EIN NACHDENKLICHER TAG

Der Tag hat die Konsistenz
eines angenehmen Greisen heute -
Eines dieser Menschen, entspannt,
denen weder Traurigkeit noch Freude
ihr lebenslang gewonnenes Gleichgewicht rauben
können, noch ihre konstante Wachsamkeit.
Hinter den Häusern stehen Lauben,
manche offen, manche zu, wie die Einsamkeit
der Menschen, nicht jeder braucht, nicht
jeder will die Zweisamkeit haben.
Manchen wollen alleine sein, ruhiges Gesicht
zur milden Sonne gedreht an leisen Tagen
wie diesem mit der Konsistenz
zart nachdenklicher Existenz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DIE DEMÜTIGEN

Manche werden Gesetze erlassen
Manche werden regieren
Manche werden große Thesen erfassen
die wir alle hinterher zitieren
- ohne den Menschen zu verbessern.

Manche werden viel Geld machen
Manche ihr Geld verschenken
Manche werden spielen und lachen
und uns von unseren Sorgen ablenken
- ohne den Menschen zu verbessern.

Ohne die Welt wirklich zu verändern
zum Besseren. Geistiges verwässern
ist kein Fortschritt. Doch an den Rändern
die Demütigen, schweigend in Bändern,
sind es, die die Menschenart verbessern,
mit ihr den Charakter in allen Ländern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TIERE SPRECHEN MIT UNS

Menschen reden mit Worten
und bleiben unverständlich.
Tiere kommunizieren mit Emotionen
unmissverständlich.
Wesenhafte Kreaturen,
lange vor uns hier auf diesem Planeten.
Authentisch, sie überbrücken
uns die Kluft in schönere Ebenen.
Je einsamer Du wirst,
weil keiner mehr Deine Sprache spricht,
desto deutlicher wird Dir bewusst
die Anteilnahme in eines Tieres Gesicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE WORTE

Warum schweigen wir,
wenn unsere Herzen voll sind?
Und reden immer mehr
je leerer wir werden und blind?

Worte waren von jeher
ungenau, unzulänglich, schwach,
nie genug. Doch das Gespür
trifft es in der Empfindung einfach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER AM ÄUSSEREN RANDE LEBENDE

Der am äußeren Rande lebende Mensch
denkt, daß das, was er äußerlich sieht,
alles ist, was er ist, Essenz seiner Existenz,
sieht nicht, was durch alle seiner Schichten zieht,
ein unsichtbarer Faden gewurzelt in seinem Geist,
der niemals zerreißt.

Der am äußeren Rande seiner Persönlichkeit
lebende Mensch sieht nur sein Äußeres:
körperliche Merkmale, Kultur, Stand, Gesundheit,
Zustand seines Erdenlebens. Doch unser Inneres,
Deine und meine, sehnt sich nach dem Höheren
in unserem Inneren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH ALLES

Wenn jedes Gedicht ein Schritt ist,
welchem Gedanken nähere ich mich?
Wenn jeder Gruß ein Abschnitt ist
der menschlichen Reise ins Friedensreich,
wenn ich da ankomme, sehe ich Dich?

Wenn jede Trennung ein Tritt ist
in den Hintern, weil Du weiter gehen musst,
weiter suchen musst, hast Du noch Lust?
Wenn jeder Tag ein Zeitlimit ist,
erfüllst Du täglich alles in Deiner Brust?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREMDE KULTUREN

Diese merkwürdigen Momente,
in denen eine fremde Kultur zu Dir spricht
und in Dir jemand sich angesprochen weiß,
der ein Teil Deines Innersten ist
aber meistens in mitten Deines Innigsten schweigt,
als wärest Du zwei Menschen ein Gesicht -
ein Einheimischer und ein Fremder -
gleichzeitig, und Du wusstest es bisher nicht.

Ihre Augen wecken unzählige Erinnerungen,
an die Du Dich nicht mehr erinnern kannst,
diese fremden Menschen, die Dir vertraut sind,
als hättet Ihr schon Lebzeiten zusammen getanzt,
ja, schon ganze Leben gemeinsam gelebt,
erlebt, gelernt, geliebt, Samen gepflanzt,
die Inkarnation nach Inkarnation nach Inkarnation
Früchte tragen, aus denen Du Toleranz tankst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEN FALSCHEN WEG ERKENNEN

Schwer ist nicht der Weg,
sondern jedes Bein, wenn
falsch der Pfad ist. Kein Zweck
heiligt jedes Mittel, denn
der Geist weiß, wohin und wie.
Wenn Deine Innere Stimme bockt,
wenn Dein Herz stolpert und stockt,
halte inne, wisse mit Garantie:
Du bist auf dem falschen Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KRAFT ZUM WEITERMACHEN

Besuche so oft Deinen Schmerz
bis er nicht mehr so sehr schmerzt,
daß Du ihn fürchten musst.

Sei Dir Deiner Stärke bewusst:
Wer aus dem Unerschöpflichen schöpfen kann,
dem hat sich eine Wunderkraft aufgetan.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ECHO DER UNSTERBLICHKEIT

Wenn ich wie das Herz wäre,
würde ich 100.000 Mal pro Tag
meine Liebe, die grobe und die hehre,
hinaus senden, einen Heiratsantrag,
an das Leben, dessen endlose Fragen
uns umgeben, dessen Geheimnisse
in uns hervor ragen als Gewissensbisse,
als Empfindungsschübe, die uns plagen,
wenn wir uns seinem Drängen widersetzen.
Das Leben, dessen magische Kräfte
als Freude und Zuversicht uns besetzen.
Du bist‘s, dem ich mich anhefte,
herzklopfend 100.000 Mal am Tag,
sterbliches Echo der Unsterblichkeit.
Und was meine ich mit jedem Herzschlag?
Immer wieder nur: Dankbarkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung