GUT BRAUCHT MUT

Wenn gute Menschen Mut verlieren
wozu sind sie dann noch gut?
Eine Person kann alles deklarieren -
wichtig ist nur, was sie tut.

Mut um Clichés abzubauen,
hast Du ihn überhaupt?
Immer wenn wir uns nicht trauen,
wird die Menschheit geraubt!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE HEIMAT

Deine Augen saßen wie tote Steine auf Deinem Kopf
Die waren offen, sahen alles, begriffen nichts
Dieses Unbegreifen angesichts
der Tatsache, daß klopf-klopf-klopf-klopf,
unsere normalen menschlichen Taten
an die Türen Deines Herzes ungehört appellieren,
bewirkt die Weltenwende: wir rebellieren,
geraubt von allen unseren Heimaten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UND SCHÜTTLE MICH FREI

Einzeln standen
Einzeln guckten
Einzeln schwiegen
Die Bäume am Straßenrand

Wie kalte Grußworte der Stadtmenschen
Fuhren die Autos teilnahmslos vorbei

Die Nacht war voll mit dunklen Gedanken
Die schwer auf mein Gemüt niedersanken
Ich schreibe ein Gedicht und schüttle mich frei.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE GESELLSCHAFT

Die Gesellschaft besteht aus allen Farben,
Allen Neigungen, allen Fragen,
Aus allen Wunden und allen Narben,
Aus Behagen und Unbehagen.
Die Mischung macht die Magie.

Hier wo einst Krieg wütete
Hier wo Grenzen überschritten wurden
Hier wo die Geschichte uns überschüttete
Mit dem widersprüchlichsten Absurden –
Hier brauchen wir demokratische Energie.

Menschlichkeit, Güte, Toleranz,
Solidarität, Fremdenfreundlichkeit, Akzeptanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VIELSCHICHTIG

Jeder ist wichtig
Und gleich unwichtig
Richtig
Weil vielschichtig
Vor allem gleichzeitig
Durchsichtig
Und undurchsichtig.

Die Angst und die Zuversicht
Klares Prosa und kryptisches Gedicht
Habgier und Verzicht
Freiwilligkeit und Pflicht
Leichtigkeit und schweres Gewicht
Das Dunkel und das Licht
Wohnen in uns allen gleichzeitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HANAU: MORD REINIGT KEIN LAND

Mord reinigt kein Land
Er beschmutzt es
Ohne Herz kann Hand
Nur Hässliches

Mord einigt kein Land
Er spaltet es
Ohne Empfindung hat Verstand
Nur Totes, Kaltes.

Hanau, wir sind echt, kein Trend.
Reiche mir Deine Hand
Wie ihr Lachen an dem Abend
Bevor es verschwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS IST AUS EURER GRÖSSE GEWORDEN?

Und dann begann ich
Liebevoll geduldig
Mit Euch zu sprechen

Denn Härte mit Härte
Und Hass mit Hass
Zu kontern niemals
So gut wie Liebe saß

Was ist aus Eurer Größe geworden?
Geblieben ist nur Arroganz
Das Nicht-tolerieren von Toleranz
Das Dürsten nach Relevanz.

Größe aus der Distanz
Ist in der Nähe oftmals
Eine Anhäufung von Schwächen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DUNKELICHT

Dein Lächeln ist Dein schönstes Teil
Schöner als Deine schmutzigsten Worte.
Dein Lächeln ist Dein schmutzigstes Teil
Schmutziger als Deine schönsten Worte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LÜGEN ERZÄHLEN MEHR

Deine Lügen erzählen mehr Wahrheit über Dich
als Deine ganze Wahrheit ungeschminkt.
Was riecht fauler? Das übermäßige Parfüm
Oder der Odor, der dadrunter stinkt?
Wag den Schmerz. Das Herz singt.
Meid den Schmerz. Das Herz sinkt.
Die Wunde offenlegen? Die Wunde verstecken?
Die Entscheidung triffst Du aus Instinkt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RÄTSEL: ANGST

Die Angst ist ein Rätsel.
Wer sie nicht hat,
kann sie schwer kriegen.
Wer sie hat,
kann sie schwer besiegen.
Eine unsichtbare Fessel.
Wie man sie bekommt,
das kann keiner wirklich sagen.
Warum kann der eine, und
der andere nicht, den Mut wagen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung