DER WERT EINES MENSCHEN

Was macht einen Mensch wertvoll?
Geld? Macht? Waffen? Schönheit?
Aber alles Haben verlangt sein Soll.
Wahrhaftigkeit. Liebe. Bescheidenheit.

Manche finden den Zugang zum Geldfluss
Und sind dann „reich“. Andere nicht.
Manchen haben Macht und deren Genuss
Und werden hart und weich. Viele nicht.
Manche sind körperlich schön - zum Verdruss.
Denen ist alles gleich. Den meisten nicht.

Doch gut sein und wahr sein und bescheiden sein
Ist kostenlos. Das können alle sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TATEN SIND WORTE

Taten sind Worte
Sie waren unsere ersten Worte
der unmittelbarsten Sorte
Und, so der Anschein,
Werden sie auch unsere letzten sein.
So schätze ich uns mittlerweile ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ORT FÜR TATEN

Es gibt eine Ecke
in der gesellschaftlichen Seele
Die siehst sie nie
selbst nicht mit der schärfsten Brille
Deines Verstandes.
Nicht mal das Herz ahnt
daß sie vorhanden ist,
diese Ecke. Nur Güte bahnt
sich den Weg zu ihr.
Taten der Güte, der Menschlichkeit,
der Selbstlosigkeit, der Freundlichkeit,
nur Handlungen öffnet der Seele
ihr Herz, ihre verschlossene Kehle
und lässt Worte - die echten, die warmen -
Form nehmen und Dich umarmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCHSEIN ALS WIDERSTAND

Zu denken, daß Du das Recht hast,
anderen ihre Freude weg zu schämen…
Zu glauben, daß Du die Macht hast,
anderen ihre Freiheit weg zu nehmen…
Zu träumen, daß Du die Aufgabe hast,
andere zu brechen, zu töten, zu lähmen…

Du spürst nicht wie er wächst,
der globale Widerstand …
Von Kultur zu Kultur wächst,
von Land zu Land …
Menschsein mit Verstand und Geist,
mit Herz und Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEXENJAGD UND VERLEUMDUNG

Nimm Dich in Acht, jetzt
wo die Hexenjagd neubegonnen hat -
Erst Argwohn, dann zuletzt
findet das Verleumden überall statt.

Nachbarn werden unnahbar.
Undurchdachte Worte rächen sich schwer.
Wunden, vielleicht unheilbar,
blicken durch Augen wieder voll und leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

JA ZU NEIN

Irgendwann findest Du die Kraft
um Nein zu sagen, dauerhaft.
Nicht das wankelmütige Nein,
strauchelnd von Jein zu Jein;
nicht das unsichere Nein,
unfähig allein stehend zu sein;
nicht das gezwungene Nein,
ruhend auf fremdem Standbein;
sondern das überzeugte Nein,
das klar durchblickende Nein,
das eine Bejahung dessen ist,
was Du jetzt weißt, das Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINE PERSÖNLICHE SUCHE

So, wie die Menschheit heute ist,
kann sie unmöglich sich selbst überleben.
Nur Gott weiß, nur Gott kann, nur Gott ist
in der Lage, uns die Heilung zu geben.
Aber wer weiß denn noch, wer Er ist
oder was Er ist oder wo Er ist oder wie Er ist?
Wer schämt sich nicht, darnach zu streben?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIR LEBEN ALLE MEHRMALS

Wir leben alle mehrmals.
Keiner stirbt zum ersten Mal,
wann er stirbt. Und falls
Du eines Babyschreis Hall
in Deinen Armen hörst,
ist das nur eine alte Seele
zurückgekehrt. Du gehörst
ihr nicht, noch sie Dir, quäle
Dich nicht, schenk einfach mehr
als Liebe, schenke ihr Empfinden,
wissend: sie, wie Du, ist hier
um ihre Story zu beenden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER LÄRM

Der Lärm hat Körper, hat Gesicht,
hat Stimme, hat Präsenz, hat Gewicht,
hat System als Gesetz, als Kultur,
durchdringt Gesellschaft und Natur,
und ist unser Leben von Geburt bis zum Tod,
von uns ausgehend, uns umhüllend, wie Od.

Wo findet der Mensch für einen Augenblick
das Schweigen, die Ruhe, der Seligkeit Glück,
um zu erahnen und erfüllen sein wahres Geschick?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE BLÜTEZEIT

Unkraut kaut
an meinen Wurzeln
unter meiner Haut -
Lieben ist puzzeln.

Was ist gesund?
Was nicht?
Gibt‘s einen Grund?
Treue oder Pflicht?

Alles entfernen
oder alles drin lassen?
Nicht in den Kernen
kannst Du sie erfassen

Sondern die Blütezeit
erst lässt erkennen
ob weiter zu zweit
oder am besten trennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung