich verliere prompt den einen Mich
Seine Stimme warst Du wohl
Denn das andere Ich fühlt sich jetzt hohl
Schreit laut nach meinem wahren Ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNRUHIGER FRIEDEN

Alle warten auf irgendeinen Startschuss
Keiner weiß wann oder genau wozu
Angespannt wartend brennen wir ohne Ruh
Schwankend zwischen Genuss und Verdruss.

Irgend ein Krieg kommt immer näher
Alle spüren es, jeder auf seine Weise
Eine innere Stimme mal laut mal leise
Die Sehnsucht nach Frieden, hehr. Sehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS WOLKENREICH

Che‘s Cloud Kingdom
Da wo sie sich alleine dünkten
Formten für sich die Wolken ein Reich
Mit schneebedeckten Bergen
Und schattigen Tälern
Und Silberseen
Und sonnenspiegelnden Wüsten
Und Dörfern und Städten und Häusern
In denen die Wolkenmenschen
Ihren Wolkentätigkeiten nachgingen…
Und über ihnen strahlte wonnespendend
Eine verklärte Sonne
Und wir flogen so leise vorbei, wie wir konnten
Und ich hoffte, daß wir die Sonnenmenschen
Nicht störten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WARUM

Warum ich an Deutschland glaube?
Weil das Deutsche etwas in mir weckte
Was sich ewig anfühlt.

Warum ich an Deutschland zweifle?
Weil das Deutsche etwas in mir tötete
Was ich für ewig hielt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung