ZWECK UND WEG

Ich sehe
den Weg
aber nicht
den Zweck.

Ich verstehe
den Zweck
aber nicht
den Weg.

Zwischen sehen
und nicht verstehen
und verstehen
und nicht sehen

wird der Weg
zum Zweck
und der Zweck
zum Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EMERGING

The more my eyes fail
The better I see
The more my knees flail
The faster I flee
And the farther I go
I thought younger was stronger
But that was a long long time ago.

Che Chidi Chukwumerije

DIE NEUE SONNE

Eines Morgens
wird unsere Sonne aufgehen
und unser bisheriges Leben
mit seinen Freuden und Sorgen
wird wie tiefe Nacht aussehen.
Wir werden versuchen, vergebens,
uns an die Schritte zu erinnern,
die wir und die Nacht gegenseitig
in und durch einander machten -
Aber nun sind sie wie in Träumern
begraben, unbegreifbar hier jenseitig
der Grenzen, die wir uns einst ausdachten
bevor wir aufwachten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZART UND HART

Ein Teil von mir ist Wasser
ein Teil von mir ist Wein
Wird‘s tiefer, werde ich nasser,
fließe durch Dich in uns hinein.

Ein Teil von mir trägt Schwerter
der innerster birgt einen Stein
Gibt‘s Gefahr, werde ich härter,
nehme uns in meinen Schutz ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DU HAST NIE LIEBE GENUG

Du hast nie Liebe genug für zwei;
Kommt nichts zurück, gehst Du leer aus.

Du hast nie Glaube genug für zwei;
Dein Glaube klärt nur Dich, nicht Dein Haus.

Du hast nie Kraft genug für zwei;
Du kannst nur mit retten, wer herzhaft mitzieht.

Du hast nie Freude genug für zwei;
Jeder ist selbst seines Glückes Schmied.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LIEBE BLEIBT

Ich komme und gehe
wie der Morgen, wie der Abend
wie ein Weltkörper drehe
und drehe ich mich andauernd fragend
aus einem Bewusstsein ins andere -
merkwürdig, wie ich mich ständig verändere.

Die Menschen, die innig
mit mir in Liebe verbunden sind…
die Sehnsucht macht uns wahnsinnig
denn die Liebe macht uns blind,
deshalb auch wenn wir uns nicht sehen
lebenslang bleibt unsere Liebe bestehen.

Vieles überlebt alle Veränderungen nicht
aber die Liebe bleibt bis zum jüngsten Gericht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RÜCKWIRKUNGEN

Die Tür wird oft erst aufgemacht
viel später nach dem Du geklopft hast -
Anders als gedacht
kommt des Lebens Antwort, fast
nachdem Du vergessen und aufgegeben hast,
wird die Erfüllung zu Dir gebracht
in genau jene Form, die wirklich zu Dir passt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHMITTAG IN MALABO

Eidechse und ich in der Sonne
Lang schweigen wir aber meine Gedanken
sie sind laut, üppig, und sie schwanken
wie die Palmen in der Hitze Wonne

meiner Sehnsucht nach Urwald
so dunkel so grün und ewig jung
gleichzeitig Erinnerung und Hoffnung -
Ich gehe erneut aber ich komme bald

wieder, denn die große Welt ist klein
Die Welt da draussen ist in uns drinnen
Die Sehnsucht nach Zuhause wird gewinnen…
Eidechse, jetzt nickst Du zweimal fein

und eilst in das Laubwerk hinein,
ein Nicken war zur Bejahung
ein Nicken war zur Verabschiedung
jetzt bin ich mit meinen Gedanken wieder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DRIN

Ich bin drin
Es macht keinen Sinn
Dich noch zu zu machen
Ich bin schon drin
Ich wohne in Deinem Lachen
Ich höre mich hallen
und nachhallen
wie ein Gefühl in Deinem Bauch
und ein Klopfen in Deinem Herz auch.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

GETEILT

Meer trennt uns als Sozialisierung
Mentalität wirft ihre eigene Schattierung
Welten wandeln verwirrt nebeneinander
Worte scheren in ihrer Bedeutung auseinander
in unseren Gesten in unseren Gästen
in unserer Deutung gefangen noch im Gestern…

Wir sehen und schaffen in anderen die Feinde
die uns wie programmiert anfeinden -
Diese Welt ist noch kein Gemeinde,
denn sie ist geteilt in Freunden und Feinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung