AUS MANGEL AN TATMUT

Während sie lächelten
Während ihre Gefühle köchelten
Während sie Möglichkeiten einfädelten

Während sie tändelten
Während sie an Tatmut mangelten
Während sie nicht handelten

Kamen andere Menschen in ihr Leben -
Doch schau, wie sie aneinander noch kleben
unfähig, sich gegenseitig je zu vergeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE IST EIN SÜSSER SCHMERZ

Lieben ist Wehtun
mit Vergnügung
Führt zu Unruhen
in der Empfindung

Schweigen ist besser als lügen
Mit-teilen ist besser als betrügen
Fügen ist besser als sich fügen

Liebe ist ein süßer Schmerz
und er führt Dein Herz
ab- und aufwärts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ART DER DEMUT

Die Demut ist das allerschwerste Gewicht
und doch so einfach, leicht, fein und schlicht -
Wie kann das sein?

Die Größe, die eigene Kleinheit zu akzeptieren;
Der Mut, sich für das Richtige sogar zu blamieren;
Sein über Schein.

Sie geht ihren Weg, zusammen oder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN JAHR MIT FESTEM ZIEL

Ein Jahr mit festem Ziel
wünsche ich allen:
Erwachsene Arbeit, kindliches Spiel -
Ins Alte kein Zurückfallen,
und Wahrhaftigkeit viel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES BLEIBT GLEICH

Ich konnte nicht länger warten,
Ich musste gehen.
Bald kannst Du was Neues starten,
Dein Schicksal drehen.

Ich bin das alte Jahr, Aufwiedersehen
sagt man mir vergeblich;
Ich komme nicht wieder, verstehen
wirst Du mich nachträglich.

Der letzte Tag des Jahres, nachdenklich
nimmt er seinen Abschied -
Die Menschen, unglücklich und glücklich,
stimmen ein ins Abschiedslied.

Was vorbei ist, ist vorbei, vorübergehend,
Liebesgeschichten, Freundschaften,
Pläne. Sie werden wiederauferstehend
weitermachen, des neuen Jahres Leidenschaften.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FERNE BERGE

Dinge, die einst so weit entfernt zu sein schienen,
fühlen sich heute plötzlich so nah -
Die Fähigkeit, ungeliebten Menschen zu dienen,
und denen, die ich früher übersah.

Die Kraft, den Schmerz der Enttäuschung zu ertragen,
Menschen zu vermissen wortlos,
Ungerechtigkeit hinzunehmen ohne laut zu klagen,
wenn es nichts verändern würde groß.

Die Klarheit, um als groß verehrte Menschen zu durchschauen,
und zu sehen, wie normal sie sind;
Der Drang, langsam entwickelte Vorurteile abzubauen
und zu schauen in Reinheit wie ein Kind.

Diese einschüchternden Berge, die von oben mich anstarren,
einst waren sie mir so fern:
Jetzt heute in der Morgensonne fühle ich sie um mich scharren
wie Freunde, ich umarm sie gern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BESSER WISSEN WOLLEN

Jedes Wort, das ich Dir als Ratschlag sag,
hätte ich eigentlich mir selbst sagen sollen -
Es trifft mich jedes wie ein harter Schlag!
Ich erlebe rückwirkend nur mein eigenes Wollen.

Ich behalte ab jetzt meine Meinung für mich;
ich brauche sie eh mehr für mich selbst.
Ich habe nur lernende Beobachtung übrig für Dich,
denn in Dir stoße ich an mein begrenztes Selbst.

So grenzt sich ein Jahr vom andern ab,
so die Jahreszeiten respektvoll von einander,
so das Erden- und Jenseitsleben durch das Grab,
und so wahrhaftige Menschen untereinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN DICHTER IST IMMER ALLEIN

Ein Dichter ist immer allein
denn seine Treue und seine Liebe
gelten nur seinem Dichtersein,
keinem Menschen, keinem Triebe.

Das spüren die Menschen fein
ohne es einordnen zu können:
Meiner wird er nie wirklich sein -
Seine Freiheit muss ich ihm gönnen.

Doch des Freiseins Preis ist Alleinsein;
Verbindungen kommen und gehen -
Die wahre Bindung, hell, echt und rein,
können die Wenigsten verstehen.

Sie bleibt im Inneren bestehen,
genährt durch die Einsamkeit -
Die Fähigkeit, ins Herz zu sehen
und fangen unsre tiefe Gemeinsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LETZTEN TAGE DES JAHRES

Fünf Tage sind viel
Denk nicht, daß es schon vorbei ist
Zeit ist nur ein Bei-spiel
Abgelaufen ist noch nicht die Frist

Dein Jahr könnte noch urplötzlich
eine neue Wendung erhalten.
Letzte Momente tun bekanntlich
Überraschungen enthalten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBSTLOSIGKEIT

Wir lachen an Weihnachten, doch ist es ernst;
Es geht um die selbstlose, die wahre, Liebe.
Wenn Du alle Selbstsucht von Dir entfernst
und weiter schaust als Familie, Geld oder Triebe.

Wenn Du Gott gedenkst und Gott suchst, 
und versuchst zu begreifen, was Gott ist.
Wenn Du die Eitelkeit genau untersuchst,
und erkennst an, daß sie im Kern Schrott ist.

Es war kein Kind, das gekommen ist,
es war die Liebe selbst in ihrer Göttlichkeit.
Und wenn sie ehrlich aufgenommen ist, 
bemächtigt sie uns zur Selbstlosigkeit. 

Und kein Mensch hat je daran verloren,
daß er in sich Dunkel und Dünkel bekriegt hat. 
Er hat gewonnen, wurde neu geboren, 
weil seine ehrliche Mühe in Liebe gesiegt hat. 

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung