Du weißt nicht, was Du ertragen kannst Bis Du es ertragen musst. Du weißt nicht, was Du überleben kannst Bis Du es überleben musst. Wie fühlt es sich an, Wenn eine ganze Gruppe Jagd auf Dich macht? Wie fühlt es sich an, Wenn ein Auto aus dem nichts in Dich kracht? Es fühlt sich wie das Leben an Wo Du nicht weißt, wem Du vertrauen kannst. Es fühlt sich wie das Leben an Wo Du lernst, daß Du Dir selbst vertrauen kannst. Der Samen stirbt in der Erde Eher er zum Baum wiederauferstehen kann. Mein inneres Kind starb auf der Erde Damit ich wiederauferstehen konnte als Mann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
von Orten und Zeiten und Gefühlslagen
DER DUFT VON WASSER
Luft! Luft! Luft! Euer Wasser ist blau Ist klar, ist sauber, ist schön… Aber ich kann nicht atmen - Ich muss auftauchen! Luft! Luft! Luft! Euer See ist eine Kluft Die uns trennt Euer Meer an Mehr ist eine Gruft In der meine Seele wie Asche brennt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TÄGLICH SCHWARZ
Ich weiß nicht Wie der Tag das macht Mich verändert Bis vor Mitternacht Ich weiß nicht Wie die Gesellschaft es schafft Täglich mir zu nehmen Und zu geben Kraft Ich weiß nicht Wie das Leben das kann Jeden Tag zu zaubern Aus mir einen neuen Mann Nur eines weiß ich Diese dunkle Haut Ruft die vermittelnden Erlebnisse Täglich und laut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MORGEN IST HEUTE
Ich stellte mir heute die Zukunft vor Sie war ein Haus des Friedens Ein Lächeln, eine Fähigkeit zu verstehen Menschenarten gleichartig und verschieden Dann stellte sich mir heute die Zukunft vor Sie war zwei Menschen Einer nennte mich Engel, einer mich Teufel Gegen beide mußte ich kämpfen Jetzt stelle ich mir keine Zukunft mehr vor Die Gegenwart ist viel wichtiger Viel witziger, viel hitziger, viel flüssiger Viel farbiger, häufiger, und viel wirklicher. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WESENTLICH MÖGLICH
Mach einmal täglich das Unmögliche möglich; Der Tag nimmt es mit und kehrt nie wieder zurück. Mach kleine Dinge groß und große Dinge klein, Finde in Deinem täglichen Kampf Dein Glück; Löse Deines Geistes Rätsel, Stück für Stück. Nimm Deinen Platz in der Mitte ein, Nicht an der Oberfläche, nicht am Rand - In der Mitte des Wesentlichen, meine ich. Das Wesentliche sei innerlich Dein Land, Tiefer als Gesellschaft, Genen und Sand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GESCHICHTE DES RIESELNDEN BACHS
Die Nacht erzählt mir eine Geschichte die ich nicht verstehe dennoch höre ich gebannt verträumt zu es ist eine gute Nachtgeschichte über einen rieselnden Bach der lief und lief und murmelte und gurgelte und beim Zuhören fließe ich mit und schlafe langsam ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERKENNTNISSE
Abend ist wie Wein Er entlockt mir alle meiner Geheimnisse Ich lach, ich wein Ich erinnere mich an meine Versäumnisse Ich war niemals allein Ich war immer allein Meine Bedürfnisse sind meine Gefängnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE DU REIST
Die S-bahn ist voll mit Menschen Und voll ohne Menschen Leer mit Menschen Und leer ohne Menschen Es kommt darauf an, wo Du her kommst Wie Du reist Und wo Du im Leben hin willst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AN DRIBDEBACH
Ich möchte meine Geschichte wie Fußabdrücke in die Erinnerung der Stadt eingravieren ohne daß die Stadt es merkt - Denn sie verhindert alles, was sie wahrnimmt. Ich möchte, daß sie einmal in der Zukunft sich umschaut und fragt, laut, Seit wann habe ich diese Muttermale unter und auf meiner Haut? Meine Antwort: Ein Grabstein mit einem Kreuz. Ich wurde nicht hier geboren möchte aber hier sterben wenn das letzte Gedicht geschrieben ist alles, was ich habe, schon gegeben wurde und nichts mehr von mir geblieben ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SONNE STEHT MÜDE AUF
Die Sonne macht die Augen auf Ist sie heute gut drauf? Schwer lesbar, wie ich meine Die Sonne dreht sich zweimal um Sieht sich schweigend um Von ihren Gedanken sehe ich keine Die Sonne steht langsam auf Geht müde auf Stellt sich wackelig auf die Beine Die Sonne schickt einen Gruß herum Stell sich erneut auf stumm Und geht ihren Weg wieder alleine. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
