Wie Blätter vom Baum fallen Menschen von mir ab Einige hängen noch am Saum zarter Gefühle, die ich noch hab aber sie werden zu Schaum. Mein Herz ist ein ferner Strand durchzogen von Dauerwellen. Kaum rollt die eine weg von seinem Sand, schafft es schon der Nächsten Raum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
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KLEINE FLAMMEN
Manch einer, der für die Politik keinen Sinn zu haben scheint, wird zur Veränderung der Politik mehr beitragen als es jetzt scheint, weil er Empfindungen umrührt und Gedanken zum Weiterdenken anführt, das Systeme überdenkt und Menschen vereint. Bleib deshalb, wer Du bist. Deine Art ist wichtiger, als Du ahnst. Menschen erreichen, Menschen veredeln, im Kleinen den Sinn für Frieden einfädeln, Werte reinhalten, die andere besudeln. Das, dem Du den Weg frei bahnst, ist tiefer als heute die Welt noch ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER LAUERNDE WUNSCH
Es ist ach leicht, der Illusion zu glauben. Ein Wunsch reicht, um uns zu berauben unseres Sinnes für Richtigkeit. Da hockt er lauernd irgendwo in uns: Ein Wunsch, der dauernd sich übt in der Kunst schlauer Unbeweisbarkeit. Bis die Gelegenheit da ist, die Erfüllung zu ergreifen … - Das macht er mit einer List zu schamlos zu begreifen für menschliche Empfindungsfähigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE NATUR DES WUNDERS
Der Herbst fängt wieder langsam an, zu spüren, daß er anders ist, als alles, was er um sich sehen kann, denn das, was des Sommers ist, so schön es ist, ist nicht sein Haus, weil er, der Herbst besonders ist - er errötet dann und zieht sich aus, weil das die Natur des Wunders ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EHEMALIGER SOLDAT
Wie viele hat er damals umgebracht? Schwer zu sagen - er hat nicht gezählt. Hat er jemals danach an sie gedacht? Schwer zu sagen - er hat nie erzählt. Es war halt ein Krieg. Es zählte nur der Sieg. Wie es heute in seinem Gewissen aussieht, behält er für sich. Ein Verlangen, das stark anzieht, brennt in seinen Augen wie ein Schrei aus seinem Gemüt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÄUSSERLICHKEITEN
Wir feiern Feiern Wir beneiden Beneiden Wir verschleiern Verschleiern Wir leiden Leiden Um äußerlich gut dazustehen Um äußerlich gut auszusehen Wie weit würden wir noch gehen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN PAAR KINDLICHE WORTE
Sie arbeitet mit Kindern
hat selbst aber keine –
Stimmt nicht, im Inneren
ihrer Seele, wach, alleine,
lebt und gedeiht eine Tochter,
halb wild und halb lind,
halb Schützling, halb Schwester,
ihr eignes innere Kind.
Die Hälfte unserer Sätze
stammt von Erwachsenen
Aber die andere Hälfte
stammt von den Kindern
in unseren Herzen
wenn wir sie sprechen lassen
in Freuden und Schmerzen
die das Wesentliche umfassen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WO AUCH IMMER ES HEUTE IST
Als sie jünger war wurde sie schwanger, es war ein Wunder, daß sie, kaum ein Teenager, überlebte und je älter sie wurde, auch gesunder wurde, nachdenklicher dazu, schöner und reifer. Lachte viel und heiratete die Liebe ihres Lebens und sie hatten drei Kinder. Aber manchmal, plötzlich, wird sie stiller, ruhiger, und schickt innig Gedanken an ihr viertes Kind, das heißt, an ihr erstes Kind, das sie als Teenager zur Adoption einst freigab. Wo auch immer es heute ist, möge Gottes Segen es schützen auf allen seinen Wegen. Amen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER SOMMER GEHT ZU ENDE
Und es waren Blätter nein, es waren Freunde Was für ein Wetter Freundschaft hat ein Ende War es wirklich Freundschaft oder nur der Sommer? Freude, Spaß und Leidenschaft nur bis Ende September Blätter wie Farbreisende bald kommt Eure Zeit Der Sommer geht zu Ende mit schleichender Plötzlichkeit Blätter, pflanzliche, menschliche, lösen bald alte Verbindungen - Es kommt die Zeit für tiefere Gespräche und Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ORTE REDEN
Orte reden mit mir wie Menschen so mit Fremden reden: Unsere Eigenart haben wir hier, geflochten aus unsichtbaren Fäden unserer Bräuche, Wünsche und Geheimnisse. Ich spüre und verstehe ohne Worte jeden Ort, den ich besuche, wirklich jeden. Jeder für sich besonders sind alle Orte, dennoch spüre ich die uns verbindenden Fäden ohne Kenntnis der dahinterliegenden Ereignisse. Menschen wie Blicke treffen sich Menschen wie Blicke meiden sich Menschen wie Blicke verstehen sich Und Häuser, Straßen und, schweigend, Bäume bewohnen bleibend unserer Seelenräume. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
