Du gehörst dazu Du wirst gehört dazu denn Du hörst zu und spürst dazu Du hörst das Verschwiegene und spürst das Unbeweisbare Du bist das Ergänzende und sagst das Unfassbare Anders sein ist viel mehr Wert als gleich oder ähnlich sein Die Instrumente in einem Konzert müssen unterschiedlich sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Rassismus und Xenophobie
SIEHT SIE AUS WIE DU?
Sieht sie aus wie Du? Oder sieht sie hinaus wie Du? … hinaus in die Welt, die vorbei fließt, und sieht die Welt so wie Du sie auch siehst? Oder sieht sie Dich? … weil sie Dich ansieht. Und, weil sie Dich ansieht, erkennt sie Dich? Oder erkennt Ihr Euch gegenseitig Weil Ihr Euch gegenseitig anzieht? Aber wie ist‘s denn mit den Andersartigen, die Dich ergänzen und vervollständigen? Alle diese Fragen beschäftigen mich in einer Welt der Gegensätze in einer Zeit zugenommener Hetze. Und die Sehnsucht nach der Gleichart ist außen hart und innen ängstlich und zart. Diese Frage beschäftigt mich. Die ganze Welt stammt aus fremden Haus, wie erkennst Du Deine tiefste Gleichart? Wie sieht sie denn wirklich aus? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERKUNFT IST KEIN HEMD
Wie nah ist zu nah? Wie fremd ist zu fremd? Wir sind hier, aber sind wir da? Herkunft ist kein Hemd das an- und ausgezogen wird, wenn um- und eingezogen wird, und zusammen weitergezogen wird als heutige Gesellschaft deutscher Nation. Jedem Anfang wohnt ein Schmerz inne, Neugeburt und Zauber sind seine Gewinne. Dich des Wesentlichen - Einheit - bitte besinne. Viele Herkünfte, eine Zukunft. Gedankenaustausch ergibt Vernunft. Auch Streitgespräche sind Gespräche Streit als Bindungsmittel ist nicht immer Schwäche Denn Stärke ist das Herz unserer Nation. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHTSONNE GESUCHT
Zeig mir Sonne, wenn ich schlafe Die Nacht ist zu dunkel für meine Träume Hundert Monde reichen nicht aus als Waffe gegen meine düsteren Erkenntnisbäume Denn ich sehe aufsteigend wieder den Hass der auf sein Herrenmenschentum besteht Die Nacht ist finster, der Traum wird blass Wo ist die Sonne, die nie untergeht? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLE WEGE FÜHREN DORTHIN
Du kannst mich nicht aufhalten, wenn Du nicht weißt, wo ich hin will - Vielleicht will ich mich genau dort aufhalten, wo Deine Lüge mich hinhalten will - Dasselbe Wort, das mich belasten soll, tilgt stattdessen mein Haben, erhöht mein Soll. Das, was mich verwirren, desorientieren will, lehrt mich alles, was ich über Euch wissen soll. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GETEILT
Meer trennt uns als Sozialisierung Mentalität wirft ihre eigene Schattierung Welten wandeln verwirrt nebeneinander Worte scheren in ihrer Bedeutung auseinander in unseren Gesten in unseren Gästen in unserer Deutung gefangen noch im Gestern… Wir sehen und schaffen in anderen die Feinde die uns wie programmiert anfeinden - Diese Welt ist noch kein Gemeinde, denn sie ist geteilt in Freunden und Feinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAUTNAH
Ich spüre Euch so nah und dennoch so weit Eure Haut, so nah, trennt uns Euer Geist, so fern, kennt und erkennt die Gleichheit, die unerklärliche Gleichart, in uns - so weit und doch so nah. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER NEUE ANFANG
Als aus alten Ländern die neuen kamen mit alten Zügen und neuen Namen fragten sich manche, in Gruppen und allein, was bedeutet es, deutsch zu sein? Andere fragten sich, was haben wir gemein?, was bedeutet es, Mensch zu sein? Wir standen wieder an einem Anfang einer neuen Gleichart, die uns zwang, zusammen zu ziehen an einem Strang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IDENTITÄTSMERKMAL
Unsere Identität haben wir ganz nach Außen verlagert, Ihr Sinn wird in nur körperlichen Merkmalen begriffen. Dabei ist unsere wahre Identität im Geistigen gelagert - Wer dies nicht begreift, bleibt von Widersprüchen ergriffen; Wer es aber ahnt, kann innere und äußere Konflikte umschiffen. Die Zeiten werden komplexer werden, eher sie sich vereinfachen; Freunde, unwissend, werden sich gegenseitig kaputt machen; Fremde werden sich für Freunde halten, und ihre Freunde auslachen; Und wer und wo die wahren Feinde sind, Das weiß keiner, denn wir sind alle blind. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMEN GETRENNT
Die ganze Welt ist verrückt geworden, Menschen trennen sich in Gruppen, in Horden, und hassen, fürchten, töten sinnlos sich - erbarmungslos, leidenschaftlich - gegenseitig, ohne sich mehr als oberflächlich zu kennen oder die makabre Gleichheit zu erkennen, mit der wir nun alle einheitlich brennen und zusammen unglücklich verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
