Du musst inmitten des Andersartigen gewesen sein, um Andersartigkeit zu begreifen. Diese Erfahrung allein lässt in Dir den Sinn dafür überhaupt entstehen, daß der Vielfalt der Realität weiter geht als Dein Verstehen. Die, die immer alles besser wissen, sind es, die am wenigsten wissen. Alles wissen ist nichts wissen - Nur Gott hat Allwissen, Allweisheit. Aber auch das ist schwer zu verstehen und, selbst für die, die es verstehen, ist es schwer, es richtig zu verstehen - Dies zu verstehen ist Weisheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
VON WENIGEN WAHRGENOMMEN
Manchmal steigt von Wenigen wahrgenommen ein Geist aus dem Unbegreiflichen auf die Verstandesebene nieder Und wie aus dem Nichts kommen neuartige Gedanken zu Dir wieder und jene merkwürdigen Lieder die, undeutlich, verschwommen, langsam wieder verschwinden, dann schnell und immer schneller… bis Du anfängst, zart zu empfinden, und hell wirst und immer heller. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HOFFNUNG DIE HOFFNUNG GEBEN
Heute hängt sehr viel Hass in der Luft Ich fühle es und fasse es nicht Das Herz fühlt sich an wie eine Gruft, liegt in der Brust wie ein Gewicht und tastet und langt und schreit und ruft und betet und ringt nach dem Licht. Heute schnappt die Hoffnung nach Luft, WIR müssen der Hoffnung die Hoffnung geben und überbrücken selbst mit Zuversicht die Kluft zwischen dem Tod und dem Leben - Manchmal ist die Hilfe nur ein zarter Duft von Adventskerzen und Tee und Reben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLOCKADE
Ich frage mich manchmal, ob nachts die Welt vergisst, wie der Tag sich anfühlt und aussieht. So wie ein Körper in seiner Qual nicht mehr weiß, wie es ist, wenn ihn kein Schmerz durchzieht. Oder wie ein Mensch, allein im Tal der Verzweiflung, denkt, daß Christ- us’ Frieden sich auf Märchen bezieht. Und wie der Geist den Heiligen Gral in seiner Erinnerung vermisst, weil ihm genau das Gleiche geschieht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNVERÄNDERTE ZIEL
Aus welchem Grund auch immer der Hass entsteht, ist der Boden immer dasselbe. Ob schlimmer, unverändert oder netter die Methoden seiner Austragung bleibt das Ziel das Besitzergreifen vom Vollrecht zum Leben. Ein hinterhältiges Spiel - wer menschlich spielt, wird geschwächt. Die Intoleranz in den Augen-blicken ist noch gar nichts im Vergleich zu dem Würgen und Ersticken tief im Herzen, gültig und gleich - Aber im Internet kommt alles heraus, Haß, Herrscherfantasie, Hässlichkeit; Feigheit wird zu Mut in jeder Maus, Menschen toben in Unmenschlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BETREUEN UND BEFREIEN
Papa, über was schreibst Du heute ein Gedicht? Ich weiß nicht. Über was soll ich heute schreiben? Über mich. Über Dich? OK. Nein! Spaß! Bitte nicht! Zu spät. Der Gedanke ist gekommen und muss nun bleiben. Und muss nun wachsen, betreut von meiner Liebe, und mich verändern, während ich ihn auch verändere; dann, vollendet, mich zu verlassen, um im Weltgetriebe eigenständig zu wirken für eine neue Welt, eine bessere. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN DU IN DIE LEERE HINEIN RUFST…
Wenn Du in die Leere hinein rufst, ruft die Leere in Dich hinein - bittet, nein, zieht Dich in sich herein. Wenn ich mit der Nacht rede, redet die Nacht mit mir, der Tag ist Verstand, die Nacht Gespür. Alle wollen berühmt sein, anerkannt, Das Internet hat das Schlechteste enthüllt, was uns in unseren Seelen erfüllt - Wir haben es preisgegeben und gefrönt, ohne Scheu, ohne Scham und ohne Zwang: die Geltungssucht und der Geltungsdrang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RICHTUNG WEIHNACHTEN
Es kommt erneut zum Jahresende jene schwierige Zeit, wo innerlich empfundene, nachdenkliche, Tiefe gestört wird durch laute kommerzielle Heiterkeit. Bitte, schick mir keine Memes, schreib mir echte Briefe, teile mit mir ein inniges Stück Deiner Ernsthaftigkeit. Es rutscht schnell vorbei, diese Zeit, wie auf einer Schiefe. Rede mit mir über eine Liebe, die wirklich verzeiht. Verpasse dem Jahr einen Schlussstrich fein wie eine Serife, mit einem Ernst, der die heilige Nacht wieder weiht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GEDANKEN SIND UNFREI
Die Gedanken sind unfrei, gebunden an Neigungen, an Hängen und an Lastern, an Wunden und Erinnerungen - Die Gedanken sind unfrei, gefesselt an Vorurteilen, an Voreingenommenheiten, gewurzelt in festen Erdteilen. Die Gedanken sind nicht frei, wie Monde kreisend festgehalten im Bann Deines inneren Selbsts, deren Sinn sie immer enthalten. Die Gedanken sind nicht frei und sie machen nicht frei - Nur das Herz kennt die Kunst der wahren freien Fliegerei. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINSAMKEIT IST NICHTS
Einsamkeit ist nichts, was irgendeiner kommt und Dir abnimmt oder lindert - Sie ist die Sehnsucht in Dir nach Deiner eigenen Persönlichkeit, die gehindert ist an ihrer Entfaltung durch ungenügend Selbst-konfrontation, -Wissen und -Akzeptanz, tiefer als das innere Kind oder innere Jugend, der Erwachsene muss kennen seine (Ir)Relevanz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
