Manche Dinge klappen fast Fast haben wir die Schutzwände fallen gelassen Fast fanden wir den passenden Platz um uns niederzulassen Und immer wieder, ab jetzt bis zum Ende unseres Lebens, werden wir uns zurück sehnen zu jenem Moment als wir uns näherten… vergebens. Wir verfehlen mehr als wir treffen, mehr Orte, mehr Menschen, mehr Chancen - und finden jedoch, unterdessen, jedes Mal Magie in den kleinen Nuancen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PASS DICH NICHT AN
Ich fand mich. Ich steckte in Blättern, die ich schrieb als ich noch jugendlich und noch ehrlich genau das sagte, woran mein Herz ganz glaubte, was mir die Zeit aber dann raubte, weil ich mich hinterfragte. Alles, was ich heute sagen kann: Pass Dich nicht an. Dein Geist hat einen Plan: Pass Dich nicht an. Pass Dich nicht an. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
INNERHALB DER VIER WÄNDE
Wie ist es bei Euch, fragt der eine den anderen? Schau intern bei Euch, antwortete der andere: Wenn Du weißt, wie es bei Euch ist, weißt Du auch, wie es bei uns ist. Innerhalb der vier Wände, menscheln wir alle ähnlich. Wände sprächen Bände, wären sie menschlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTCHECK
Keiner von uns ist vollkommen Merk Dir das Wenn Du von Deinem frommen Spiegelbild Hass Oder Liebe empfängst Oder Dich umhängst Mit Manteln Deiner Fantasie entnommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREUNDE WIE BLUMEN
Freunde wie Blumen Haben ihre Blütezeit. Manch eine Freundschaft, Die heute gedeiht, Welkt morgen dahin Mit oder ohne Streit, Gerät aber niemals Ganz in Vergessenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AM FALSCHEN ORT ZU SEIN
Der Abend wieder Ich mache erneut Pause Und lege mich nieder Wo immer ich Zuhause Heute gefunden habe In meiner Lebensreise Erst war ich ein Knabe Unterwegs zum Greise Jeden Tag ein bisschen Weiter gekommen Jeden Tag einen andern Umweg genommen. Am falschen Ort zu sein Ist nicht falsch zu sein Wenn er, und er allein, Korrigiert Dein Bewusstsein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESTERN VERSCHWAND
Gestern verschwand so schnell und wird es täglich wieder tun. Heute ist gestern’s flüchtiger Appell an uns, nicht träge uns auszuruhen. Denn heute ist das fixe Gesicht von gestern einmalig im Entstehen. Wir schreiben vor Mitternacht das Gedicht und so wird es die Welt für immer sehen. Was für ein Moment der Moment ist, was für eine Macht seine Macht hat - den Wachen macht er zum Opportunist, dem Schlafenden bleibt er ein leeres Blatt: Bitte nicht wenden ohne zu verwenden. Ungeschrieben. Ungenau und unbeschrieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERSUCH ES
Versuch es - Begegne dem Fremden als würdest Du einem Menschen begegnen. Versuch es - Begegne einem Menschen als würdest Du einem Fremden begegnen. Wie Du in den Wald hinein rufst so schallt es wieder heraus. Nah oder fern, bist Du unter Menschen, bist Du zu Haus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARUM ICH SCHWEIGE
Warum ich schweige, mich zur Stille neige: Weil jedes Wort Verrat wär an das Beste in mir - Weil jedes Wort Verrat wär an das Echte in mir. Ich würde so gerne ganz in die Ferne, Starrem mich entziehen - innerlich, meine ich - mich zurück ziehen. Schweige ich, weine ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANDERER MENSCH, SELBE HAUT
Auf Deinem Weg in die Klarheit, Nähere tief, dann meide breit, die Mehrheit - Die Wenigsten kennen die Wahrheit. Irgendetwas ist mit mir geschehen: Ich habe letztes Jahr in alle hineingesehen Und habe dabei alles durchgeschaut. Jetzt bin ich: anderer Mensch, selbe Haut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
