Spürst Du auch manchmal diese Liebe, stärker als Sucht, stärker als Triebe? Diese überwältigende Liebe in Deiner Brust - für was oder wen, ist Dir nicht bewußt. Sie weckt Dich nachts zum nachdenken, sie macht Dich Tags zum Träumenden, sie erfasst manchmal urplötzlich Dein Herz mit einer Druckkraft intensiver als Schmerz. Du willst sie in Taten spenden und empfangen, sie in allen Augen sehen, als inniges Verlangen. Woher? Wohin? An wen, was? Wofür? Dieses umfassende, alles hebende Gespür. Als wären wir, unruhige Weltenwanderer, gleichzeitig im Einsatz als Stromwandler einer liebevollen Kraft von weit weit oben, die sich verankern will auf irdischem Boden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
TAG WIE NACHT
Lasst uns den Tag mit Nachtgefühlen starten, mit Zärtlichkeit Menschlichkeit geben und erwarten, lasst uns aus dem Leben einen schönen Traum machen, in deren Erfüllung hinein wir sonnig erwachen. Lasst uns die Nacht mit Tagbewusstsein erleben, mit Ernsthaftigkeit unseren Empfindungen Raum geben, lasst uns aus dem Schlaf ein heilsames Schöpfen machen, aus dem wir innerlich gesund und klarer morgens aufwachen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WERDE FRÜH WACH
Wenn Dein Feind Dich erkennt bevor Du Dich selbst kennst ist Deine Reise zu Ende noch vor der Wende. Wenn Dein Herz für Wertvolleres brennt während Du Leerem hinterher rennst hättest Du den Weg gemieden zur Freude und zum Frieden. Befasse Dich früh mit dem Wesentlichen Besinne Dich stets des Wesentlichen Deine Zeit ist kurz und köstlich Versagen ist untröstlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FERNE BERGE
Dinge, die einst so weit entfernt zu sein schienen, fühlen sich heute plötzlich so nah - Die Fähigkeit, ungeliebten Menschen zu dienen, und denen, die ich früher übersah. Die Kraft, den Schmerz der Enttäuschung zu ertragen, Menschen zu vermissen wortlos, Ungerechtigkeit hinzunehmen ohne laut zu klagen, wenn es nichts verändern würde groß. Die Klarheit, um als groß verehrte Menschen zu durchschauen, und zu sehen, wie normal sie sind; Der Drang, langsam entwickelte Vorurteile abzubauen und zu schauen in Reinheit wie ein Kind. Diese einschüchternden Berge, die von oben mich anstarren, einst waren sie mir so fern: Jetzt heute in der Morgensonne fühle ich sie um mich scharren wie Freunde, ich umarm sie gern. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HASS FÄHRT IM KREIS
Sie fahren im Kreis und kommen da an wo ihre Irrfahrt begann und fahren weiter im Kreis. Der Hass hasst den Hass und der Hass hasst den Hass zurück. Der Teufelskreis endet im Unglück… und fährt weiter. Bodenloser Fass. Bodenlose Fassungslosigkeit. Entweihte Weihnachtszeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung.
UNWISSEN WISSEN
Du musst inmitten des Andersartigen gewesen sein, um Andersartigkeit zu begreifen. Diese Erfahrung allein lässt in Dir den Sinn dafür überhaupt entstehen, daß der Vielfalt der Realität weiter geht als Dein Verstehen. Die, die immer alles besser wissen, sind es, die am wenigsten wissen. Alles wissen ist nichts wissen - Nur Gott hat Allwissen, Allweisheit. Aber auch das ist schwer zu verstehen und, selbst für die, die es verstehen, ist es schwer, es richtig zu verstehen - Dies zu verstehen ist Weisheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VON WENIGEN WAHRGENOMMEN
Manchmal steigt von Wenigen wahrgenommen ein Geist aus dem Unbegreiflichen auf die Verstandesebene nieder Und wie aus dem Nichts kommen neuartige Gedanken zu Dir wieder und jene merkwürdigen Lieder die, undeutlich, verschwommen, langsam wieder verschwinden, dann schnell und immer schneller… bis Du anfängst, zart zu empfinden, und hell wirst und immer heller. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HOFFNUNG DIE HOFFNUNG GEBEN
Heute hängt sehr viel Hass in der Luft Ich fühle es und fasse es nicht Das Herz fühlt sich an wie eine Gruft, liegt in der Brust wie ein Gewicht und tastet und langt und schreit und ruft und betet und ringt nach dem Licht. Heute schnappt die Hoffnung nach Luft, WIR müssen der Hoffnung die Hoffnung geben und überbrücken selbst mit Zuversicht die Kluft zwischen dem Tod und dem Leben - Manchmal ist die Hilfe nur ein zarter Duft von Adventskerzen und Tee und Reben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLOCKADE
Ich frage mich manchmal, ob nachts die Welt vergisst, wie der Tag sich anfühlt und aussieht. So wie ein Körper in seiner Qual nicht mehr weiß, wie es ist, wenn ihn kein Schmerz durchzieht. Oder wie ein Mensch, allein im Tal der Verzweiflung, denkt, daß Christ- us’ Frieden sich auf Märchen bezieht. Und wie der Geist den Heiligen Gral in seiner Erinnerung vermisst, weil ihm genau das Gleiche geschieht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNVERÄNDERTE ZIEL
Aus welchem Grund auch immer der Hass entsteht, ist der Boden immer dasselbe. Ob schlimmer, unverändert oder netter die Methoden seiner Austragung bleibt das Ziel das Besitzergreifen vom Vollrecht zum Leben. Ein hinterhältiges Spiel - wer menschlich spielt, wird geschwächt. Die Intoleranz in den Augen-blicken ist noch gar nichts im Vergleich zu dem Würgen und Ersticken tief im Herzen, gültig und gleich - Aber im Internet kommt alles heraus, Haß, Herrscherfantasie, Hässlichkeit; Feigheit wird zu Mut in jeder Maus, Menschen toben in Unmenschlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
