WASSERFLASCHE

Ich vergesse Dich nicht
Die Jahre machen Dich jünger, nicht älter
Deine ewige Jugend hält mich jung
während die Welt rauer wird und kälter

Ich trage Dich mit mir herum
wie eine Wasserflasche in der Wüste
Und wenn das letzte Tröpfchen getrunken ist
erreiche ich auch die Küste.

Lang ist die Reise und kurz
Selbst ohne Sturz oder Absturz
Rudere, rudere, rudere mein Boot
Die Hoffnung ist mein Brot.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MICH

Mich -
Das, was es am wenigsten gibt.
Mich -
Das, was es am meisten gibt.
Mich.

Jeder sieht Mich. Jeder übersieht Mich.
Keiner kennt Mich. Keiner verkennt Mich.
Alles, was ich über Mich denke, ist falsch.
Alles, was alle über Mich denken, ist falsch.
Nur die Schöpfung kennt mich.

Und die Schöpfung
will Mich,
kann Mich,
wird Mich
zurechtbiegen oder zerbrechen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER LANGSAME WEG

Der langsame Weg
Der prägt am tiefsten
Seine Berührungen sind schräg
Seine Blicke am Schiefsten

Er zieht Dich runter
Zum untersten Punkt tief in Dir
Und schlägt Dich munter
Und scheuert Dich bunter
Und führt Dich nach Hause zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNSERE SELBSTBILDER

Das Selbstbild -
Nicht den Menschen brauchst Du verstehen
sondern sein Selbstbild…
Es ist seine Waffe, Triebfeder und Schild.

Verstehst Du mein Selbstbild
verstehe ich Dein Selbstbild
sind wir beide im Bild
Werden uns nie von einander überrascht sehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAHRE NÄHE

Manche werden kommen und gehen
Werden sich umsehen
Ohne Dich zu sehen

Manche von Weitem werden sich sehen
Nach Dir, Dich wahrnehmen,
Deine Lächeln, Deine Tränen.

Überbewertet wird die körperliche Nähe
Innere Verbundenheit ist die wahre Nähe

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTSINNEN

Ein Raum so groß wie keine Fantasie
Grün wie die Erinnerung an Urwälder
Dadrin wohnst, allein, Du selber
Winzig wie ein Planet in einer Galaxie

Wo bist Du? Ist das Deine Hoffnung?
Ist das Deine Sehnsucht? Deine Angst?
Ist das Deine Kindheit? Deine Ignoranz?
Ist das das Wesen Deiner Entwaffnung?

Und da liegst Du jede Nacht sinnend
Spürend, fühlend, empfindend, nachdenkend
Dich vor der großen Leere in Dir erschreckend -
Jede Nacht mit dem Erwecken neu beginnend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABENDE MIT FREUNDEN

Abende. Momente, mit denen
man sich unterhält, als wären
sie Menschen.

Freunde, Menschen mit denen
man innig schweigt, als wären
sie Momente.

Und wenn sich beide auf einander treffen,
innige Abende und freundliche Menschen,
sind das die schönsten Momente.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZUM GLÜCKE

Langsam geht das Alte zur Neige.
Was wird das Neue bringen?
Findest Du nie heraus, bist Du feige.
Das Leben will Dich zum Glücke zwingen,
Dein Glück musst Du selbst erringen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLEINE GEHEN

Es wird immer den einen Freund geben,
einst engster Teil Deines Lebens -
eines Tages wird er von Dir weg streben.
Du wirst ihn zurückrufen vergebens.
Denn manchen Weg muss man alleine gehen;
Lass ihn gehen, Du musst zu Dir stehen -
Auf Wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung