DIE MUSIK DER INNEREN FREIHEIT

Ich habe immer gesagt,
Musik ist redegewandt und hat
viel zu sagen, wenn ihr alle Knebel
alle Fesseln genommen werden
Wie jeder Mensch ändert sie schön
ändert sie oft und plötzlich ihre Meinung
wechselt das Thema nach Belieben
unter dem Druck ihrer Empfindungsvielfalt…
ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren.
Ich mag es am meisten, wenn sie…

… plötzlich …inne… hält…
und einen neuen Gedanken nachdenklich
betrachtet… sie dreht ihn hin und her…
Wie ein Mensch, wie ein selbstbewusstes
intelligentes Lebewesen es tun würde –
Denn sie lebt. Musik, Du lebst auch.
Du erinnerst mich an das Kind, das einst
in mir lebte und tausend Wege täglich ging,
spielerisch, intuitiv, intelligent, neugierig,
und sein Ziel nie aus den Augen verlor.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Dieses Gedicht wurde inspiriert von Stefan Kraus’ Inception.
INCEPTION ist ein Musikstück, das von Stefan Kraus komponiert und von Alejandro Mejía Sánchez auf Gitarre gespielt wurde. Stefan Kraus‘s Blogeintrag über seine wunderbare Komposition kann HIER gelesen werden. Oder hier: https://laforgesita.wordpress.com/2022/07/25/alles-auf-anfang/

Und das Musikstück selbst ist HIER in YouTube direkt hörbar. Oder hier:

Einen großen Dank von mir an Stefan – und an Alejandro.

PLATZ HABEN

Die Richtungen zogen durch uns
in entgegengesetzte Persönlichkeiten.
Kein Punkt, daß wir immer noch
im selben Wunder zusammen schreiten.

Sind wir im Laufen uns gekreist oder
bewegen wir uns im Sein und Habe-nicht?
Bin ich hier der Platz, der fehlt? Ein
deutscher Geist mit Schwarzem Gesicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BESEITIGUNG VON ARMUT

Wenn die Beseitigung von Armut
den Reichen obliegt,
besteht darin ein Interessenkonflikt?

Wenn Du reicher bist als niemand,
bist Du überhaupt noch reich?
Seid Ihr alle gleich reich?
Vielleicht seid Ihr auch gleich arm.
Wer weiß?

Reichtum.
Manche wollen mehr als andere haben
Manche wollen einfach nur genug haben
Manche wollen geben um glücklich zu sein
Und empfangen um leben zu können -
Aber keiner will in Armut leben
Und keiner will unwürdig sterben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEWEGLICHE STILLE

When ich Dich berühre,
sonderbar, berührt es mich.
Doch warum,
wenn ich mich finden will,
verlasse ich jedes Mal Dich?

Stopp! Komm nicht näher!
Du darfst mir nicht folgen in die Klamm,
verstehe mich richtig
Ich gehe, weil ich komme, immer wieder -
Halte Dich nur klamm.

Sei mein Ende
Meine Wege sind viele und unergründlich
Lass mich ruhig gehen
Alles hat ein Ende, warte dort auf mich
denn am Ende gibt es nur Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE DIESER NÄCHTE

Ohne einander können wir
nicht mit einander.
Komm schon, bring mich durcheinander
So viel Gegenwart können wir uns gönnen.

Selbst den Anfang des Universums können
wir heute noch sehen,
wusstest Du das? Der Gegenwart stehen
Vergangenheit und Zukunft machtlos gegenüber.

Bring mir Deine Augen, die trüber und trüber
und täglich trüber werden. Schau her,
Liebe ist ein Zündstoff, brennend seit jeher,
als wäre das Herz ein ausziehbares Fernrohr –

Wusstest Du das, Funke, wusstest Du das?
Nur die sich innig binden, werden gelöst.
Nur die ehrlich sündigen, werden erlöst.
Unfassbar. Mein Boden hat kein Faß.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEITALTER DER DESINFORMATION

Die Meldungen waren viele
vielschichtig vielseitig gegenseitig
wechselseitig allgleisig gleichzeitig
Zeitschrift Frakturschrift
Fraktur mit und ohne Schrift

Informationsluken
Informationslücken
In keiner Lüge fehlte Wahrheit
In keiner Wahrheit fehlte Lüge
So waren wir zum Weitersuchen verurteilt

Suchet, so werdet Ihr nichts finden.
Wer nicht findet, der sucht weiter.
Die Nachrichten richten sich danach aus.
Die Meldungen sind selbst die Ware –
Gestern platt, Heute glatt, Morgenblatt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ONCE WE WERE LIGHT

Once we were light
But the world weighed us down
Drowned out our cry of resistance
And put a bandage over our eyes

A desperate cry for help
Before we fell silent
And started to look silently at our children
The way once our parents looked at us

Now we know what they were thinking:
Retain your magic! Retain your lightness!
Even as they said to us worriedly:
You have to learn to fit into the system –

Knowing it was not the way
But knowing no other way
Or knowing it but not having the heart
To push us off the cliff –

Because not everybody grows wings
When falling through the gap.
The generation gap.
Now we watch our children worriedly

Wanting them to become like us
And wanting them to stay themselves too.
Once we were light
But the world weighed us down.

Che Chidi Chukwumerije

WOZU DIE BILLIONEN WAFFEN

Wozu die Billionen Waffen? Sind wir
so viele, daß wir es leisten können
alle umzubringen und es gäbe
noch Menschen genug übrig? Entmenschlicht. Primitiv ohne Ende.
Oder besteht die Welt nur aus Feinden?

Wozu die Billionen Regeln? Werden
so viele gesteuert Roboter gebraucht,
um die Menschen in Schach zu halten?
Die Menschen, die selbst die Roboter
einst ausdachten, aus sich gebaren
und sich mit ihnen endlich ersetzten.

Wozu die Billionen Grenzen? Sind wir
einander so gegenseitig fremd? Wir
leben mit Fremden und die Fremden sind
wir. Wir leben mit uns selbst. Ausgegrenzte
Nachbarn, eingekesseltes Innenleben,
Mobilität beschränkt auf die Angstgrenze.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE INNERE GENERATION

Eine Generation wird es hinkriegen,
sich loszulösen von Menschenkriegen.

Eine Generation wird es schaffen,
wie Menschengeister in Frieden zu schaffen.

Und wenn Du tief in Deine Seele hinein blickst
und diese Sehnsucht drinnen wachsen erblickst,

weißt Du, daß Du Teil dieser Generation bist,
egal wo, egal wann, egal wer wie was Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GLAUBE AN DEN WEG

Ich lebe für die Zeit nach meinem Leben,
für gewöhnlich die Zeit nach meinem Tod genannt;
So habe ich das jetzige Leben irgendwann vorbereitet
und es aus meinem Gedächtnis wohl gebannt.

Denn irgendwas in mir kennt den Weg.

Du wirst tausend Gründe hören,
warum es Armut und Leid und Krieg geben muss –
und warum keiner irgendwas dagegen tun kann –
schenk ihnen keinen Glauben, hebe Deinen Fuß

und folge der Liebe stur auf ihrem Weg.

Es ist der Weg der Solidarität,
der Weg der Nächstenliebe, der Menschlichkeit;
Machen wir die Erde licht, werden unsere Zukunftskinder
der gleichen Art sein wie ihre Vergangenheit.

Das und kein anderer ist der Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung