MANCHER SIEHT DICH MIT SEINEM HERZEN

Mancher sieht Dich mit seinem Herzen,
nicht mit seinen Augen -
Alle Deine körperlichen Schönheiten
werden hier nicht taugen.

Mancher hört Dir mit seinem Herzen zu,
nicht mit seinen Ohren -
Ob kühl oder weinerlich Deine Worte sind,
da hast Du schon verloren.

Mancher tastet nach Dir mit seinem Herzen,
nicht mit seinen Händen -
Er empfindet Dein wahres Wesen deutlich,
hinter allen Deinen Wänden.

Schweigen hat stets eine Doppeldeutung,
Worte eine zweifache Funktion -
Wer nicht ahnend hinter die Kulissen schaut,
der lernt nie seine Lektion.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GERISSEN

Deutschland, in Deiner Brust, wahrlich,
schlagen stets zwei Herzen -
Eins äußerlich, eins innerlich,
und beide verursachen Dir Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERDEGANG DES MENSCHEN ZUM MONSTER

Der Werdegang des Menschen zum Monster
ist eine Strasse des Schmerzes der Hoffnung -
Eine kindlich helle Seele wird langsam finster,
zerrissen durch fassungslose Enttäuschung,
wird im Grübeln immer leiser, immer ernster,
erliegt dann irgendwann der Rache Versuchung
freiwillig, das kann jeder, selbst ein Reinster,
wenn Vertrauen stirbt und kalte Verdunkelung
übernimmt tief die Augen, der Seele Fenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEHKRAFT

Die Sonnenstrahlen werden Deiner
Nacht ihre Dunkelheit entkleiden -
Sehen werden wir Dich in reiner
nackten Unreinheit, und Dein Leiden
wird das Licht hart fest durchdringen -
das kannst Du niemals vermeiden -
mit Seh- und Wehkraft Klarheit bringen
und eine Blume zitternd in uns beiden.

Denn Du bist nicht allein im Schatten
im Gieren im Lügen im Dünkel im Neiden -
Hier werden alle Weltenwanderer ermatten,
selbst die Gottgläubigen auch die Heiden.
Nur die Kindlichen kommen weiter,
sich leicht scheidend aus dunklen Weiden,
hinauf, uns führend, auf der Güte Leiter,
wehmütig vor Heimweh, und bescheiden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER HASS FÄHRT IM KREIS

Sie fahren im Kreis
und kommen da an
wo ihre Irrfahrt begann
und fahren weiter im Kreis.

Der Hass hasst den Hass
und der Hass hasst den Hass zurück.
Der Teufelskreis endet im Unglück…
und fährt weiter. Bodenloser Fass.

Bodenlose Fassungslosigkeit.
Entweihte Weihnachtszeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung.

SICH VERZEIHEN

Waren wir uns je ähnlich?
Waren wir je unterschiedlich?
Gleich und gleich bekämpft sich gern
Wir sind uns nah, wir sind uns fern
Wie da ein Stein und da ein Stern
die doch dasselbe sind in ihrem Kern.
Wunden, tief, sind nicht unverzeihlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WUNDEN

Ich besuchte eine Wunde
und sie war offen
klagte aus weinendem Munde
Ich kam näher, selbst betroffen

Die Wunde war empfindlich
und aufmerksam und klug
zog mich an sich unwiderstehlich
wich mir aus mit feinem Betrug

Ich hob meinen Zeigefinger
und legte ihn an die Wunde
Sie seufzte vor nichts geringer
als der Hoffnung, ich gesunde.

Doch kein Mensch kann Dich heilen
denn wir alle bergen eigene Wunden
Nur wenn wir Ehrlichkeit teilen
hätten wir Linderung gefunden.

Ich besuchte eine Wunde
und sie war zu -
Doch sie begriff mich in unserem Abgrunde
und öffnete sich mir ab und zu.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ

Wir suchen Lösungen
wo es keine gibt -
im Sieg.
Wer Sieg braucht
braucht Krieg.

Nur der findet Lösungen
der ins Herz eintaucht -
und gütig, mutig, vergibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WILLST DU ES WIRKLICH WISSEN?

Bist Du bereit, heraus zu finden, was Du suchst?
Den Ort zu durchschauen, den Du besuchst?
Die andere Seite von dem, was Du verfluchst?
Die Leiden derer, die Du für Dich beanspruchst?
Die Mitwirkenden an den Erfolgen, die Du Dir verbuchst?

Wir gehen und gehen und gehen…
und bleiben kurz vorm Ziel plötzlich stehen, -
denn wir wollen die Wahrheit doch nicht sehen,
die wir in unseren Herzen bereits verstehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LAUNENHAFTIGKEIT

So, wie er die untergehende Sonne beobachtet,…
die sich zurückziehenden Gezeiten betrachtet,…
so, wie er die Vögel nach Süden fliegen sieht,…
alles wahrnimmt, was um ihn herum geschieht,
so schaut er manchmal machtlos zu,
wie seine Laune sich verschlechtert im Nu,
und vertreibt die Freude und verdirbt die Ruh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung