Ich habe seit Tagen die Blumen nicht mehr gesehen. Wo sind, welche Farben haben, wie riechen sie neulich? Auch sehende Augen sind blind, wenn das Herz nur Politik und Wirtschaft, nur Arbeit, Veranstaltungen und Gesellschaft im Sinn hat und den Draht zur Kultur verloren hat und, noch tiefer, zur Natur. Das Leben gewinnt man nicht, in dem daß man innentaub am Leben vorbei schwimmt. Jedem ist wahrer Reichtum gegönnt, egal wem, der täglich die Blumen nebenbei wahrnimmt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLINDGÄNGER
Der Hass
Hungrig und verzweifelt
Wie ein Wolf –
Greift wild um sich, eskaliert
Von Populismus zu Populismus
Ängstlich
Weil immer mehr Menschen ihn durchschauen.
Lauter! Er wird lauter und lauter
Wie ein Rattenfänger.
Schneller! Er pfeift schneller und schneller
Und wartet wütend seit Jahrzehnten
Lebend begraben wie ein Blindgänger
Aus dem Weltkrieg.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WISSEN ÄNDERT DAS BEWUSSTSEIN
Das Gesehene Kann nicht ungesehen werden Gehörtes kann nicht Ungehört werden Wissen ändert das Bewusstsein Unveränderlich. Ich möchte so tun Als wisse ich nicht, wie Ihr über mich denkt - Schwer aber, wenn Wissen Das Bewusstsein lenkt. Das Bewusstsein mit Bewusstsein beschenkt Und damit einschränkt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER GRÖSSTE BEITRAG
Egal was Du verlierst Dabei kaputt geht Die äußeren Umstände sind Verleugne nie Verrate nie Ignoriere nie Deine innere Stimme Glaube ihr Folge ihrer Anweisung Weiche nicht davon ab Bleibe ihr treu, standhaft Dies ist der grösste Beitrag Zur Weiterentwicklung Der Gesellschaft Der Menschheit Größer als Politik. Es ist Größer als Wirtschaft. Es ist Größer als Technik. Es ist Der Schlüssel zum Menschsein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NGODO
Ich erinnere mich daran Wie lebendig die Nacht war Je dunkler sie wurde Das Dorf war ein tausend Geister Mein Vater war ihr Meister in meiner Fantasie Meine Mutter ihre Seele Sie sprachen mit mir ununterbrochen Du bist ein atmendes Wesen, sagte ich zu der Nacht, Aber da ich noch ein Kind war, sagte ich es nicht, Ich wusste es einfach Wir unterhielten uns bis die Sonne aufging Bis das Dorf ihrer Magie ein Gesicht wieder gab Und ich wusste, ich wohne in der Stadt, in Lagos, Aber nur hier, in diesem Dorf, Ngodo, Bin ich Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN DAS VERTRAUEN WEG IST
Wenn das Vertrauen weg ist
Suchst Du vergeblich nach der Brücke
Zwischen uns. Weisst Du, was schräg ist?
Neues Vertrauen schliesst die Lücke
Nicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEVOR ICH IN DIE NACHT HINEIN GEHE
Bevor ich in die Nacht hineingehe Weile ich noch einen Moment in dem Tag Bei meinem zweiten Selbst Bei diesem Ich, das die Welt kennt Und doch nicht durchschaut. Was ist der Mensch, wenn nicht eine Hülle? Der Inhalt ist unsichtbar. Bevor ich in die Nacht hineingehe, In das Unsichtbare, Bewertet und verinnerlicht mein inneres Selbst Die Erlebnisse, die Erkenntnisse, meiner Hülle. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNSUCHT NACH SCHWEIGEN
Der Tag fing mit Schweigen an Und geht mit Schweigen zu Ende. Zwischen Anfang und Ende Gab es die Suche nach einer Freude Im Lärm, die nur Schweigen geben kann. Und alle - Freunde und Fremde, Alt, jung, reich, arm, Frau und Mann - Trugen lärmig in ihren einsamen Augen Dieselbe Sehnsucht nach dem Schweigen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARTE NICHT DRAUF
Warte nicht drauf Nimm Du es Dir Es wartet auf Dich Warte nicht auf den Tag Es ist immer Tag - auch nachts Du musst nur aufwachen, aufstehen Warte nicht auf die Liebe Sie wartet bereits bereit in Dir Gib sie einfach weiter Worauf wartest Du noch? Je früher Du es raus schickst Desto früher kehrt es zurück zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUER WEG
Viele Wege kreuzen mich Gleichzeitig Als stammen sie alle von mir Ursprünglich Sie führen aber nicht alle zu mir Letztendlich Denn ich veränderte mich Zwischenzeitlich. Ich erkenne sie alle Aber ich kenne sie nicht mehr alle Ich kenne nur mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
