ES GIBT EINEN FRIEDEN

Es gibt einen Frieden
Der ist schwer zu beschreiben
Denn Beschreibungen richten sich an den Kopf
Doch dieser Frieden findet im Herzen statt.

Es gibt einen Unfrieden
Der ist schwer zu vertreiben
Denn der Kopf ist der Deckel, das Herz der Topf
In dem der Unfrieden seinen Sitz gefunden hat.

Nichts stört mehr den Frieden
Als ein Schwarzer, der sich weigert zu unterschreiben
Er stellt die Welt auf den Kopf
Denn er reklamiert die Normalität für sich als Heimat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE INNERE FEINDSCHAFT

Du wirst lang unter ihnen leben,
ihnen Dein Bestes, ihnen Helfendes, geben,
und dabei und daran wirst Du erleben:

Wenn Du äußerlich anders bist,
sogar bist Du auch ein Christ,
bleibst Du jedem inneren Rassist
ein wartender Terrorist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERGEBLICHES BABEL

Der Herrenmensch
ringt in sich mit Mensch
Wird ihm nicht Herr

Einen Körper teilen
zeigt sich in den Körperteilen
die das Innenleben mitteilen

Ein Blick in die Augen reicht
um seinen Kampf zu sehen
gegen die Ewigkeit!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERRENMENSCHENTUM

Wenn ich könnte, würde
ich nicht in meinen Blog hinein dichten,
sondern auf Eure Seelen, die Hürde
direkt an dem Herde vernichten,
die auf dem Geist wie eine schwere Bürde
lastet, Schichten auf Schichten auf Schichten.

Erblindend. Frage Dich tausendmal warum,
warum ist die Menschheit so blind, so dumm?
Machen die Waffen die innere Stimme stumm?
Jede Kultur sieht sich selbst als Zentrum.
Summa Summarum:
Nichts macht so blind wie das Herrenmenschentum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NATURTRIEB

Das Tier stand und mit stetem Blick
beobachtete den Menschen im Wald,
sah kommentarlos seine Ungeschick,
registrierte still, wie er dann bald
sein Vorhaben erreichte mit seiner Technik.

Ich habe klug mit Geschick und Elan
diesen Wald ins Geld verwandelt,
dachte der Mensch. Das Tier nebenan
dachte, wer so dumm und krass handelt,
hat keinen Platz in der Natur Zukunftsplan.

Der Mensch ging und das Tier blieb,
wie zwischen Herz und Kopf eine Kluft,
aus der sich heraus jeder Dichter je schrieb,
und die Frage hing weiter in der Luft:
Wie zeigt sich der wirkliche Naturtrieb?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMUT

Hast Du dieses Jahr
irgendjemandem
Deine Wahrheit gesagt?
Irgendjemanden
nach seiner Wahrheit gefragt?
Bald geht das Jahr zu Ende.

Was habe ich gelernt?
Es ist schwer,
das Höchste auszuleben;
denn es ist schwerer,
daß Du falsch lagst zuzugeben
als dran zu halten bis zum Ende.

Demut. Ein kleines Wort,
ein hoher Berg.
Erst auf der anderen Seite
dieses Bergs
erwartet uns, uns zum Geleite,
das Wissen zur wahren Zeitenwende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BAHNHOFSVIERTEL 1

Eine Wechselstube am Hauptbahnhof
Der bedrückend foulste Gestank trat ein
Alle Kunden drehten sich erschrocken um
Starrten irritiert murmelnd die Quelle an

Eine Weiße drückte die Hand vor die Nase
Eine Asiatin drückte die Hand vor die Nase
Ein Araber drückte die Hand vor die Nase
Ein Schwarzer drückte die Hand vor die Nase

Der Verursacher des üblen Gestanks
Holte etwas vom Schalter, ging wieder
Er war weder weiß noch asiatisch
Noch arabisch noch Schwarz

Er war obdachlos.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANGEFASST IST NICHT BERÜHRT

Dieser Moment danach -
Alles Anfassbare angefasst
Gegenseitig
Und sich immer noch nicht berührt
Oder gerührt
Innenseitig -
Gegenwärtig bleibt die seltsame Distanz
Alles Fassbare noch nicht erfasst - -
Nur Leere, All-Einsamkeit
Unterschwellig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLEIN IST GROSS

Nicht große Dinge verletzen,
sondern kleine.
Nicht grobe Verrate perplexen,
sondern feine.
Vertraute, die über Dich schwätzen -
schmerzlicher als Steine.
Fremde, die Dich falsch einschätzen
und Du bist alleine.

Schmal ist der Pfad, eng die Tür,
eine Wunde der Fluss, der führt zu mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER STURM KOMMT

Es wird dunkel
Dunkler als je es war
Es wird gemunkelt
Der Sturm kommt

Festigt Eure Wurzeln
Und Dach und Fenster und Tür
Wahre gute Eures Herzens Schlüssel
Der Sturm kommt

Er kommt
Geblendet durch seinen Blutrausch
Er kommt

Entfacht Eures Mutes Funke
Bereitet Euch für den langen Kampf -
Es ist die Stunde des Dunkels
Die Stunde seines Niedergangs.

Der Sturm des Guten, er kommt auch!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung