ICH VERSTEHE DIE DINGE ANDERS

Mein Herz sagt mir Dinge
die ich nicht verstehe
dennoch folge ich…

Ich folge furchtlos und ginge
es in Orte wo ich nichts sähe
trotzdem folge ich…

Es wird alles gut sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER WERDEGANG DES MENSCHEN ZUM MONSTER

Der Werdegang des Menschen zum Monster
ist eine Strasse des Schmerzes der Hoffnung -
Eine kindlich helle Seele wird langsam finster,
zerrissen durch fassungslose Enttäuschung,
wird im Grübeln immer leiser, immer ernster,
erliegt dann irgendwann der Rache Versuchung
freiwillig, das kann jeder, selbst ein Reinster,
wenn Vertrauen stirbt und kalte Verdunkelung
übernimmt tief die Augen, der Seele Fenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER FRÜHE MORGEN

Der frühe Morgen ist die schönste Nacht,
tief und wissend und sacht -
Die Sehnsucht nach Höherem erwacht,
tief und suchend und sachte lacht,

denn die Freude am Suchen wird belohnt
mit einer Steigerung an Empfindung ungewohnt
vom Urlicht, das über dem Dunkel thront.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SO VIELE EINSAME MENSCHEN

So viele Menschen sind einsam.
Unserer Augen Blicke treffen sich,
sie haben etwas gemeinsam -
sie sind durstig und erhoffen sich
mit jedem Lächeln, jeder Begegnung
eine Linderung ihrer Einsamkeit,
fürchten aber auch eine Entgegnung,
die sie bestätigt, diese Einsamkeit.

So viele einsame Menschen überall
aber keiner von ihnen passt zu Dir -
Ist Liebe Schicksal, Puzzeln oder Zufall?
Oder freier Entschluss in Dir und mir?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WERDE FRÜH WACH

Wenn Dein Feind Dich erkennt
bevor Du Dich selbst kennst
ist Deine Reise zu Ende
noch vor der Wende.

Wenn Dein Herz für Wertvolleres brennt
während Du Leerem hinterher rennst
hättest Du den Weg gemieden
zur Freude und zum Frieden.

Befasse Dich früh mit dem Wesentlichen
Besinne Dich stets des Wesentlichen
Deine Zeit ist kurz und köstlich
Versagen ist untröstlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEHKRAFT

Die Sonnenstrahlen werden Deiner
Nacht ihre Dunkelheit entkleiden -
Sehen werden wir Dich in reiner
nackten Unreinheit, und Dein Leiden
wird das Licht hart fest durchdringen -
das kannst Du niemals vermeiden -
mit Seh- und Wehkraft Klarheit bringen
und eine Blume zitternd in uns beiden.

Denn Du bist nicht allein im Schatten
im Gieren im Lügen im Dünkel im Neiden -
Hier werden alle Weltenwanderer ermatten,
selbst die Gottgläubigen auch die Heiden.
Nur die Kindlichen kommen weiter,
sich leicht scheidend aus dunklen Weiden,
hinauf, uns führend, auf der Güte Leiter,
wehmütig vor Heimweh, und bescheiden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BLEIB EIN KIND

Bleib ein Kind
Mach in Deinem Garten Raum
für jede Blume, die auftaucht
Gib ihr eine Ecke für ihren Traum

Wenn sie aus ihrem Traum erwacht,
stark, klar, reif und erwachsen,
kannst Du sie woanders umpflanzen
zum gedeihen und weiter wachsen

Bleib ein Kind
Keine Trauer, kein Gedicht, keine Sehnsucht
ist zu unwichtig für Deine Liebesmühe
Erfülle alles mit Feenstaub und Sehnflucht

Es war einmal ein Kind
das lebte und spielte und liebte
und weinte, und liebte weiter und lachte
Und die Welt besiegte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ICH LIEBE ALLES

Ich liebe das Getrennt-sein
wenn ich nicht immer getrennt sein muss
von Dir

Ich liebe das Zusammen-sein
wenn ich nicht immer zusammen sein muss
mit Dir

Ich liebe das Alleinsein
wenn ich nicht immer allein sein muss

Ich liebe das beisammen Daheim sein
wenn ich es nicht immer sein muss

Ich liebe alles - nur in Maßen.

Aber das Verliebtsein
Das liebe ich immer
Das will ich immer sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SO VIEL LIEBE

Ich dachte, mein Herz wäre schon groß
Doch siehe, wie viel größer es wird heute Nacht -
Was ist los? Was ist bloß los?
Daß so viel Liebe möglich ist, hätte ich nicht gedacht.

Und es wächst und weiter wächst
und schafft in mir Platz für mehr als ich für möglich hielt -
Die unerklärliche Liebe hat mich verhext,
die auf mein Herz zielt, und die mit meinem Herz spielt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUS MANGEL AN TATMUT

Während sie lächelten
Während ihre Gefühle köchelten
Während sie Möglichkeiten einfädelten

Während sie tändelten
Während sie an Tatmut mangelten
Während sie nicht handelten

Kamen andere Menschen in ihr Leben -
Doch schau, wie sie aneinander noch kleben
unfähig, sich gegenseitig je zu vergeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung