Warst Du schonmal intim Mit ihr oder mit ihm Und es war Dir unangenehm, Als küsstest Du statt Nähe Distanz Rittest statt Substanz nur Leere Hieltet Euch im unruhigen Tanz Vergaßen Euch danach als ob nichts wäre. Ohne Seelenharmonie Und ohne Chemie. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACKTE AUGEN
Manchmal, nach dem ich in nackte Augen geschaut habe, wünsche ich, ich hätte es nicht getan, denn dieses Saugen, Aufsaugen in die raue Emotionen dahinter ist wie eine Kette, die mich an urtiefe Abgründe bindet, wo der wahre Mensch sich wiederfindet. Wo der Mutige seine Ängste überwindet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KINDESWOHL
Wer passt auf Dich auf,
wenn Du ein Kind bist?
Wer sieht die Gefahren im Voraus,
eher Du auf sie triffst?
Wer beschützt Dich?
Wenn Dein Ball in eine Autostrasse fliegt
und Du ihm hinterher schießt..
Wenn Du auf einer Wiese spielst
und neben Dir ein offener Brunnen ist
ohne eigene elterliche Aufsicht.
Wer sonst beschützt Dich?
Und Erwachsene laufen vorbei –
Einige hocken am Fenster nebenbei –
Keiner macht einen Aufschrei.
Manche sehen die Gefahr nicht,
manchen ist es, unglaublich, egal.
Manche bangen aber trauen sich nicht,
fremde Kinder anzusprechen. Denn, ob legal?
Ob ideal? Jede Entscheidung ist vielleicht fatal.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUHAUSE
Das Heim ist der schönste Ort auf der Erde, wohnt die Harmonie ihm inne als und im Herde und dazu die Schönheit als innigste Zierde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNGEWÖHNLICHE
Nimmer endende Geschichte Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte Und mehr Gedanken, als ich zählen kann, Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann, daß es ein nimmer endendes Neigen ist zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist Und weil die Ewigkeit täglich entsteht, während Dein Leben täglich zuneigen geht. Wer Zauber ernten will, der säet, der säet… Ungewöhnliches, weil Eigenartiges. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DES GEISTES ELIXIER
Schönheit. Wenn ich satt bin und doch nicht satt, Wenn ich voll bin und mich leer fühle, Wenn trotz Befriedigung meiner Gefühle Meine Empfindung Unzufriedenheit hat, Dann weiß ich, daß ich tief in mir nach Nahrung, nach des Geistes Elixier mich sehne, dürste, hungere, verlange, wo ich Licht empfange und mich fange: Schönheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNSTERBLICHKEIT
Die Welt passt problemlos in jedes Herz rein Ist aber selbst viel zu klein für das Herz. Groß Ist die Sehnsucht nach Ewigkeit. Diese sterbliche Welt allein birgt unmöglich so viel Lebendigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE TIEFERE SCHÖNHEIT
Irgendwas kommt von Oben. Wir spüren es und können es Nicht einordnen hier im Groben. Wir empfangen es, nennen es Viele Namen. Ich empfinde es Als die Anziehung der Schönheit. Ich bereise die Welt und finde es In der Sehnsucht der Menschheit Überall zum Ausdruck gebracht, Mal mehr, mal weniger gelungen, Als hätte Gott einmal liebevoll gelacht Und die Kulturen haben nachgesungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WO LEBST DU?
Wo befindet sich das Leben? Im Positionsspiel des Berufslebens? Dort suchte ich einst das Leben und siehe: Ich suchte vergebens. Wo findet das Leben statt? Im Geltungsdrang gesellschaftlichen Drucks? Ihm widmete ich einst meine jede Tat, bis ich darunter litt und dabei wuchs. Wo spielt sich das Leben aus? Bei Familie, Freunden, Religion, Leidenschaften? Ein Teil von mir fand dort ein Zuhaus, wo ich einsam saß inmitten der Machenschaften. Wo bin ich am Lebendigsten? Ganz einfach, hier ruhig in meinem Geiste. Befolge ich meinem Innigsten, spende ich Freude und bin der Freieste. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VON BÄUMEN LERNEN
Der Baum stand da Als wäre er nicht da Und war für alle da Der Mensch stand da Als wäre er wirklich da Und war für niemand da Nur für sich selbst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
