DER STURM KOMMT

Es wird dunkel
Dunkler als je es war
Es wird gemunkelt
Der Sturm kommt

Festigt Eure Wurzeln
Und Dach und Fenster und Tür
Wahre gute Eures Herzens Schlüssel
Der Sturm kommt

Er kommt
Geblendet durch seinen Blutrausch
Er kommt

Entfacht Eures Mutes Funke
Bereitet Euch für den langen Kampf -
Es ist die Stunde des Dunkels
Die Stunde seines Niedergangs.

Der Sturm des Guten, er kommt auch!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZER MANN

Schwarz, nach dem Ebenbild meines Vaters,
Nicht im Sinne Deiner Vorstellung.
Mann, nach dem Ebenbild meines Vaters,
Nicht Gemäß Deiner Einstellung.
Selbstschützend, mit der Tiefe meiner Eltern,
Ich gebe mich nie zur Ausstellung.
Wenn das hier nicht passt, dann passt es nicht.
Mein Herz ist ebenso afrikanisch wie mein Gesicht.
Und mein Kern ist von Urbeginn an voll vermenschlicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR VERGESSEN UNS SELBST

Menschen vergessen oft,
daß es Menschen sind, mit denen sie reden -
Fremde ist nur ein anderes Wort für Menschen.

Menschen vergessen oft,
in ihrer Sehnsucht & ihrem Streben nach Eden,
worum es geht: nicht um Regeln, sondern um Menschen.

Politik, Kultur, Systeme sind nicht so wichtig
wie lebendige Menschengeister, einen jeden -
das vergessen oft Menschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE MASKE FÄLLT

Mir wurde als Kind gesagt
in einem britisch-sozialisierenden Internat:
Sie werden die Maske wieder fallen lassen
Aufgegangen ist noch nicht die Saat

Ihre Herrschsucht ist noch nicht gestillt
Sie sind noch nicht fertig mit Hassen
Wir warten geduldig auf sie, denn
Sie werden die Maske wieder fallen lassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BLAU ALS WÄRE

Gibt es einen Ort -
und da würde ich hin, sofort -
blau als wäre der Himmel ein Kleid
gefertigt aus Freude, gewaschen aus Leid,
an- und ausziehbar wie aus Seelentiefen
ein Lächeln, das suchende Augen riefen,
fern und fließend im Wind wie ein Traum,
ruhig und festsitzend wie ein uralter Baum,
eng anliegend wie ein verbindendes Eid,
ein unendlicher blauer blauer Raum…
fast eine Erinnerung, in der wir schliefen…
Gibt es irgendwo diesen Ort?
Da würde ich hin, und sofort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DURCH MUT ZUR MENSCHLICHKEIT

Wie wird aus Mehreren Einer?
Ist das schwer?
Wie wird aus Mehreren Keiner?
Ist das nicht schwerer?

Wie kann eine Gesellschaft so blind sein
daß sie ihre eigene Vielfalt missversteht?
Mutige Menschen, es kann nicht sein,
daß Ihr schweigsam bei Seite steht

während Mitmenschen-Verneiner
spalten uns durch Fremdenfeindlichkeit. -
Wie wird aus Mehreren Einer?
Durch Mut zur Menschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE HEIMAT

Deine Augen saßen wie tote Steine auf Deinem Kopf
Die waren offen, sahen alles, begriffen nichts
Dieses Unbegreifen angesichts
der Tatsache, daß klopf-klopf-klopf-klopf,
unsere normalen menschlichen Taten
an die Türen Deines Herzes ungehört appellieren,
bewirkt die Weltenwende: wir rebellieren,
geraubt von allen unseren Heimaten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIESO DER HASS?

Haben wir Schritte nach Vorne getan
um wieder rückwärts zu stolpern?
Oder sind wir im Kreis euphorisch geirrt?
Die Vergangenheit wartet ein paar
Generationen weiter in der Zukunft auf uns –
Schreiten wir als Gesellschaft vergeblich voran?
Nie sah ich rücklings zeigende Schuhe
bis moderne Füße sich darein steigerten
Eine Gesellschaft verliert sich im alten Nemesis
und verwechselt Gestern mit Morgen
und verwechselt Hassen mit Sorgen –
Ein Hass lang verborgen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE GESELLSCHAFT DER MITMENSCHEN

Haben wir gelernt
das Gelernte zu verinnerlichen?
Wer hat den großen Balken
aus eigenem Auge denn schon entfernt?

Gesellschaft. Wie schnell
machst Du aus Mitmenschen fremde Wesen!
Und doch machtest Du einst als erste Fremde
Dir die ganze Welt zur Heimat, universell.

Ein äußeres Auge ist dem Inneren blind
Ein inneres Auge sieht aber das Äußere
Gesellschaft, Du brauchst alle Deine Herzen
Jedes, groß und klein, ist im Herzen Dein Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE FARBEN DER NARBEN

Unsere Nation hat viele Farben
Sieben und mehr und einen Regenbogen
Und dann auch noch viel viel mehr

Unsere Nation hat viele Narben
Wer heilt die Wunden? Wet glättet die Wogen?
Schwankend, tanzend, gerissen hin und her.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung