DIE FARBEN DER NARBEN

Unsere Nation hat viele Farben
Sieben und mehr und einen Regenbogen
Und dann auch noch viel viel mehr

Unsere Nation hat viele Narben
Wer heilt die Wunden? Wet glättet die Wogen?
Schwankend, tanzend, gerissen hin und her.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEUTSCHSEIN IST MEHR ALS BLUT UND BODEN

Deutschsein ist mehr als Blut und Boden
Deutschsein ist Herz, weitsichtig, und Geist
Wir atmen alle den selben Odem
Der das deutsche Wesen heißt.

Das sich Entfernen von der Menschlichkeit
Brachte uns immer zum harten Fall
Das sich Beziehen auf unsere Gemeinsamkeit
Bildet uns dem Verfall einen Schutzwall.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BLÜHE

Deutschland,
der vielfältige Regenbogen da
im Spiegel, und menschlich, das bist Du.
Verinnerliche Dich. Deine Blütezeit ist nah.
Du bist mehr, als Du weißt
Blühende Menschen aller Farben, und ja
sie tragen Deinen Geist und tragen ihn aus.
Siehst Du irgendwann, was ich längst sah?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SONNTAG IM SCHEERWALD

Du magst im Ausland geboren sein
Wenn Du im Wald spazieren gehst
Begegnen Dir bekannte Geister
Unter jedem Baum, wo Du kurz sinnend stehst

Ich traf einen heute im kühlen Schatten
Einer nach der anderen Rotbuche
Ich kenne diesen Geist, empfand ich
Er kommt, immer wenn ich im Wald suche

Nach Verbindung zum Frieden suche ich
Zur Klarheit, zur tieferen Empfindung
Wenn ich im Wald suche, finde ich
Welt- und Selbstüberwindung

Dann saß ich später auf einer Bank
Eine Joggerin sah mich und drehte sich um
Eine Sängerin mit Hund grüßte fröhlich
Viele blickten nach Vorn, sahen sich nicht um.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MANN

Du weißt nicht, was Du ertragen kannst
Bis Du es ertragen musst.
Du weißt nicht, was Du überleben kannst
Bis Du es überleben musst.

Wie fühlt es sich an,
Wenn eine ganze Gruppe Jagd auf Dich macht?
Wie fühlt es sich an,
Wenn ein Auto aus dem nichts in Dich kracht?

Es fühlt sich wie das Leben an
Wo Du nicht weißt, wem Du vertrauen kannst.
Es fühlt sich wie das Leben an
Wo Du lernst, daß Du Dir selbst vertrauen kannst.

Der Samen stirbt in der Erde
Eher er zum Baum wiederauferstehen kann.
Mein inneres Kind starb auf der Erde
Damit ich wiederauferstehen konnte als Mann.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER MENSCH IN MIR

Es kommt der Moment
Du sagst Dir
Und Du sagst es Dir vehement
Ein Mensch lebt hier!
In mir.

Diese Zukunft, von der alle reden
Ein Stück davon wohnt in mir
Ohne mich keinen Eden
Der fehlende Teil steckt hier
In mir.

Ich wehre mich gegen Unrecht
Gegen Ausschluss aus dem „wir“
Und es gibt mir Recht
Der Mensch hier
In mir!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR HABEN KEINE ANGST VOR DEM RAND

Und hier sind wir wieder
Wo wir am Anfang waren
Am Rande der Gesellschaft

Aber jetzt sind wir gerne da
Inmitten unserer eigenen Scharen
Im Herzen unserer Gesellschaft

Ausgegrenzte sind nie ausgegrenzt
Sie bilden sich zu einer wunderbaren
Neuen Parallelgesellschaft.

Deshalb, öffnen wir unsere Herzen wirklich
Der Idee einer ehrlichen wahren
Sich gegenseitig erlebenden Gesellschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER DUFT VON WASSER

Luft! Luft! Luft!
Euer Wasser ist blau
Ist klar, ist sauber, ist schön…
Aber ich kann nicht atmen -
Ich muss auftauchen!

Luft! Luft! Luft!
Euer See ist eine Kluft
Die uns trennt
Euer Meer an Mehr ist eine Gruft
In der meine Seele wie Asche brennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH SCHWARZ

Ich weiß nicht
Wie der Tag das macht
Mich verändert
Bis vor Mitternacht

Ich weiß nicht
Wie die Gesellschaft es schafft
Täglich mir zu nehmen
Und zu geben Kraft

Ich weiß nicht
Wie das Leben das kann
Jeden Tag zu zaubern
Aus mir einen neuen Mann

Nur eines weiß ich
Diese dunkle Haut
Ruft die vermittelnden Erlebnisse
Täglich und laut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FERN UND NAH

Die Welt ändert sich schneller
als unsere Clichés hinterher laufen können -
Brülle sie so laut wie Du magst
sie zerflattern wie Rauch im Winde.

Schwarze entsprechen ihren Clichés nicht
Weiße entsprechen ihren Clichés nicht
Männer nicht, Frauen nicht, Schwulen nicht
Fremde, Behinderte, Obdachlose, alle nicht.
Niemand ist noch das, was er sein soll.

Und als ich die Verwirrung in allen Augen sah
dachte ich mir, wie fern wir voneinander sind
und doch so nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung